Neue Zahlen Mehr Wölfe in Sachsen-Anhalt – auch Zahl der Angriffe auf Nutztiere steigt

In Sachsen-Anhalt wächst die Zahl der Wölfe. Laut Wolfsmonitoring stieg die Zahl der Tiere auf 183. Das sind 23 mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Fälle, in denen Wölfe Nutztiere gerissen haben, hat sich auf 75 erhöht. Umweltminister Willingmann sprach sich trotzdem dagegen aus, die Wölfe ins Jagdrecht aufzunehmen. Stattdessen solle in Herdenschutz investiert werden.

Wölfe
In Sachsen-Anhalt leben 2022 mehr Wölfe als noch 2021 (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Der Wolf breitet sich in Sachsen-Anhalt weiter aus. Das geht aus dem Wolfsmonitoring-Bericht des Landesamts für Umweltschutz hervor. Insgesamt leben nun 183 Wölfe in Sachsen-Anhalt. 2021 waren es noch 157 Wölfe gewesen. Neue Wolfsrudel wurden im Jerichower Land bei Wahlitz und im Landkreis Wittenberg bei Hundeluft gemeldet.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Fälle, in denen Wölfe Nutztiere gerissen haben, auf 75 angestiegen. Das sind 13 mehr als noch 2021.

Diskussion über Schutzstatus der Wölfe

Sachsen-Anhalts Umweltminister Willingmann spricht sich trotz der leicht gestiegenen Anzahl an Rissen gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht aus. Er sagte, statt den Wolf zu schießen, sollte mehr Geld in Herdenschutzmaßnahmen investiert werden. Diese seien der effektivste Schutz gegen Wölfe. Zudem würden sie zu 100 Prozent subventioniert. Der Abschuss von einzelnen "Problemwölfen" sei schon heute in Ausnahmefällen erlaubt.

In Sachsen-Anhalt hatte es zuletzt Diskussionen über den Schutzstatus der Wölfe gegeben. Wegen der Hohen Kosten für den Herdenschutz wird derzeit darüber diskutiert, ob Wölfe leichter geschossen werden dürfen. Landwirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) hatte einen entsprechenden Vorstoß im EU-Parlament begrüßt. Dort wird gerade untersucht, ob der Schutzstatus der Wölfe von "streng geschützt" auf "geschützt" herabgestuft werde sollte.

Was bedeutet es, dass Wölfe "streng geschützt" sind? Wölfe stehen in Deutschland derzeit als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die Wölfe verhalten sich bei der Begegnung mit Menschen aggressiv. Wenn der Wolf auf "geschützt" herabgestuft wird, würde es einfacher werden, Wölfe abschießen zu dürfen. Zum Beispiel könnten leichter Ausnahmegenehmigungen dafür erteilt werden, wenn Herdenschutzmaßnahmen nicht wirksam umgesetzt werden können.
Tierschützer äußerten sich besorgt über den Vorstoß. Die EU will nun eine Analyse zur Lage der Wölfe anfertigen und dann über die besten Möglichkeiten beraten.

dpa, MDR (Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Dezember 2022 | 15:00 Uhr

4 Kommentare

Senta Tangerstedt vor 8 Wochen

Endlich mal ein Umweltminister, der sich an wissenschaftlichen Fakten orientiert und Vernunft beweist. Mit einer Bejagung der Wölfe ist keinem Tierhalter geholfen. Die verbliebenen bzw. zügig neu hinzugewanderten Wölfe würden das unzureichend geschützte Buffet genauso annehmen. Welchen Schutzeffekt also verspricht man sich von der Jagd? Ein guter Elektrozaun ist eine zuverlässige Vergrämung, weil er wiederholt bei jeder einzelnen Berührung negativ konditioniert - und zwar nicht nur bei einem, sondern auch bei allen nachfolgenden Wölfen. Damit ist diese Art von Herdenschutz wesentlich nachhaltiger und tierschutzgerechter sowohl für Wölfe als auch für die Weidetiere.

pwsksk vor 8 Wochen

Haben sie schon einmal etwas von zusätzlichen Kosten für die "Viehzüchter" gehört?
Für die Betroffenen schlimm.
Für mich KEINE Luftnummer.
Und wenn wirklich einmal jemand angegriffen wird, selbst Schuld, oder wie.

Ernie vor 8 Wochen

Diese ganze Diskussion, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, ist doch reine Augenwischerei. Der Wolf wird dadurch nicht jagdbar, er bleibt ganzjährig geschützt. Stattdessen werden unnötige Doppelstrukturen aufgebaut, Jagd und Naturschutz sind jetzt beide zuständig. Der Streit, wer den überfahrenen Wolf dann zum Senkenberginstitut nach Berlin zur Untersuchung fährt, ist vorprogrammiert. Der Wolf ist seit über 15 Jahren im Jagdrecht in Sachsen - geschossen werden darf er trotzdem nicht. Wir reden von unter 100 Übergriffen p.a., die entschädigt werden. Für die Betroffenen schlimm, aber im Gesamtkontext eine Luftnummer. Wir haben jedes Jahr ca. 15.000 Wildunfälle allein in LSA, also Wild ist genug da. Seit der Wolf wieder in Deutschland ist, gibt es nachweislich keine Übergriffe auf Menschen. Jedes Jahr gibt es jedoch allein in LSA ca. 100 Übergriffe von Hunden auf andere Tiere, aber auch Menschen - denn erschießen wir doch erstmal die Schäferhunde, Dobermänner, Rottweiler etc..

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