Welche Folgen demografische Probleme haben

In Ostdeutschland ist der demografisch Wandel beschleunigter abgelaufen als im Westen. Das hat mit Anforderungen und Zumutungen der Wiedervereinigung zu tun. Wenn Strukturbrüche auftreten, dann kommt es zu Beschleunigungen.

Professor Klaus Friedrich
Arbeiter auf einer Eigenheim-Baustelle. 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir So 15.11.2020 23:19Uhr 01:16 min

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Berücksichtigen Regierungen Vorausberechnungen genügend?

Das ist wirklich die Gretchenfrage. Wenn ich in die Vergangenheit schauen darf, so zeichnete sich schon zur Mitte der 1970er-Jahre deutlich ab, dass sich der demografische Wandel, also die Schrumpfung und die Alterung der Bevölkerung – das sind ja die beiden wesentlichen Komponenten –, aber auch die Internationalisierung zunehmen wird. Man hat diese Zukunftsperspektive aber oft nicht wahrhaben wollen, das hat kein großes Interesse gefunden. Erst in den 80er-Jahren kamen dann Kommissionen, die bundesweit arbeiteten. Und man hat dann langsam gemerkt, dass dies ein drängendes Problem ist. Und seitdem wissen die Planungsverantwortlichen, dass der demografische Wandel eine wichtige Komponente für vorausschauendes planerisches Handeln ist und dass man Prognosen braucht, um in die Zukunft gerichtet arbeiten zu können.

Haben Fehleinschätzungen und die von Ihnen benannten Unsicherheiten Folgen?

Immer dann, wenn man Erwartungen hegt, die dann nicht auftreten. Zum Beispiel habe ich das in Brandenburg gesehen. Da war ich drei Jahre als auswärtiger Experte mit in der Enquete-Kommission des Landtags zur demografischen Entwicklung ländlicher Regionen tätig. Da habe ich gesehen, dass der Städte- und Gemeindebund natürlich darauf Wert darauf gelegt hat, dass ihre Gemeinden möglichst gut dastehen. Also nicht als Verlierer oder Schrumpfgemeinden, sondern möglichst als Wachstumsgemeinden, damit sie Baugebiete ausweisen können, Schulen nicht schließen müssen und ähnliches. Da gibt es schon einen Erwartungsdruck an die Prognosen oder die Bevölkerungsvorausberechnungen.

In der Klimawandeldiskussion gibt es diese Kipppunkte. Gibt es in der Demografie auch Zahlen und Kennziffern, ab denen ein Prozess kritisch oder unaufhaltsam wird?

Demografie ist in der Regel ein relativ träger Prozess. Die Bevölkerung verändert sich normalerweise nicht beschleunigt, deshalb finden wir in der Demografie eher allmähliche und kontinuierliche Übergänge.

Aber, in Ostdeutschland ist der demografische Wandel beschleunigter abgelaufen als im Westen. Das hat mit Anforderungen und Zumutungen der Wiedervereinigung zu tun. Wenn Strukturbrüche auftreten, dann kommt es zu Beschleunigungen.

1 Kommentar

wiederdasselbe vor 37 Wochen

Hier im Kreis Sangerhausen wie in der restlichen Goldenen Aue, Kyffhäuser und Südharz sind wir weder Sachsen, noch Anhaltiner, sondern Thüringer, so wie unsere Nachbarn im Kreis Artern. welche es im Mai 1990 noch rechtzeitig wählen durften, mit 88 % für Thüringen, Wir in SGH kamen zu spät, konnten nicht mehr wählen, sonst wären wir jetzt auch Teil des offiziellen Thüringens. Jetzt habe wir hier eine hässliche Ländergrenze , welche keiner will, unsere Heimat künstlich zerschneidet. Von einem wirtschaftsstarken Standort sind wir zu einer "abgehängten" Region geworden. Diese Kleinstaaterei mit ihren künstlichen Grenzen fördert die Abwanderung der jungen, gut ausgebildeten kreativen und produktiven Bevölkerung (Brain-Drain) , ein mit der Zeit irreversibler Vorgang. Um diesem Trend entgegenzuwirken sollte endlich die Länderfusion Thüringen+ Sachsen+ Bezirk Halle zum Land "Mitteldeutschland", durchgeführt werden, wie es ursprünglich 1990 vorgesehen war.

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