Ackerkulturen in der Baumschule Agroforst im Ökodorf: Wo Kinder die Zukunft pflanzen

09. November 2022, 12:39 Uhr

Ungefähr so alt wie die Kinder sind auch die Apfelbäume, die sie an diesem Tag einpflanzen wollen. Dabei staunen die Kids nicht schlecht, als sie erfahren, dass junge Bäume, genau wie sie selbst, eine Schule besuchen – eine Baumschule. Dahinter steckt ein Projekt, das dem Nachwuchs beibringen soll, wie gut es ist, Ackerkulturen mit Bäumen und Sträuchern zu kombinieren.

Eine blonde Frau mit Brille
Bildrechte: Carina Emig

An der Seite von Obstbaumschullehrer Uga Wolf aus dem Ökodorf Sieben Linden lernen Poppauer Waldkita-Kinder und Grundschüler aus Depekolk heute ganz viel über Baumerziehung und Artenreichtum, denn in seiner Schule werden über 600 Baumsorten erzogen.

Kinder werden Agroförster

Zehn kleine Apfelbäumchen verlassen dann gemeinsam mit den Kids die Obstbaumschule. Sie sind groß genug und siedeln um auf einen benachbarten Ökodorf-Acker. So werden die Baumschüler zu Agroforst-Bäumen und die Kinder zu ihren Agroförstern.

Das sind Streuobst-Wiesen Streuobstwiesen sind von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaften mit Obstbäumen unterschiedlichen Alters und verschiedener Sorten. Die Bäume stehen dabei so weit auseinander, dass jeder Baum genug Platz und Licht zum Wachsen hat. Düngemittel oder Pestizide kommen nicht zum Einsatz, denn das Ökosystem ist in sich stabil und reguliert sich selbst. Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten können auf einer Streuobstwiese vorkommen. Bundesweit gibt es rund 30.0000 Hektar Streuobstbestände. Die Römer brachten diese Anbauform vor mindestens 2.000 Jahren nach Mitteleuropa.

Heute allerdings geht es um eine ganz besondere Streuobstwiese: um ein groß angelegtes Agroforst-Projekt nahe des Ökodorfes Sieben Linden. Wie genau Agroforst funktioniert, erklärt der Sieben-Lindener Thomas.

Gespannt hören die Kinder aus der Freien Schule Depekolk und aus dem Waldkindergarten Poppau zu, bevor ihre Spaten, Eimer mit Humuserde und Wasserkanister zum Einsatz kommen. Schließlich sind die jungen Apfelbäume, wie die Kinder selbst, sehr hungrig und durstig. Zehn Bäumen geben die Kinder heute Nahrung, Wasser und ein neues Zuhause.

Das bedeutet Agroforst In der Agroforstwirtschaft, kurz Agroforst, werden Gehölze wie Bäume oder Sträucher mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung so auf einer Fläche kombiniert, dass zwischen den verschiedenen Bewirtschaftungsformen ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen.

Weniger Wasser und Wind, dafür mehr Artenvielfalt

Vor Ort im Agroforst sollen die Kinder erleben und begreifen, was es für Vorteile bringt, wenn Ackerkulturen mit Bäumen oder Sträuchern kombiniert angepflanzt werden. Sie erfahren, welche Tiere und Pflanzen nun zwischen den Ackerflächen einziehen können, oder wie der Schatten der Bäume dafür sorgt, dass weniger Wasser aus dem Ackerboden verdunstet.

Zudem sollen ihre Apfelbäume in Zukunft helfen, mit ihrem Laub den Boden fruchtbarer zu machen und gleichsam den Wind davon abhalten, ertragreichen Ackerboden weg zu pusten. Nun blicken die Kinder gespannt in die Zukunft und freuen sich schon jetzt darauf, wenn ihre Apfelbäumchen eines Tages Früchte tragen.

Das Agroforst-Projekt in Sieben Linden

Auf dem 17 Hektar großen Ökodorf-Acker stehen bereits fünf Baumstreifen, dazwischen ist Platz für den Traktor. Die Vorteile des Agroforstsystem gegenüber einer freien Ackerfläche sind: weniger Erosion, ein sich selbst regenerierender Boden, ein verbesserter Wasserhaushalt sowie die biologische Vielfalt der Gehölzstreifen.

MDR (Carina Emig, Luca Deutschländer)

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