Sitzung im ukrainischen Parlament mit Weihnachtsbaum
Blick ins ukrainische Parlament - die Werchowna Rada. Es hat den neuen Feiertag gebilligt. Bildrechte: dpa

Ukraine Doppelt hält besser: Ukraine feiert zweimal Weihnachten

In der Ukraine gibt es ab diesem Winter zwei offizielle Weihnachtsfeiertage – am 25. Dezember und 7. Januar. Das doppelte heilige Fest hatte das ukrainische Parlament vor wenigen Wochen gebilligt. Manche Ukrainer werten das Zeichen der Verwestlichung.

von Denis Trubetskoy

Sitzung im ukrainischen Parlament mit Weihnachtsbaum
Blick ins ukrainische Parlament - die Werchowna Rada. Es hat den neuen Feiertag gebilligt. Bildrechte: dpa

In der Ukraine wird das orthodoxe Weihnachtsfest mehrheitlich am 7. Januar gefeiert, da sich fast 70 Prozent der rund 45 Millionen Menschen zum orthodoxen Christentum bekennt. In der Westukraine gibt es allerdings auch viele Katholiken und Protestanten, deren Weihnachtsfest bereits auf den 25. Dezember fällt. In diesem Jahr ist dieser Tag erstmals offiziell frei, da ihn das ukrainische Parlament vor Wochen überraschend zum gesetzlichen Feiertag erklärte und damit eine hitzige Debatte auslöste.

Reines Ablenkungsmanöver?

Beobachtern im politischen Kiew gilt der Schritt als reines Ablenkungsmanöver. Sie meinen, es sei klug gewesen inmitten der Berichte um die vom georgischen Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili angeführten Proteste, die Öffentlichkeit auf das Weihnachtsthema zu lenken. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko unterschrieb das Gesetz binnen kurzer Zeit.

Abgrenzung von Moskau

Auch Parlamentschef Andrij Parubij sieht in der Entscheidung ein politische Dimension. Seiner Meinung nach entfernt sich die Ukraine damit "von der mentalen Besetzung Moskaus". Worte, die man in der russischen Hauptstadt kritisch beäugt. Das Moskauer Patriachat kommentierte den Parlamentsbeschluss mit den Worten, Christus sei nur einmal geboren und nicht zweimal. Doch der ukrainische Parlamentschef Parubij kontert in dieser Frage mit einem weltlichen Blick auf die Dinge. Er argumentiert, sein Land beweise mit dem Schritt einmal mehr, dass es zu den Völkern der freien Welt gehöre. Die über etwa 11.000 ukrainischen Gemeinden aus Katholiken und Protestanten, die ihr Weihnachtsfest am 25. Dezember feierten, seien zu viele, um sie länger zu ignorieren.

Katholische Kirche begrüßt Entscheidung      

Bei der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine löste der Parlamentsbeschluss hingegen große Freude aus. Der im westukrainischen Lwiw ansässige Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki sagte, endlich könnten die Ukrainer an diesem freien Tag Weihnachten gemeinsam mit ihren Familienmitgliedern feiern, von denen viele in Westeuropa arbeiteten.

Land über Feiertag gespalten

Weihnachtsschmuck in einem Einkaufszentrum in Kiew
Weihnachtsschmuck in einem Einkaufszentrum in Kiew. Bildrechte: MDR/Denis Trubetskoy

Die Freude über einen neuen freien Tag teilen jedoch viele Ukrainer gar nicht - vor allem nicht im Süden und Osten des Landes. Dort fragt man sich, ob man sich selbst beim Weihnachtsfest nach Westeuropa richten sollte? Schon längst wittert man eine Verwestlichung der Traditionen. Im Trend sind westliche Weihnachtsmärkte statt orthodoxer Kirchengänge. Nun rüttelt der neue Feiertag auch noch an alt hergebrachten Bräuchen. So gibt es derzeit in der Ukraine Diskussionen darüber, warum die ukrainisch-orthodoxe Kirche überhaupt noch am julianischen Kalender festhalten sollte? Sie könne doch wie Katholiken und Protestanten das Weihnachtsfest am 25. Dezember begehen, um wenige Tage darauf Neujahr zu feiern. Bislang ist es für die Mehrheit der orthodoxen Ukrainer umgekehrt: Sie feiern erst Neujahr und am 7. Januar Weihnachten.

Lwiw rechnet mit mehr Touristen

Weihnachtstreiben in der westukrainischers Stadt Lwiw
Eine als Engel verkleidete junge Frau vor einem Weihnachtsmarkt in Lwiw. Bildrechte: IMAGO

In der Westukraine sieht man hingegen im neuen Feiertag neues Wirtschaftspotenzial. So hofft man in der Stadt Lwiw, die zu den touristischen Hochburgen des Landes zählt, dass der freie Tag den einheimischen Tourismus noch stärker ankurbelt. In diesem Jahr passt es besonders gut, da der 25. Dezember auf einen Montag fällt und den Ukrainern damit ein langes Wochenende beschert. Im vorigen Jahr zählte die Region im gesamten Winter rund 400.000 Touristen, in dieser Saison soll der Rekordwert erneut geknackt werden.

Nur noch ein "Tag der Arbeit"

Im kommenden Jahr könnte ausgerechnet im Frühjahr die Diskussion um den neuen Weihnachtsfeiertag erneut entfachen. Denn dann wird im Gegenzug für den 25. Dezember ein anderer Feiertag gestrichen: Bislang feierte die Ukraine den Tag der Arbeit gleich mit zwei freien Tagen - eine Tradition aus Sowjetzeiten. Erst wurde demonstriert, dann gefeiert. Im kommenden Jahr wird nur noch der 1. Mai ein Feiertag sein, am 2. wird wieder gearbeitet. Auch hier nähert sich die Ukraine dem Westen an.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 09.12.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2017, 15:44 Uhr