Nach EU-Vorstoß Landwirtschaftsminister Schulze befürwortet weniger Schutz für Wölfe

Der Schutzstatus für Wölfe könnte bald gelockert werden. Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Sven Schulze unterstützt einen entsprechenden Vorschlag der EU. Der Herdenschutz sei mit der steigenden Zahl an Wolfsrudeln auf Dauer nicht zu stemmen.

Ein Wolfsrudel steht im Unterholz
Die Schutzbedingungen für Wölfe könnten bald gelockert werden (Symbolbild). Bildrechte: imago images/imagebroker

Sachsen-Anhalts Wölfe könnten es bald deutlich schwerer haben als bisher. Landwirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) unterstützt die Überlegungen der Europäischen Union, den Schutzstatus für Wölfe zu lockern. Er sagte am Mittwoch, weil die Zahl der Wolfsrudel steige, müsse stetig in den Herdenschutz investiert werden. Für Weidetierhalter seien die Kosten teils existenzbedrohend.

Land unterstützt Herdenschutz mit Millionen

Das Land Sachsen-Anhalt unterstütze die Tierhalter mit all seinen Möglichkeiten – dauerhaft werde das kaum noch zu stemmen sein. Im Jahr 2021 hat Sachsen-Anhalt den Herdenschutz mit fast 2,65 Millionen Euro gefördert. Schulze begrüßt daher die Initiative der Europäischen Kommission, den Schutzstatus der Wölfe von "streng geschützt" auf "geschützt" herabzustufen.

Was bedeutet es, dass Wölfe "streng geschützt" sind? Wölfe stehen in Deutschland derzeit als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die Wölfe verhalten sich bei der Begegnung mit Menschen aggressiv. Wenn der Wolf auf "geschützt" herabgestuft wird, würde es einfacher werden, Wölfe abschießen zu dürfen. Zum Beispiel könnten leichter Ausnahmegenehmigungen dafür erteilt werden, wenn Herdenschutzmaßnahmen nicht wirksam umgesetzt werden können.
Tierschützer äußerten sich besorgt über den Vorstoß. Die EU will nun eine Analyse zur Lage der Wölfe anfertigen und dann über die besten Möglichkeiten beraten.

Pyrenäen-Berghund bei einer Schafherde.
Das Land Sachsen-Anhalt hat den Herdenschutz stark gefördert (Symbolbild). Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Wolfsexperte: Werden lernen mit Wölfen zu leben

Die Diskussionen um den Umgang mit den Wölfen sind nicht neu. Erst vor wenigen Tagen gab es heftige Reaktionen, weil Wölfe in Wittenberg nahe einem Wohngebiet drei Schafe und eine Ziege gerissen hatten. Der Wolfspädagoge Thomas Frost geht davon aus, dass Wölfe zukünftig häufiger in Wohngegenden anzutreffen sein werden.

Der Wolf durchstreife die Gegenden und habe keine natürliche Scheu vor Menschen, sondern lediglich Desinteresse. Zufällige Begegnungen werden laut Frost daher zunehmen. Er geht davon aus, dass sich die Menschen daran gewöhnen werden, Wölfen begegnen zu können. So, wie man auch ab und zu einem Fuchs begegne.

MDR (André Damm, Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. November 2022 | 08:00 Uhr

17 Kommentare

Denkschnecke vor 8 Wochen

Dass nun wegen einer zunehmenden Wolfspopulation Schafe und Ziegen aussterben würden (die in Mitteleuropa meines Wissens eher seit Jahrtausenden endlich sind) ist m.E. wirklich grotesk.

Senta Tangerstedt vor 8 Wochen

Niemand behauptet, dass es einen "absolut vor dem Wolf schützenden Herdenschutz" gibt. Seltsam ist, dass diese Behauptung gern von Leuten erhoben wird, die in der Bejagung der Wölfe einen absoluten Schutz sieht. Der ist wissenschaftlich erwiesen sogar noch unzuverlässiger und sogar kontraproduktiv, weil jedes freie Revier von neuen Wölfen frequentiert wird. Jagd macht die Wölfe auch nicht "scheu" wie das Beispiel Schweden zeigt. Trotz zunehmender Bejagung werden Wölfe weiterhin in Siedlungen gesehen und können schlecht geschützte Schafe weiterhin nicht von "erlaubter" Beute unterscheiden. Dieser Annahme liegt ein zutiefst kindliches, vermenschlichendes Bild des Wolfes zugrunde, das in der wildökologischen Wissenschaft keine Entsprechung findet.

Senta Tangerstedt vor 8 Wochen

Die Arten gehen nicht dadurch verloren, weil der Wolf wieder zurück ist, sondern weil der Mensch die Lebensräume immer mehr für sich beansprucht (Siedlungen, Straßen, landwirtschaftliche Monokulturen) und nicht mal auf den verbleibenden Flächen bereit ist, sich mit der Natur (Wolf, Luchs etc) zu arrangieren. Wenn Schäfer aufgeben, geben sie halt auf. Dann kommen neue oder die Narurschutzverbände übernehmen die Aufgabe, wo der Schwerpunkt die Landschaftspflege ist und nicht der Profit durch die Schlachtung der Weidetiere.

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