Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Russland: Schwierige Suche nach deutschen Weltkriegs-Soldaten

Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den russischen Behörden derzeit schwierig. Eine Folge der Ukraine-Krise. Doch man arbeitet beharrlich weiter, damit Anghörige in Deutschland Gewissheit über das Schicksal ihrer Väter und Großväter bekommen - so wie Angela Blecke, die nun zu einer Bestattung nach Wolgograd gereist ist, um von ihrem Vater Abschied zu nehmen.

Bis heute vermisst Angela Blecke ihren Vater schmerzlich. Als sie ein Kind war, ist der damalige Wehrmachtssoldat im russischen Wolgograd, früher Stalingrad, in Gefangenschaft gestorben. Auf dem Grab der Familie in Deutschland steht nur sein Name, die sterblichen Überreste fehlen. Jetzt ist sie nach Wolgograd gereist. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. lässt hier 1.837 Gebeine deutscher Soldaten bestatten, die erst jetzt identifiziert werden konnten. Die Gebeine von Angela Bleckes Vater sind nicht dabei. Sein Name steht lediglich auf einem der Granitblöcke, auf denen rund 120.000 Vermisste verzeichnet sind.

Kriegsgräber, Frau
Angela Blecke in Wolgograd an einem der Granitblöcke für die Vermissten des Zweiten Weltkrieges, auf die auch der Name ihres Vaters eingemeißelt ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Massengrab mit 62.000 Soldaten

Auf dem riesigen Gräberfeld muss Blecke den Stein mit dem Namen ihres Vaters erst einmal finden. Etwa 62.000 Soldaten wurden dort während des Zweiten Weltkrieges in einem Massengrab bestattet. Blecke hat etwas Erde aus Deutschland mitgenommen, "als Gruß von meiner Familie in die Fremde (…) damit dort ein bisschen Heimaterde liegt". In Stille verabschiedet sie sich von ihrem Vater. "Das habe ich empfunden, als wenn auch für meinen Vater eine Beerdigung stattgefunden hätte, obwohl man ja gar nicht so genau weiß, wo seine Gebeine eigentlich liegen".

Hilfe von der russischen Bevölkerung

Foto-Gurskij
Matthias Gurski lebt acht Monate im Jahr in Wolgograd. Der Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. koordiniert und betreibt in Russland die Suche nach sterblichen Überresten deutscher Soldaten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach rund 300.000 Gebeinen sucht der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Russland. Man will sie identifizieren und die Angehörigen in Deutschland benachrichtigen. Matthias Gurski koordiniert und betreibt die Suche - seit mittlerweile 27 Jahren. Bei der Suche ist er völlig auf die Hilfe der russischen Bevölkerung vor Ort angewiesen. "Es sind grausame Erlebnisse, welche man mir erzählt. Und trotzdem sagt man mir anschließend, wo sich eine Suche für den Volksbund lohnen würde", berichtet Gurski.

Russische Behörden behindern

Mit russischen Behörden dagegen gestalte sich der Dialog seit 2014 schwierig. Grund seien die Spannungen zwischen Russland und dem Westen, seit Moskau die ukrainische Halbinsel Krim annektierte, pro-rusische Kämpfer im Osten der Ukraine Krieg mit Kiews Truppen führen und der Westen deswegen Sanktionen gegen Russland verhängte.

Angela Blecke ist jedenfalls erleichtert: Sie hat ihre Mission in Wolgograd erfüllt. Und sie wünscht sich, dass der Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg auch politisch endlich zur Versöhnung führt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 20. September 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 18:07 Uhr

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