Energiekrise Energieminister Willingmann will weniger strenge Klimaziele

Der Bundestag will bis 80 Prozent des deutschen Strombedarfs bis 2030 aus erneuerbaren Energien gewinnen lassen. Energieminister Willingmann zeigt sich kritisch, ob das in einer Energiekrise machbar ist. Eine Umstellung werde Zeit brauchen und sei sehr kostenintensiv – auch für private Verbraucherinnen und Verbraucher.

Der Schornstein und die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Schkopau dampfen hinter einem Windpark.
Energieminister Armin Willingmann (SPD) zeigt sich kritisch, ob die Ziele zu erneuerbaren Energien gehalten werden können. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) zeigt sich skeptisch, ob sich die Klimaziele der Bundesregierung angesichts einer sich abzeichnenden Energiekrise umsetzen lassen. Willingmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Idee, die wir auch letztes Jahr noch hatten, im großen Stile mit der Brückentechnologie Gas zu arbeiten, die scheint sich jetzt in der aktuellen Krise jedenfalls nicht realisieren zu lassen."

Ziele in einer anderen Zeit festgelegt

Vor zwei Wochen hatte der Bundestag beschlossen, dass bis zum Jahr 2030 80 Prozent des deutschen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien kommen soll. Dieses politische Vorhaben, so Willingmann, sei aber geplant worden, als der Ukraine-Krieg noch keine Rolle spielte. Jetzt sei die Situation eine andere. Er sagte, dieses Ziel stamme noch aus der Zeit vor dem russischen Überfall. "Es ist unter idealistischen oder idealen Gesichtspunkten auch realistisch. Ich will gar nicht abkehren davon.", erklärte Willingmann. Er würde sich im Moment nur "von den Zahlen freimachen", die ein Stück weit politisch gesetzt seien und unter anderen Rahmenbedingungen mal entstanden seien.

Armin Willingmann (SPD), Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt von Sachsen-Anhalt
Energieminister Armin Willingmann (SPD) sieht eine langfristige Umstellung in der Energieversorgung als notwendig an. Bildrechte: dpa

Wir müssen bei der Industrie einsparen, bei der Wärmegewinnung für die Haushalte und im Verkehr reden wir auch über eine dringend erforderliche Wende.

Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD)

Willingmann verwies in diesem Zusammenhang auf den Zukunftskongress des Landes, der am 12. Juli in Halle stattfand. Bei diesem Treffen sei deutlich geworden, dass es um die gleichzeitige Veränderung in vielen Bereiche gehe. Dies müsse den Bürgern erklärt werden: "Wir müssen bei der Industrie einsparen, bei der Wärmegewinnung für die Haushalte und im Verkehr reden wir auch über eine dringend erforderliche Wende." Allerdings warnte Willingmann vor zu überzogenen Hoffnungen.

Umstellung im privaten Bereich dauert

Die Umstellung werde eine gewisse Zeit brauchen – auch im privaten Bereich: "Tatsächlich ist es natürlich wünschenswert, wenn in den privaten Haushalten von der Nutzung von Gas zur Wärmeerzeugung Abstand genommen wird. Aber da müssen wir uns auch nichts vormachen. Das ist ein sehr langwieriger und übrigens auch ein kostenintensiver Umstellungsprozess." Ohne zusätzliche Förderung sei dieser Umstieg nicht zu schaffen. Willingmann kündigte an, mit der Bundesregierung über weitere Fördermaßnahmen zur Energiewende verhandeln zu wollen.

MDR (Uli Wittstock, Marvin Kalies)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Juli 2022 | 06:00 Uhr

35 Kommentare

Soldaten Norbert vor 1 Wochen

Richtig. Wir Deutschen haben uns doch Dank der grünen Ideologie, dem ökologischen Energieumbau, erst in diese prekäre Lage gebracht und uns von russischem Gas abhängig gemacht. Man kann doch keine grosse Industrienation allein auf sogenannte erneuerbare Energien am Leben erhalten und alle grundlastfähigen Energien verbieten. Das weiss doch eigentlich jedes Kind, das sowas in die Hose geht.

dieja vor 2 Wochen

Alle sind sich einig, mit Worten, die Taten sehen aber anders aus. Die EU hat ja beschlossen,dass Atomkraft und Gas grüne Energien sind. Ein fauler Kompromiss und so sieht es auch beim Weltklimagipfel aus. Jeder denkt an sich, nur die Deutschen preschen vor.
Auch wenn alle Deutschen augenblicklich kein Kohlendioxid mehr produzieren, würde sich an der Erderwärmung nichts ändern. Der jetzt schon tauende Dauerfrostboden gibt riesige Mengen Methan und Kohlendioxid ab. Auch bei der derzeitigen Klimaerwärmung.

Soldaten Norbert vor 2 Wochen

Nur ist es so, die Welt bekundet ihr Verständnis dafür, aber nicht mehr ! Bei uns drängen Politiker , sogar das höchste deutsche Gericht ( obwohl nicht gewählt vom Volk) auf die knallharte Durchsetzung der Klimaideologie. Koste es, was es wolle. Das Volk wir im Prinzip nicht gefragt, nicht mit genommen in dieser Frage. Und das ist eine rDemokratie.

Mehr Politik in Sachsen-Anhalt