Thüringen Keine doppelte Abschlussprüfung mehr an Berufsschulen - Schüler haben mit Petition Erfolg

02. März 2024, 21:44 Uhr

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Für Thüringer Berufsschüler soll ab April eine von zwei Abschlussprüfungen wegfallen. Der Bildungsausschuss im Landtag am Freitag habe sich darauf verständigt, dass die schulische Abschlussprüfung entfällt, teilte die Linke-Fraktion mit.

Schüler sitzen mit dem Rücken zum Betrachter in einer Prüfung
Schon während der Corona-Pandemie gab es keine schulische Abschlussprüfung an Berufsschulen. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Die Prüfung bedeute eine "enorme Doppelbelastung", weil die Schülerinnen und Schüler auch weiter die Kammerprüfungen, etwa an der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder an der Handwerkskammer, vorbereiten und absolvieren müssten. Wie das Thüringer Bildungsministerium mitteilte, soll eine entsprechende Verordnung zeitnah verkündet werden und damit bereits für die Abschlüsse des laufenden Schuljahres gelten.

Thüringer Schüler haben mit Petition Erfolg

Initiiert wurde die Änderung von den Schülern selbst. Sie hatten eine Petition gestartet, um die schulische Abschlussprüfung grundsätzlich abzuschaffen. Während der Corona-Pandemie war sie bereits ausgesetzt worden. Die Prüfung wieder einzuführen, hatten demnach alle Seiten als überflüssig eingeschätzt. Berufsschulen, Lehrer und Schüler würden nun deutlich entlastet.

Schüler 4 min
Bildrechte: imago images/Georg Ulrich Dostmann

Kammerprüfung für Berufsschüler entscheidend

Die parlamentarische Gruppe der FDP begrüßte den Schritt. "Die hohe Qualität des Berufsschulabschlusses bleibt erhalten, gleichzeitig entfallen bürokratische sowie belastende Doppelstrukturen", sagte die FDP-Bildungspolitikerin Franziska Baum.

Die Verbindung von Schule und Praxis als duale Ausbildung sei richtig. "Entscheidend für den Abschluss und das Ausüben des Berufes ist aber die jeweilige Kammerprüfung - und nicht eine zusätzliche schulische Prüfung."

Die FDP-Politikerin weist auch darauf hin, dass sich bereits jetzt IHK-Berufsschüler, die einen Notendurchschnitt unter 2,5 haben, von der Abschlussprüfung befreien lassen können. Die Regelung sei war zwar als leistungsfördernde Stimulanz gedacht gewesen, habe sich aber in der Praxis ins Gegenteil verkehrt. "Berufsschüler, die es ohnehin schwerer als andere haben, werden bisher zusätzlich belastet", erklärte Baum,

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MDR (kk/mm), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. März 2024 | 12:00 Uhr

32 Kommentare

Anita L. vor 6 Wochen

In Baden-Württemberg gibt es glaube ich eine zusätzliche Berufsschulprüfung. Das finde ich wirklich kurios, da die Schüler ihre allgemeine Schulbildung bereits mit dem Abschluss der Mittelschule/des Gymnasiums nachgewiesen haben.
Ich wünsche Ihnen eine angenehme und erholsame Rentenzeit. Bis dahin dauert es bei mir noch ein ganzes paar Jahre.

Schulmeister vor 6 Wochen

Ich komme aus der Gegend um Heidelberg / Baden Württemberg und war bis Sommer 22 Lehrer am Gymnasium. Seither pensioniert, interessiere ich mich nach wie vor für das, was im Bildungsbereich passiert.

Anita L. vor 6 Wochen

Ich arbeite an einem BSZ in Sachsen und unsere Berufsschüler/-innen haben in ihrer IHK-Prüfung einen Teil Wirtschafts- und Sozialkunde dabei. Deutsch müssen sie schon dadurch nachweisen, dass sie die Aufgabenstellungen verstehen (die teilweise echt umständlich formuliert sind) und Mathekenntnisse sind zum Beispiel im Rechnungswesenteil erforderlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kammerprüfungen sich in den Bundesländern sehr voneinander unterscheiden, aber vielleicht kann ja jemand aus Thüringen direkt dazu etwas schreiben? Woher direkt in Süddeutschland stammen Sie denn?

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