Debatte um Atomkraft Bundesregierung plant zweiten Stresstest für das Stromnetz

Um die Stromversorgung im kommenden Winter zu sichern, plant die Bundesregierung einen zweiten Stresstest – unter noch schärferen Annahmen als die erste Prüfung im März. Die Maßnahme heizt die Debatte um einen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke in Deutschland erneut an.

Ende des Jahres sollen die letzten Akw in Deuschland abgeschaltet sein.
Ende des Jahres sollen die letzten Akw in Deuschland abgeschaltet sein. Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

In der Debatte um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke hat die Bundesregierung einen weiteren Stresstest für die Stromnetze angeordnet. Wie die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Montag sagte, geht es dabei um mögliche Szenarien für die Stromversorgung im kommenden Winter unter verschärften Annahmen. Sie sollten die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden.

Hoffmann betonte jedoch, dass sich an dem Vorhaben, die verbleibenden drei Atomkraftwerke Ende des Jahres abzuschalten, nichts geändert habe. Die geplante Abschaltung der Akws sei für die Bundesregierung keine ideologische, sondern eine rein fachliche.

Erster Stresstest im März: Stromversorgung ist sicher

Im Frühjahr nach Beginn des Ukraine-Kriegs gab es bereits einen ersten Stresstest. Dabei war mit einer Gasmangellage und einem Gaspreis in Höhe von 200 Euro pro Megawattstunde gerechnet worden. Das Ergebnis damals: Die Stromversorgung in Deutschland ist auch bei einem akuten Gasmangel gesichert.

Basierend darauf entschied die Bundesregierung, dass ein Weiterbetrieb der drei noch vorhandenen Atomkraftwerke nicht nötig sei und sie wie geplant vom Netz genommen werden können. Dabei handelt es sich um Isar 2 in Bayern, das Akw Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Im ersten Quartal 2022 erzeugten sie rund sechs Prozent des Stroms in Deutschland.

Die Akws sollen bis zum Ende dieses Jahres abgeschaltet werden. Der nochmalige Stresstest solle nun noch einmal andere Szenarien abzuklopfen, sagte die Regierungssprecherin. Die Ergebnisse sollten in einigen Wochen vorliegen.

Hitzige Debatte um geplanten Atomausstieg in Deutschland

Angesichts der aktuellen Energiekrise wird erneut heftig über den Atomausstieg diskutiert. So betonen Befürworter, dass verlängerte Laufzeiten zu weniger Verstromung von Gas führen. Gegner wiederum argumentieren, dass Atomkraftwerke ausbleibende Gaslieferungen nicht ersetzen könnten. So erklärte auch eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums: "Atomkraftwerke können das Gasversorgungsproblem nicht lösen, denn sie produzierten eben keine Wärme und könnten damit nicht als Ersatz für Gaskraftwerke dienen."

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, die Debatte um eine Laufzeitverlängerung bewege sich "im Bereich der Spekulation". Die Prüfung vom März habe "ganz eindeutig" ergeben, "dass wir eine Laufzeitverlängerung nach aktueller Lage eben nicht empfehlen".

AFP, epd, MDR (lmb)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juli 2022 | 14:00 Uhr

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