Viermal lebenslänglich für Mordkomplott in Großenhain

Ein grausamer Mord erschütterte im Juni 2020 Großenhain. Über Tage hinweg war dort in einem einsamen Waldstück ein 38 Jahre alter Mann gequält worden. Er starb an seinen schweren Verletzungen. Zwei Männer und zwei Frauen mussten sich deshalb seit Mai vergangenen Jahres vor dem Landgericht in Dresden verantworten. Jetzt fiel das Urteil.

Landgericht Dresden
Am Landgericht in Dresden wurden die Beteiligten des Großenhainer Mordkomplotts am Mittwoch verurteilt. Bildrechte: MDR / Christoph Stelzner

Zwei Frauen und zwei Männer aus Großenhain müssen wegen Mordes lebenslänglich ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte das Landgericht Dresden am Mittwochnachmittag. Die Schwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, dass eine 33 Jahre alte Frau im Sommer 2020 ihren damaligen Freund und ein bekanntes Pärchen zum Mordanschlag auf ihren Noch-Ehemann anstiftete und ausführte. Dabei wiege für Witwe Stefanie W. die Schuld besonders schwer, sagte der Vorsitzende Richter Herbert Pröls.

Ehemann grausam im Wald gequält

Laut Anklage haben die vier Angeklagten den Ehemann von W. am 13. Juni 2020 entführt und in Tötungsabsicht grausam und über Tage in einem einsamen Waldstück gequält. Dabei sollen die beiden Männer auf den 38-Jährigen eingetreten, eingeschlagen und ihn dann schwerverletzt haben liegen lassen. In der Nacht und den beiden darauffolgenden Tagen kehrten sie und W. dann mehrfach zurück und quälten den Mann weiter - warfen unter anderem kiloschwere Steine auf den Wehrlosen. Laut Rechtsmedizin erlitt er ein Polytrauma aufgrund der vielen Brüche und starb qualvoll nach ein bis zwei Tagen im Wald.

17.000 Euro Sterbeversicherung als Mordmotiv

Laut Staatsanwaltschaft hatte die Hauptangeklagte ein Komplott initiiert, um ihren Noch-Ehemann loszuwerden - aus Angst vor Auseinandersetzungen um den gemeinsamen Sohn und die Zwillinge, die sie erwartete. Sie habe das Trennungsjahr nicht abwarten wollen, sagte Staatsanwalt Till von Borries an einem früheren Verhandlungstag. Zudem soll es um 17.000 Euro aus einer Sterbeversicherung des Opfers gegangen sein.

Leiche nach Vermisstenmeldung gefunden

Am 19. Juni 2020 hatten W. und ihre Schwiegermutter den 38-Jährigen als vermisst gemeldet - am Abend dann war dessen Leiche gefunden worden. Bei der Vernehmung der Beteiligten hatte der 30-Jährige den Anschlag gebeichtet und auch später im Prozess ausgesagt. Obwohl er sich als neuer Partner und Beschützer von W. wähnte, erfuhr er bei der Gerichtsverhandlung zudem, dass diese längst mit einem weiteren Mann verlobt und von diesem schwanger war.

MDR(sth)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 09. Februar 2022 | 18:30 Uhr

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