Waldbrand Mühevoller Kampf um Erhalt von Löschwasserteichen im Harz

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Der Wald brennt im Harz, wieder einmal. Auch weil das Feuer nahe der Brockenbahnstrecke wütet, kann momentan viel Löschwasser in Kesselwagen der Schmalspurbahn zu den Löschtrupps am Boden gebracht werden. Doch oft fehlt es an ausreichend Löschwasser im Wald. Das ist im Harz leider häufig der Fall, und nicht nur im Nationalpark. Löschwasserteiche könnten Abhilfe schaffen. Doch selbst die vorhandenen werden nicht gepflegt. Wer das ändern will, hat es schwer.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter aus der Elbe Wasser auf um einen Brand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.
Viele Löschwasserentnahmestellen im Harz werden nicht ausreichend gepflegt, beklagt Kai-Uwe Lohse, Chef des Feuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Klaus Gregor ist sauer und verzweifelt. Der pensionierte Revierförster aus dem Oberharzer Ort Tanne zeigt auf eine Art Sumpfwiese. Zwei bis drei Quadratmeter Wasserfläche sind zu erkennen, ein Damm und ein dichter Pflanzenteppich. Diese "Sumpfwiese" ist eigentlich der Giepenbachteich. Dieser kleine Teich zwischen Tanne und Trautenstein war einmal ein Löschwasserteich, den Klaus Gregor vor rund 40 Jahren selbst hat anlegen lassen. Heute ist der Teich verschlammt und zugewachsen und nicht mehr für die Löschwasserentnahme zu gebrauchen.

Ein zweiter Teich in einigen Kilometern Entfernung ist noch nicht ganz so stark verkrautet – aber auch der ist verschlammt und müsste saniert werden. Seit Jahren kämpft der pensionierte Forstmann darum, das zu ändern. In seinem Arbeitszimmer füllen die zahlreichen Briefwechsel mit den Behörden inzwischen Aktenordner. Immer wieder hat er Vorschläge gemacht, hat darum gebeten, dass der Landesforstbetrieb sich der Teiche annimmt.

Giepenbachteich
Der Giepenbachteich im Harz ist völlig verkrautet. Als Löschwasserentnahmestelle ist er derzeit nicht zu gebrauchen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuss

Ministerium antwortet mit "bürokratischen Floskeln"

Aus dem zuständigen Ministerium gab es keine, oder nur beschwichtigende Antworten. Geändert hat sich nichts. Auf die einfache Frage, ob der Landesforstbetrieb die Teiche sanieren bzw. entschlammen könnte, werde mit bürokratischen Floskeln beantwortet, so Gregor. Von der früheren Ministerin Dalbert habe er sogar Antragsformulare bekommen – als ob er privat die Teiche sanieren wolle, erzählt Gregor kopfschüttelnd. Vom jetzigen Minister habe er hingegen gar keine Antwort bekommen, so Gregor.

Kai-Uwe Lohse, Landesfeuerwehrverband Sachsen-Anhalt
Kai-Uwe Lohse, Chef des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt: Viele frühreren Wasserentnahmestellen stehen nicht mehr zur Verfügung. Bildrechte: dpa

Der zweite Teich immerhin könnte bald saniert werden, wurde ihm versichert, eventuell. Klaus Gregor ärgert das zögerliche Handeln, und nicht nur ihn. Auch Kai-Uwe Lohse, Kreisbrandmeister im Landkreis Harz und Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Sachsen-Anhalt, geht es ähnlich. Er bestätigt auch, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Infolge mangelnder Wartung oder des Naturschutzes stünden viele der früheren Wasserentnahmestellen nicht mehr zur Verfügung, sagt er.

Thüringen macht's vor

Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. Dort gibt es seit drei Jahren einen Aktionsplan zur Sanierung von Feuerlöschteichen in Wäldern. Im thüringischen "Aktionsplan Wald 2030" ist ausdrücklich die Sanierung von Feuerlöschteichen in Wäldern eingeplant. Allein im Jahr 2020 hat ThüringenForst rund 470.000 Euro in die Sanierung von 21 Feuerlöschteichen investiert. In den vergangenen beiden Jahren wurden in Thüringen 44 Löschteiche in den Wäldern saniert.

Das Land Sachsen-Anhalt fördert zwar die Instandhaltung und Anlage von Löschteichen, tut aber selbst zu wenig, so die Kritik. So bleibt bei engagierten Menschen wie Klaus Gregor nur Frust. Klaus Gregor: "Jahrelang diskutieren wir über die Sanierung eines kleinen Teiches und es kommt nichts dabei heraus." Vom neuen Minister habe er frischen Wind erwartet, sagt er. Doch da wehe gar kein Wind. Wenn er Vorschläge mache, werde gar nicht geantwortet. Gregor: "Am Ende fragt man sich, ob man sich überhaupt noch kostenlos für etwas engagieren sollte."

MDR (Carsten Reuß, Hannes Leonard) | Erstmals veröffentlicht am 05.09.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. September 2022 | 13:40 Uhr

6 Kommentare

Rotti vor 13 Wochen

Danke für den kritischen Bericht. Da sieht man mal am praktischen Beispiel, wohin eine grüne Ideologie führen kann. Schaut man in den Drömling, da stellt man fest, dass diese grünen Ideologen die Kulturlandschaft so zerstört haben, dass die Störche verschwinden, die im hohen Gras nun kaum Nahrung finden. Damit die auch keine angestammten Nistplätze haben, wurden auch noch die alten Elektromasten umgelegt.

DER Beobachter vor 13 Wochen

Kann mich nicht erinnern, warum die Grünen jenseits Regierungsverantwortung der letzten Jahre und Jahrzehnte in Mitteldeutschland fürs Zuwachsen und Austrocknen der Löschteiche verantwortlich sein sollen...

Fauna 1501 vor 13 Wochen

War ja jahrelang absehbar, aber di e grünen und so weiter wollten doch die Natur, also sollen sie sich auch für solche Sachen verantworten! Wohin soll dass noch führen mit dieser Regierung? Keiner hat Schuld, keiner wars gewesen. Komisch!

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