Stadtwerke & Co. Rekordpreis beim Gas: Grundversorgung kann sich lohnen

Jahrelang hieß es für Kunden, die mit Erdgas heizen: einen günstigen Anbieter suchen und Sondertarife checken. Momentan lohnt sich ein Blick auf Grundversorgungspreise. Denn die sind in Sachsen-Anhalt oft günstiger als die Angebote privater Versorger und müssen jeden Privatverbraucher aufnehmen.

Gasherdflamme
Die Gaspreise steigen. Was können Verbraucher jetzt tun? (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Aufgrund der aktuellen Lage an den Energiemärkten kann der Grundversorgungstarif derzeit günstiger sein als alternative Angebote. Das haben Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT ergeben. Wer also aktuell umzieht oder den Versorger wechseln muss, könnte beim Grundversorger momentan sparen.

Schaut man nach Angeboten bei Vergleichsportalen im Internet, unterscheiden sich die Preise aktuell teils erheblich. Ein Beispiel: 12.000 Kilowattstunden für eine 100-Quadratmeter-Wohnung sind bei den Stadtwerken Lutherstadt Eisleben im Grundversorgungstarif aktuell mit rund 80 Euro monatlich angegeben. Für rund 300 Euro Abschlagszahlung im Monat spuckt das Vergleichsportal den nächstgünstigen Anbieter aus – ein Unterschied von 220 Euro pro Monat. Auch bei den Stadtwerken Halle, den Stadtwerken Stendal oder den Städtischen Werken Magdeburg fällt der Direktvergleich zugunsten der Grundversorgung aus.

Einkaufsverhalten bestimmt den Endpreis

Ein Grund hierfür sei die oft unterschiedliche Beschaffungsstrategie, sagt Energieberaterin Birgit Holfert von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Seit Mitte März und mit der Verkündung der Embargos gegen Russland ist der Gaspreis in die Höhe geschnellt. Daher können Lieferanten, die jetzt an der Börse einkaufen wollen oder müssen, nur noch exorbitant hohe Preise an ihre Kunden weitergeben. Zu den Börsenpreisen kommen noch Netzentgelte, Durchleitungsgebühren, Verwaltungskosten und die CO2-Abgabe. Das seien die Preise, die die Unternehmen jetzt an der Börse für Gas zahlten, sagt Holfert. "Und die reichen sie natürlich in ihren Angeboten an die Kunden weiter."

Das sind ganz einfach die Preise, die sie selbst eben jetzt an der Börse für das Gas bezahlen müssen und die reichen sie natürlich dann in ihren Angeboten an die Kunden weiter. Eine andere Möglichkeit besteht für sie dann nicht, wenn sie keine längerfristigen Gasmengen eingekauft haben, vielleicht schon vor ein oder zwei Jahren, als die Preise noch günstiger waren.

Birgit Holfert Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Längerfristige Einkäufe machen den Unterschied: Das bestätigt Iris Rudolph von den Stadtwerken Halle. Hier habe man schon frühzeitig Mengen für die Folgejahre eingekauft und deshalb noch günstige Gasmengen im Portfolio. Zusammen mit den aktuell sehr teuren Zukäufen ergibt sich der moderatere Grundversorgungspreis.

Stichwort: Grundversorger Der Grundversorger ist das Energieversorgungsunternehmen, das in einem Netzgebiet vor Ort die meisten Haushaltskunden mit Strom und/oder Gas beliefert.

Was die Verbraucherzentrale empfiehlt

Bestandskunden sollten ihre längerfristigen Lieferverträge derzeit behalten, rät Birgit Holfert. Selbst bei einem Umzug sollten diese ihren Vertrag mitnehmen. Nur wenn Preiserhöhungen angekündigt werden, dann gilt ein Sonderkündigungsrecht und die Grundversorgung könnte sich lohnen. Da sollten Verbraucher die Preise vergleichen.

Ein Nachteil bei der Grundversorgung: Weil Kunden hier lediglich eine Kündigungsfrist von 14 Tagen haben, können die Versorger monatlich die Preise verändern.

Die Städtischen Werke Magdeburg sind Grundversorger, da sie mit etwa 30.000 Erdgasverträgen die meisten Haushaltskunden im Netzgebiet vertraglich gebunden haben. Sie erhöhen den SWM-Basis-Tarif zum dritten Mal in diesem Jahr. Der Preis steigt zum 1. Oktober um 4,1 Cent je kWh.

Langfristig werden die günstig gekauften Mengen auch bei den großen kommunalen Versorgern immer weniger. Das bedeutet: Früher oder später kommen die aktuellen Markt-Preise zeitversetzt auch bei Grundversorgungskunden an.

MDR (Cornelia Müller) | Erstmals veröffentlicht am 22.08.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. August 2022 | 12:00 Uhr

47 Kommentare

Euphemismus vor 5 Wochen

@elmo
Haltungsemphaten wohin man auch schaut.
Ich möchte meinen Vorschlag dahingehend ergänzen die Studierenden zum helfen heranzuziehen damit sie nicht wieder irgendwo goldene Gans spielen können.

ElBuffo vor 5 Wochen

Ja, ich denke auch, dass es statt mit Liberalisierung bei einer Begrenzung des Marktes auf einen Anbieter alles ganz toll wäre und dieser eine Anbieter niemals im Leben nicht auf die Idee käme, mit der Hand am Hahn politische Zugeständnisse zu erpressen.

ElBuffo vor 5 Wochen

Wladimir sanktioniert doch die Gaslieferungen und nicht die Importeure dessen Abnahme. Der wird in den Sanktionen schon einen Sinn sehen. Ansonsten ist eben der Grundversorger momentan günstiger. Wer noch einen länger laufenden Vertrag hat dürfte wiederum drunter liegen.

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