Arbeitsmarktpolitik Thüringer CDU will Steuervorteile bei Überstunden statt Vier-Tage-Woche

07. Mai 2023, 17:01 Uhr

Flexiblere Arbeitszeiten, steuerliche Vorteile bei Überstunden und eine zentrale Ausländerbehörde als Anlaufstelle für Unternehmen und Fachkräfte - diese und weitere Vorschläge hat die CDU Thüringen für die Zukunft des Arbeitsmarktes in einem Positionspapier ausgearbeitet. Eine Vier-Tage-Woche, wie sie Regierungsvertreter zuletzt forderten, lehnt die Union ab.

Die CDU-Landtagsfraktion lehnt eine flächendeckende Einführung einer Vier-Tage-Woche ab. Es sei widersinnig, den Fachkräftemangel in Thüringen zu beklagen und gleichzeitig einer pauschalen Arbeitszeitverkürzung das Wort zu reden, erklärte die CDU-Fraktion in Erfurt.

Wirkung der Vier-Tage-Woche umstritten

Damit reagiert die CDU auf Vorschläge aus der Thüringer Landesregierung, die Wochenarbeitszeit zu verkürzen. So hatte sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Tag der Arbeit dafür ausgesprochen. Auch die SPD hatte kürzlich eine Vier-Tage-Woche für Pflegeberufe gefordert. Am Montag und Dienstag wird das Kabinett auf Schloss Ettersburg bei Weimar zu einer Klausur zusammenkommen, um unter anderem über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt im Freistaat zu beraten.

Ob die Vier-Tage-Woche einen Fachkräftemangel verschärfen würde, ist umstritten. Ökonomen und Arbeitsmarktforscher verweisen auch auf mögliche positive Effekte. So könnte das Anwerben von Fachkräften einfacher werden oder könnten Arbeitnehmer aufgrund der allgemeinen Entlastung weniger oft krank sein. Dagegen gibt es aber auch Zweifel, ob die Umsetzung in jeder Berufsart überhaupt möglich ist. Fest steht, dass in den kommenden Jahren Zehntausende Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen.

Eine Frau hält sich den Kopf an einem überfülltem Schreibtisch
Ein großangelegter Versuch in Großbritannien zeigte, dass die Vier-Tage-Woche die Krankentage deutlich reduziert. Bildrechte: IMAGO / Shotshop

CDU will steuerliche Anreize für Überstunden

Die CDU will statt der Vier-Tage-Woche lieber eine Vollbeschäftigung anstreben. Ziel müsse es sein, mehr Thüringer in Vollzeitarbeit zu bringen, heißt es in einem CDU-Papier zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Neben flexibleren Arbeitszeiten will die CDU "attraktivere Regeln zur steuerlichen Behandlung von Überstunden" schaffen.

Darüber hinaus will die CDU den weiteren Abbau der Berufsschulstandorte in Thüringen stoppen und eine zentrale Ausländerbehörde aufbauen. Unternehmen und potenzielle Fachkräfte erhielten so einen zentralen Ansprechpartner, "der bei der Vorbereitung und Durchführung des regulären sowie des beschleunigten Fachkräfteverfahrens bis zur Erteilung des erforderlichen nationalen Visums begleitet und unterstützt", heißt es in dem Papier.

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Hans-Peter Goltz 3 min
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MDR (ask)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 07. Mai 2023 | 19:00 Uhr

36 Kommentare

Lila123 vor 42 Wochen

Prinzipiell würde ich jedem Arbeitnehmer die Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt wünschen.

Allerdings kann ich mir nicht so richtig vorstellen, wie das funktionieren soll. Ist der Kindergarten dann bereits am Freitag geschlossen? Gibt es nur noch an 4 Tagen pro Woche Unterricht in den Schulen? Wartet man noch länger als bisher auf einen Handwerker, weil ein Arbeitstag pro Woche wegfällt?

Ich selbst arbeite im Büro - in solchen Bereichen ist die Vier-Tage-Woche sicher möglich. Aber in der "Breite" kann ich mir das noch nicht ganz vorstellen.

ElBuffo vor 42 Wochen

Sind dann die Geschäfte nicht auch schon Freitag zu? Oder wie funktioniert das mit den 6 Öffnungs- bei 5 Arbeitstagen? Und erst im Atomkraftwerk oder Krankenhaus? Wer ist denn dort am Wochenende da?

ElBuffo vor 42 Wochen

Korrekt ist wohl, dass die 2 Jahre vor der Regelaltersrente abschlagsfrei gehen können. Wer also am 08.05.1959 geboren wurde, kann erst am 01.08.2023 abschlagsfrei gehen, wenn er die 45 Jahre voll hat. Vorher geht auch, dann allerdings mit Abschlägen.

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