Neues Rathaus in Leipzig
Im Leipziger Rathaus könnte es für die Mitarbeiter künftig etwas ruhiger zugehen. Mittagsschlaf soll zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen. Bildrechte: imago images/Westend61

Powernap im Rathaus Leipziger Stadtrat beantragt Mittagsschlaf in Amtsstube

09. Februar 2023, 18:10 Uhr

Home-Office, New Work, Powernapping: Die Arbeitswelt verändert sich rapide. Der Leipziger Stadtrat Thomas Kumbernuß will dem nun Rechnung tragen. Er setzt sich für einen Mittagsschlaf im Rathaus ein.

"Die Partei" ist für ihre satirischen Polit-Vorschläge bekannt und berüchtigt. Der Leipziger Stadtrat Thomas Kumbernuß, Mitglied der "Partei," setzt sich nun für einen Mittagsschlaf von bis zu zwei Stunden als Teil der Arbeitszeit in der Stadtverwaltung der Messestadt ein. Diesen Antrag hat er am Mittwoch in der Stadtratssitzung offiziell eingebracht.

Keine Einkäufe und kein Späterkommen

Kumbernuß fordert: "Der tägliche Mittagsschlaf ist als Arbeitszeit zu erfassen. Er ist innerhalb der Arbeitszeit durchzuführen und soll frühestens eine Stunde nach Arbeitsaufnahme beginnen und spätestens eine Stunde vor dem Feierabend enden. Alle Mitarbeitenden mit mehr als sechs Stunden Arbeitszeit am Tag sind von der Regelung einzubeziehen." Ausdrücklich nicht gedacht ist diese Idee dafür, später zu kommen oder früher zu gehen. Aktivitäten wie Einkäufe in der Mittagspause sollen sanktioniert werden.

Gesundheit und Anreiz für neue Mitarbeiter

Der 52-Jährige sagte MDR SACHSEN: "Die Menschen arbeiten anders als vor 20 Jahren, sie haben auch eine andere Freizeitgestaltung, darum werden Ruhephasen wichtiger." Die Stadt habe "total qualifizierte Mitarbeiter und es wäre sehr schade, wenn die ausbrennen". Ihm gehe es ausdrücklich nicht um Faulheit. Kumbernuß betrachtet den Mittagsschlaf nicht nur als gesundheitliche Maßnahme für die rund 9.000 Angestellten, sondern auch als Pluspunkt, um neue Mitarbeiter für die Verwaltung zu gewinnen.

Um dem Ganzen gerecht zu werden, sollen Ruheräume eingeführt und dort Liegen und Hängematten platziert werden. Er könne sich auch das Abspielen von Hörbüchern vorstellen. Die Länge des Ruhens möchte er flexibel halten: "Wenn es Mitarbeiter gibt, denen eine halbe Stunde reicht, also das sogenannte Powernapping, dann ist das auch vollkommen okay", so Kumbernuß.

Linksfraktion distanziert sich vom Mittagsschlaf-Antrag

Der Antrag schaffte es am Mittwoch offiziell in das Programm der Ratsversammlung. Kurz nach dem Bekanntwerden des Antrags gab es schon den ersten Gegenwind. Die Linksfraktion, zu denen Kumbernuß im Stadtrat gehört und deren Sprecher für Stadtentwicklung er ist, distanzierte sich vom Antrag. Der Fraktionsvorsitzende Sören Pellmann sagte: "Der Antragsteller ist zwar Mitglied unserer Fraktion, hat den Antrag allerdings ausschließlich als Einzelstadtrat heraus in den Geschäftsgang gebracht." Man streite für "Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der personell überlasteten Verwaltung, der Mittagsschlaf gehört aber nicht zu unserem Forderungskatalog."

Ein Mann im Büro mit dem Kopf auf dem Tisch.
Die Linken fordern zwar bessere Arbeitsbedingungen im Rathaus, aber keinen generellen Mittagsschlaf. Bildrechte: Colourbox.de

Vorschlag für gemischten Thomanerchor fiel durch

Zunächst wird der Antrag von Kumbernuß nun nach Auskunft der Stadt im Fachausschuss Allgemeine Verwaltung behandelt. Der Stadtrat selbst ist für ein Pilotprojekt innerhalb der Verwaltung von bis zu drei Jahren. Er bringt gerne einmal ungewöhnlich klingende Vorschläge ein. So trat er zuletzt auch für einen gemischten Thomanerchor ein. Dieser Antrag war abgelehnt worden.

MDR (cke)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 07. Februar 2023 | 16:30 Uhr

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