Kommunalwahlen Noch keine Entscheidung bei Oberbürgermeisterwahl in Delitzsch

Am 12. Juni finden in Sachsen die Kommunalwahlen statt. Die Wahl des neuen Oberbürgermeisters in Delitzsch wurde jedoch um zwei Wochen vorverlegt. Die AfD-Fraktion im Stadtrat hatte Einwände vorgebracht. Die Verlegung ist nicht das einzige Störfeuer im Wahlkampf gewesen. Auch ein Kandidat mit Kontakten in die rechtsextreme Szene sorgte für Aufsehen.

Rathaus auf dem Marktplatz in Delitzsch, 2004
Die Entscheidung, wer im Rathaus Delitzsch künftig das Sagen hat, fällt beim zweiten Wahlgang am 12. Juni. Bildrechte: dpa

Die Oberbürgermeisterwahl in Delitzsch (Kreis Nordsachsen) geht in eine zweite Runde. Laut vorläufigem Wahlergebnis kam keiner der Kandidaten über die 50 Prozent. Damit ist ein zweiter Wahlgang notwendig, der am 12. Juni, zusammen mit den Landratswahlen, stattfindet.

Amtsinhaber Manfred Wilde erreichte am Sonntag 46,9 Prozent der Stimmen, gefolgt von Jens Müller, der von SPD, Linken und Grünen unterstützt wird und 22,7 Prozent der Stimmen erhielt. Der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft Uwe Bernhardt konnte 21,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Einzelbewerber Hagen Grell erreichte 8,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,9 Prozent.

Bislang keine Rückzieher

Drei der vier Kandidaten haben auf Anfrage von MDR Sachsen erklärt, ihre Kandidatur nicht zurückzuziehen. So werden sich der Amtsinhaber Manfred Wilde, der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft Delitzsch Uwe Bernhardt und der Einzelbewerber Hagen Grell erneut zur Wahl stellen. Der von SPD, Linken und Grünen aufgestellte Jens Müller will sich mit seinen Unterstützern noch einmal beraten. Bis Freitag haben die Kandidaten nun Zeit, ihre Kandidatur zu bestätigen oder zurückzuziehen.

Termin wegen AfD-Protest vorverlegt

Eigentlich sollte die Oberbürgermeisterwahl in Delitzsch mit der Landratswahl am 12. Juni stattfinden und so Zeit und Geld gespart werden. Doch die AfD-Fraktion im Stadtrat hatte etwas dagegen.

Der eventuelle zweite Wahlgang am 3. Juli würde auf das Stadtfestwochenende fallen. Damit hätte der Amtsinhaber, wenn auch unbeabsichtigt, die Wahl beeinflussen können, so die AfD-Argumentation. Wilde schloss sich der knappen Mehrheit im Delitzscher Stadtrat an, sodass die Wahl auf den 29. Mai vorverlegt wurde.

Ortseingangsschild von Delitzsch 3 min
Bildrechte: dpa

Kandidat mit Kontakten zu Rechtsextremen

Für einen weiteren Aufreger im Vorfeld der Wahl sorgte der parteilose Hagen Grell. Weil er von einer Gesprächsrunde der "Leipziger Volkszeitung" (LVZ) mit allen Oberbürgermeisterkandidaten ausgeladen worden war, rief er zu einer Demonstration am Tag des Kandidatengesprächs auf. Die LVZ hatte Grell ausgeladen, weil er in einem YouTube-Video den Holocaust verharmlost hatte.

Zudem hatte Grell auf seinem inzwischen gelöschten YouTube-Kanal immer wieder Inhalte der rechten Szene verbreitet, hält Kontakte zur Identitären Bewegung und wird auf Telegram von den Freien Sachsen unterstützt. Beide Organisationen werden vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und überwacht.

Ein dritter Wahltermin könnte die Delitzscherinnen und Delitzscher übrigens am 3. Juli ereilen. An dem Tag wäre der zweite Wahlgang zu den Landratswahlen, sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen.

Frau bei Stimmabgabe an einer Wahlurne
Den Wahlberechtigten in Delitzsch steht nun ein weiterer Gang zur Wahlurne bevor: Am 12. Juni findet der zweite Wahlgang für den Posten des Oberbürgermeisters statt - ebenso die Landratswahl in Nordsachsen. Bildrechte: IMAGO

MDR (mar)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 27. Mai 2022 | 10:30 Uhr

Mehr aus Sachsen