Schilderklau Amerika und Mühlrose: Diese Ortsschilder sind begehrt bei Dieben

Das höchste Ortseingangsschild hängt wahrscheinlich in der Oberlausitz. Weil die Ortstafeln von Mühlrose im Landkreis Görlitz immer wieder gestohlen werden, wuchs das letzte verbliebene Ortseingansschild auf die stattliche Höhe von fünf Metern. Möglicherweise hängt der Diebstahl mit dem benachbarten Braunkohletagebau zusammen.

Ortseingangsschild Mühlrose
Um Dieben das Handwerk zu erschweren, hat die Gemeinde die Ortstafel von Mühlrose in fünf Meter Höhe angebracht. Bildrechte: MDR/Stefan Schmidt

Ein kalter Wind fegt über die Straße. Im Dunst in luftiger Höhe zeigt eine Tafel den Ortseingang von Mühlrose an. Als unbedarfter Autofahrer fragt man sich: "Was soll das Ortseingangsschild ganz da oben?" In fünf Meter Höhe ragt die Ortstafel neben der Fahrbahn. Ein Verkehrsschild für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer nur wenige Meter weiter, befindet sich allerdings auf ganz normaler Höhe. Laut Gemeindevertretung soll damit das Ortsschild vor Dieben geschützt werden.

Schilder mit ungewöhnlichen Ortsnamen begehrt bei Dieben

Orte mit Namen wie Entenschenke, Ziegenfauze und Reißaus oder Amerika sind ungewöhnlich und deshalb verschwinden in diesen Gemeinde ab und zu die Ortstafeln. Manch eine davon taucht später auf einem Trödelmarkt wieder auf. Doch Mühlrose ist nicht unbedingt ein außergewöhnlicher Ortsname. Trotzdem häufen sich hier im Ortsteil von Trebendorf die Diebstähle.

Immer wieder verschwanden die Ortstafeln von Mühlrose spurlos. Deshalb stellt die Gemeinde unweit der Kirche keine Ortsmarken mehr auf. Ein Ortseingangsschild wurde bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen gestohlen. "Wir haben uns überlegt, was wir gegen die fortwährenden Diebstähle machen können", sagte Trebendorfs Bürgermeister Waldemar Locke (CDU) unlängst in einer Ratssitzung. Immerhin koste jedes neue Schild, so Locke, die Gemeinde 170 Euro. Deshalb sei die Verwaltung auf die Idee gekommen, die letzte verbliebene Ortstafel in unerreichbare Höhen zu hängen. "Wir haben damit wahrscheinlich das höchste Ortseingangsschild in ganz Sachsen", lächelt der Bürgermeister.

Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle.
Der Tagebau Nochten kommt Mühlrose immer näher. Vielleicht werden die Schilder gestohlen, um ein Stück Heimat zu bewahren. Bildrechte: dpa

Ein Andenken an die Heimat?

Weil der Braunkohletagebau Nochten erweitert wird, muss Mühlrose von der Landkarte verschwinden. Möglicherweise ist deshalb die Ortstafel für manchen Einheimischen ein Stück Heimat. Bis 2024 werden nämlich alle Einwohner von Mühlrose umgesiedelt sein und schon kurze Zeit später rücken die Bagger an.

Bereits jetzt knabbern die Schaufelräder der Stahlkolosse am Ortsrand. Als Bürgermeister kann Waldemar Locke deshalb gut verstehen, dass die Ortstafel von Mühlrose nach der Umsiedlung ein neues Domizil im Partykeller oder in der Garage oder in der Hobbywerkstatt findet. Aber besser wäre es, die Ortstafeln würden nicht mehr gestohlen, so der Bürgermeister.

Bürgermeister will zur Not Kameras einsetzen

Eines hat die Gemeinde zumindest erreicht: Mit der begehrten Tafel in fünf Meter Höhe wird der Schilderklau deutlich schwieriger. Falls aber Mühlrose erneut sein Ortseingangsschild einbüßt, will der Waldemar Lucke das Schild mithilfe von Kameras überwachen: "Da kommen wir den Dieben auf jeden Fall auf die Schliche!"

MDR (ss/uwa)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 21. November 2022 | 19:30 Uhr

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