Ausstellung und politische Gespräche Kretschmers heikle Russland-Reise

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist zu einem mehrtägigen Besuch nach Moskau gereist. Es soll um Wirtschaft und Kultur gehen. Doch die heikle Reise in politisch angespannten Zeiten führt auch zu Kritik. Ob ein Treffen mit Präsident Putin stattfindet, ist unklar. Mehrere sächsische Wirtschaftsvertreter haben die Reise unterdessen abgesagt.

Kreml in Moskau
In Moskau will Kretschmer kulturelle und wirtschaftliche Themen besprechen. Bildrechte: colourbox.com

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist zu einem mehrtägigen Besuch nach Moskau gereist. Dabei soll es vor allem um die kulturellen Beziehungen zu Russland gehen. Aber auch politische Gespräche sind geplant, unter anderem mit Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow. Die Reise war angesichts des Konflikts zwischen Russlands und der Ukraine und des Umganges Russlands mit dem inhaftierten Kremlkritiker Alexej Nawalny im Vorfeld kritisiert worden.

Mehrere Absagen aus der Wirtschaftsdelegation

Kurz vor der Abreise haben unterdessen mehrere sächsische Wirtschaftsvertreter ihre Teilnahme abgesagt, wie die Staatskanzlei MDR SACHSEN bestätigte. Darunter sind Medienberichten zufolge der Vorstandschef des Leipziger Gasversorgers VNG, der Präsident der Handwerkskammer Leipzig und der Chef der Porzellanmanufaktur Meissen, Tillmann Blaschke. Als Grund für die Absage wurden demnach persönliche Gründe und die Coronalage in Moskau genannt. Dabei sind unter anderem der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Markus Geißenberger, und der Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft, Jörg Brückner.

Treffen mit Putin unklar

Am Tag von Kretschmers Ankunft haben Nawalnys Unterstützer im ganzen Land Proteste angekündigt. Der sächsische Ministerpräsident hatte sich wiederholt für eine Aufhebung der Russland-Sanktionen ausgesprochen. Unklar ist bisher, ob es zu einer Begegnung mit Kremlchef Wladimir Putin kommt. Kretschmer hatte ihn 2019 am Rande eines Wirtschaftsforums in St. Petersburg getroffen und ihn auch nach Dresden eingeladen. In Sachsens Landeshauptstadt war Putin einst als Agent für den sowjetischen Geheimdienst stationiert.

Den russischen Funktionären kommt der Besuch jedenfalls mehr als gelegen. Kretschmer wird unter anderem an der Lomonossow-Universität als Gast erwartet. Rektor Viktor Sadownitschy ist nicht nur ein enger Vertrauter Putins, sondern auch in der Regierungspartei Geeintes Russland ein ranghoher Funktionär. Putin selbst hatte Rektorenwahlen abschaffen lassen und ernennt nun selbst linientreue Universitäts-Chefs. Dabei beklagen viele Studenten zunehmende Repressionen, Festnahmen bei Demonstrationen und bei politischem Engagement nicht selten auch den Ausschluss vom Studium. 

Kretschmer: Wiederbelebung des Gesprächs bitter nötig

Kretschmer hatte die Reise mitten in der Corona-Pandemie verteidigt. Die Wiederbelebung eines Gesprächs sei aus seiner Sicht auf allen Ebenen "bitter nötig", sagte er vor der Reise. Dabei gehe es nicht nur um Politik, sondern auch um Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. In freundschaftlichen Beziehungen könnten und müssen auch schwierige Themen besprochen werden. Dazu zählt nicht zuletzt der Umgang mit Nawalny: "Besonders in schwierigen Zeiten muss man im Dialog bleiben. Gespräche abzubrechen, führt nicht automatisch zu Lösungen", sagte Kretschmer. Er will nach eigenem Bekunden das Gespräch auch mit Menschen suchen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen.

Eröffnung von Ausstellung in Tretjakow-Galerie

Höhepunkt des Besuches ist am Donnerstag die Eröffnung einer gemeinsamen Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Tretjakow-Galerie Moskau zu Malerei der Romantik. Die von dem US-Architekten Daniel Libeskind gestaltete Schau gilt als Höhepunkt des laufenden Deutschland-Jahres in Russland, das zum einen wegen der Pandemie, zum anderen aber auch wegen der politischen Spannungen zwischen Moskau und Berlin von den Organisatoren kaum groß beworben wird.

Werbung in St. Petersburg für Kulturhauptstadt 2025 in Chemnitz

Auf der Deutschen Woche in St. Petersburg wirbt Sachsen in den kommenden Tagen zudem intensiv für das Kulturhauptstadtjahr 2025 in Chemnitz. Es gehe darum, die Idee in Russland bekannter zu machen, Kontakte zu pflegen und Künstler zur Zusammenarbeit einzuladen, sagte der Interimsgeschäftsführer der Kulturhauptstadt GmbH, Christoph Dittrich. "Wir vertrauen sehr darauf, dass die Kraft dieses Kulturaustausches und Dialoges im Sinne einer guten humanistischen und demokratischen Prägung wirken wird", sagte er mit Blick auf die politische Situation in Russland.

Nach Angaben der Staatskanzlei präsentiert sich Sachsen als Partnerbundesland der Deutschen Woche mit rund 30 Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft. Dazu gehören Lesungen, Workshops und Konzerte. Wegen der aktuellen Corona-Pandemie finden etliche Veranstaltungen online statt. Allerdings reist auch eine Delegation aus Sachsen an die Newa, zu der neben Dittrich auch der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert gehört. St. Petersburg ist eine Partnerstadt von Dresden.

Quelle: MDR/lam/kb/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 21. April 2021 | 11:00 Uhr

Mehr aus der Landespolitik

Mehr aus Sachsen