Das Wort "Plagiat" in einem Wörterbuch
Gegen die Autoren des aktuellen Sachsen-Anhalt-Monitors liegen Plagiatsvorwürfe vor. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance / dpa | Stephan Jansen

Sozialforschung Plagiatsvorwürfe gegen Autoren des Sachsen-Anhalt-Monitors 2023

20. Oktober 2023, 18:11 Uhr

Gegen Autoren des aktuellen Sachsen-Anhalt-Monitors gibt es Plagiatsvorwürfe. Diese hatten das erste Mal die Auswertung der Meinungsumfrage übernommen. Das verantwortliche Marktforschungsinstitut sieht sich nicht in der Verantwortung. Der aktuelle Bericht wurde aus dem Internet entfernt.

In Sachsen-Anhalt gibt es einen Plagiats-Vorwurf gegen den aktuellen Sachsen-Anhalt-Monitor (SAM). Konkret richtet sich der Vorwurf gegen die Autoren, die für dieses Jahr das erste Mal den Zuschlag bekommen hatten, die politische Meinungsumfrage auszuwerten.

Der Sachsen-Anhalt-Monitor Der Sachsen-Anhalt-Monitor wurde seit 2007 vom Zentrum für Sozialforschung im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung erhoben. Ziel war es, das erste Mal seit dem Mauerfall politische Einstellungen zu erfassen. Seitdem wird die repräsentative Befragung im Turnus von ein bis zwei Jahren durchgeführt.

Everhard Holtmann, einer der ehemaligen SAM-Autoren aus dem Zentrum für Sozialforschung Halle (ZSH), sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir haben mithilfe einer Plagiatssoftware den Text des Sachsen-Anhalt-Monitors 2023 überprüft und sind zu einem Plagiatsanteil von 54 Prozent gekommen." Weite Textpassagen, Fußnoten und Anmerkungen seien wortwörtlich ohne Hinweis auf die eigentlichen Autoren aus dem vorherigen Sachsen-Anhalt-Monitor übernommen worden.

Sachsen-Anhalt-Monitor seit diesem Jahr von Marktforschungsinstitut verfasst

Der Sachsen-Anhalt-Monitor wurde seit 2007 vom ZSH erstellt und soll laut der auftraggebenden Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt Aufschlüsse darüber geben, wie die Sachsen-Anhalter sich und ihr Land, die politischen Institutionen sowie die Demokratie sehen.

Im Jahr 2023 wurde der Sachsen-Anhalt-Monitor nicht mehr vom ZSH, sondern vom Marktforschungsinstitut GMS Dr. Jung GmbH erstellt. Zu dieser aktuellen Fassung des Sachsen-Anhalt-Monitors hat das ZSH aus den genannten Gründen am Montag eine Plagiatswarnung herausgegeben.

Markforschungsinstitut sieht sich nicht in der Verantwortung

Die beschuldigte GMS Dr. Jung GmbH aus Hamburg sieht sich nicht in der Verantwortung. Geschäftsführer Rainer Arenz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe sich an die öffentliche Ausschreibung des Auftraggebers gehalten.

Laut Arenz hieß es dort, dass die Struktur und der Aufbau der vorhergehenden Sachsen-Anhalt-Monitore beizubehalten sei. "Nach unserer Ansicht wird durch die öffentliche Vergabe eine Leistung im Sinne des Werknutzungsrechtes vergeben", so der Geschäftsführer. Damit würden die Nutzungsrechte an der Arbeit an den Auftraggeber übergehen, in diesem Fall die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, so Arenz. Die volle Verantwortung liege also bei der Landeszentrale für politische Bildung, die den Sachsen-Anhalt-Monitor ausgeschrieben habe, ohne vorher zu klären, bei wem die Rechte der Texte der Vorgängerversionen lägen.

Monitor aktuell nicht im Netz zu finden

Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt (LpB) antwortete auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, sie sei vom ZSH wenige Tage nach Erscheinen des Sachsen-Anhalt-Monitors 2023 über den Sachverhalt informiert worden und habe den SAM nach stichprobenartigen Untersuchungen vorsorglich von allen Landesseiten im Netz entfernt.

"Die LpB als Auftraggeberin erwartet vom Auftragnehmer ein den wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Werk. [...] Das Verschulden liegt auf Seiten der Auftragnehmerin." An den erhobenen Daten des SAM 2023 gebe es allerdings keine Zweifel, diese seien von einer anderen Firma erhoben worden. Derzeit sprächen alle Seiten miteinander über die Vorwürfe.

Die GMS Dr. Jung GmbH erhielt nach LpB-Angaben bisher 11.591,68 Euro. Die Restzahlung sei nicht ausgezahlt worden, so LpB-Direktor Maik Reichel in seiner Antwort an MDR SACHSEN-ANHALT. Ein finanzieller Schaden sei jedoch nicht entstanden, da die erhobenen Daten korrekt seien und weiterhin genutzt werden könnten. In den derzeitigen Gesprächen prüfe man auch rechtliche Schritte.

MDR (Engin Haupt, Karsten Kiesant, Maximilian Fürstenberg)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Oktober 2023 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Gurg vor 38 Wochen

Offensichtlich wurde der alte Bericht als Vorlage genutzt und mit neuen Daten aktualisiert und diese interpretiert. Ansatz und Methodik sind dieselben geblieben. Daher macht es auch wenig Sinn, da umzuformulieren. Bei ca 50% neuem Text ist möglich, dass inhaltlich keine oder nur geringe Probleme vorliegen.

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