Eine Streikende hält während eines Warnstreiks vor der Ikea-Firmenzentrale einen Banner mit der Forderung von 2,50 Euro mehr die Stunde hoch.
Mehr Lohn – das ist eine der Forderungen der Gewerkschaft Verdi, die zum Warnstreik aufgerufen hatte. Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Gewerkschaft fordert Lohnerhöhung Warnstreik in Magdeburg: Edeka bietet Prämie für Nicht-Streikende

26. Juni 2023, 16:12 Uhr

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Edeka-Zentrallagers bei Magdeburg haben am Montag die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen. Das Unternehmen zeigt kein Verständnis dafür – und hat den Mitarbeitern eine Prämie angeboten, wenn sie nicht am Warnstreik teilnehmen. Schon Ende vergangener Woche hatten Beschäftigte im Einzel- und Versandhandel gestreikt. Die nächste Verhandlungsrunde im Tarifstreit ist am 4. Juli geplant.

Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Edeka-Zentrallagers in Osterweddingen bei Magdeburg haben am Montag die Arbeit niedergelegt. Zum Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Grund sind die andauernden Tarifverhandlungen.

Bei Edeka hat der Warnstreik nach Angaben des Unternehmens für Unverständnis gesorgt. Die Inflation stelle sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen vor Herausforderungen, daher sei man an einem schnellen Tarifabschluss interessiert, erklärte eine Sprecherin. Auf die Lieferungen an die Edeka-Märkte habe der Warnstreik keinen Einfluss gehabt. Im Lager arbeiten Verdi zufolge mehr als 600 Menschen.

Edeka bietet Prämie für Beschäftigte, die nicht streiken

Edeka hat unterdessen versucht, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Warnstreik abzuhalten. Streikende sagten MDR SACHSEN-ANHALT, das Unternehmen habe denjenigen, die nicht daran teilnehmen, eine Prämie angeboten. Eine Konzernsprecherin bestätigte das am Montagnachmittag auf Nachfrage.

Laut Verdi-Gewerkschaftssekretärin Christine Stoffl handelte es sich bei der Prämie um eine Zahlung von 180 Euro brutto sowie ein Geschenkepaket im Wert von 20 Euro. Zudem sollten die Beschäftigten eine freiwillige Lohnerhöhung von vier Prozent bekommen, sollten die aktuellen Tarifverhandlungen scheitern.

Der Arbeitgeber schiebt jetzt die unterste Schublade auf mit Einschüchterung.

Streikende Mitarbeiterin des Edeka-Zentrallagers

Das könne nicht funktionieren, erklärte Stoffl: "Das ist alles freiwillig, und freiwillig kann man sofort wieder wegnehmen." Eine Streikteilnehmerin sprach von "Almosen" – während es um tarifwirksame Löhne gehe. Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen seien gedanklich beim Streik dabei, hätten aber Angst vor negativen Konsequenzen. "Der Arbeitgeber schiebt jetzt die unterste Schublade auf mit Einschüchterung", sagte sie.

Warnstreik: Aktionen am Freitag und Samstag

Schon in der vergangenen Woche hatte Verdi die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel in Sachsen-Anhalt zu Warnstreiks aufgerufen. Am Freitag hatten Beschäftigte von Ikea, Kaufland, Edeka und Marktkauf im Raum Magdeburg sowie den Kaufland-Filialen in Dessau-Roßlau, Zeitz, Aschersleben, Bitterfeld-Wolfen und Bernburg gestreikt. Am Samstag gab es weitere Warnstreiks von Beschäftigten bei Ikea, Kaufland und E-Center im Raum Magdeburg sowie bei Marktkauf Burg.

"Dass die Beschäftigten, die ihren Unternehmen in dieser Zeit Rekordumsätze erwirtschaftet haben, sauer sind, ist verständlich", sagte Christine Stoffl. An einer zentralen Kundgebung am Freitag vor der Marktkauf-Filiale in Burg im Jerichower Land haben sich nach Angaben der Gewerkschaft rund 80 Beschäftigte beteiligt. Am Samstag versammelten sich die Streikenden demnach bei Ikea in Magdeburg. Auch im Groß- und Außenhandel hatte Verdi zu Warnstreiks aufgerufen.

Tarifverhandlungen am 4. Juli

Eine erste Tarifrunde für die Beschäftigten des Einzelhandels in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen am 1. Juni war ohne Ergebnis geblieben. Am 4. Juli soll es die nächste Verhandlungsrunde geben. Verdi fordert unter anderem eine Erhöhung der Löhne um 2,50 Euro pro Stunde. Die Arbeitgeberseite bezeichnete die Lohnforderungen zuletzt als "unrealistisch".

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder kleinere Streikaktionen in der Region gegeben. Auch in Sachsen und Thüringen waren Beschäftigte im Handel nach der ersten Tarifrunde zum Warnstreik aufgerufen.

MDR (Michael Rosebrock, Julia Heundorf, Maren Wilczek, Max Hensch, Guido Hensch, Christoph Dziedo), dpa | Erstmals veröffentlicht am 23.06.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Juni 2023 | 12:30 Uhr

4 Kommentare

Dachs vor 42 Wochen

Ich gönne den Beschäftigten einen besseren Lohn, jedoch ist das nicht der Weg zu einer Lösung denn die Mehrausgaben der Unternehmen werden auf die Produkte aufgeschlagen. Verdi lockt damit nur neue Mitglieder um ihre Einnahmen zu erhöhen und der Staat ist froh, dass die Aufstockungsbeträge zurückgehen aber bezahlen tun wir das alles. Nur ein stoppen der Inflation oder Zahlungen vom Staat kann zu einem Ziel führen aber da hat leider keiner ein Interesse daran solange die Bevölkerung es zahlt.

ElBuffo vor 42 Wochen

Die Läden hatten doch trotzdem auf und zig andere sowieso. Dafür braucht es nun keinen Vorrat. Und die Keller müssten doch noch von den letzten Hamsterkäufen voll sein. Wird ja nun nicht nur Klopapier gewesen sein.

Thommi Tulpe vor 42 Wochen

Für den Krisenfall empfiehlt man uns doch, Vorräte für 2 Wochen anzulegen. Folglich dürfte es sogar kein Problem sein, wenn der Einzelhandel vielleicht wie die Bahn in einen unbefristeten Streik geht!?
Zur Not gibt es immer noch Lieferdienste. Noch nichts von der "Flaschenpost" gehört? (Satire aus!)

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