Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelligenz stellt auch die Schulen und Universitäten vor neue Herausforderungen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Der Redakteur | 17.03.2023 Wie künstliche Intelligenz Schule und Studium revolutioniert

17. März 2023, 23:58 Uhr

Schon Google & Co. haben das Schreiben von Hausaufgaben oder Abschlussarbeiten verändert. Das Lexikon als Nachschlagewerk ist nahezu Geschichte. Das Tafelwerk ebenso. Die Erklärer kommen über YouTube in die Kinder- und Studierzimmer und nun auch noch die künstliche Intelligenz. Steht eine Revolution ins Haus im Umgang mit dem Lernen und den Leistungsüberprüfungen?

"Schreibt bitte bis morgen zehn Sätze über das Eichhörnchen!" Der Auftrag an https://chat.openai.com/ wird "gerne" ausgeführt, 20 Sekunden braucht die KI für die zehn Sätze. Wir erfahren, wo Eichhörnchen leben, welche Fellfarbe sie haben, welche Aufgabe ihr buschiger Schwanz hat, dass sie sechs Meter weit springen können, sich hauptsächlich von Nüssen, Samen, Früchten und Insekten ernähren und selbst Opfer von Raubtieren werden. Aber das ist nicht alles, andere KIs erstellen Bilder nach beliebigen Vorgaben oder Präsentationen zu jedem Thema, das Lehrern einfallen könnte. Kein Wunder, dass sich die Bildungs- und Hochschulministerien intensiv Gedanken machen, wie mit dem neuen Werkzeug umgegangen werden soll. Für die Hochschulen ist das Thema so neu nicht. Seit 20 Jahren beschäftigt man sich damit bereits und ist an der Entwicklung beteiligt. Sogar ein Zentrum für KI gibt es bereits in Thüringen, betont Carsten Feller, Staatssekretär für Wissenschaft und Hochschulen in Thüringen. Bisher ging es vor allem um Robotertechnologien, lernende Systeme für Fachleute. Doch seit die KI für jedermann nutzbar ist, tickt die Uhr.

Die Handreichung für Thüringer Lehrer kommt im April

Ignorieren ist unmöglich, verbieten auch. Der Geist ist aus der Flasche, das ist auch Prof. Dr. Winfried Speitkamp klar, der als Staatssekretär für die Schulen in Thüringen zuständig ist. Nordrhein-Westfalen hat den Anfang gemacht und Thüringen will sich an dem Papier orientieren, das sich an die Lehrer richtet. In der Evolutionskette der Hilfsmittel Rechenschieber, Taschenrechner, Google ist die künstliche Intelligenz die nächste Stufe, die alles andere in den Schatten stellt.

Es kann nur darum gehen, wie dieses Hilfsmittel in den Unterricht integriert werden kann - und auch in die Hausaufgaben. "Vielleicht kommen wir über die künstliche Intelligenz sogar zum Analogen zurück", sagt Winfried Speitkamp. Ein Beispiel: Der auch mit Hilfe der künstlichen Intelligenz entstandene Text wird nicht einfach ausgedruckt und dem Lehrer übergeben, sondern er muss im Unterricht erklärt werden.

Sie müssen ganz analog in Präsenz mit ihrem eigenen Gehirn und der eigenen Sprache erklären, was sie da gemacht haben. Vielleicht kommen wir da sogar zur Handschrift wieder zurück.

Prof. Dr. Winfried Speitkamp Staatssekretär im Thüringer Bildungsministerium

Medienkompetenz - sie wird mit KI noch wichtiger

Nun ist es wie bei anderen Quellen auch. Nicht alles, was aus aneinandergefügten Buchstaben besteht, ist richtig. Medienkompetenz ist ein großes Thema: Wer sagt mir was und warum, welche Beweise gibt es für die Wahrhaftigkeit, wie kann ich das herausfinden? Corona hat deutlich gezeigt, wie schnell der lauteste Vortrag zum glaubwürdigsten wurde.

Und auch die KI irrt und das mitunter gewaltig. Also die Übernahme 1:1 und ungeprüft kann schnell nach hinten losgehen, das muss man den Schülern vermitteln und auch das Werkzeug in die Hand geben, wie man eben recherchiert, was stimmt.

Ähnliche Gedanken machen sich auch die Hochschulen und das bundesweit. Hier sind Abschlussarbeiten das große Thema. Können die überhaupt noch in der bisherigen Form bestehen bleiben oder muss das Mündliche, die Verteidigung also, ein viel größeres Gewicht bekommen?

Staatssekretär Carsten Feller ist überzeugt davon, dass diese Aspekte gestärkt werden müssen und er hofft, dass so wie bei den Plagiaten auch, Kontrollwerkzeuge folgen werden, die eben sehr schnell feststellen, wie ein Text entstanden ist.

Da gehe ich mal davon aus, dass die Hersteller von solchen Softwarepaketen auch solche Lösungen entwickeln. Das ist ein Geschäftsmodell.

Carsten Feller Staatssekretär für Wissenschaft und Hochschulen

Darüber hinaus gilt auch an den Hochschulen und bei den schriftlichen Arbeiten das Gleiche, was schon mit der Einführung des Internets galt. Davor waren Webseiten auch keine Quelle einer Arbeit, sondern das waren Bücher. Wo heute ein Link steht, steht morgen vielleicht ein Hinweis, was die KI zum Gelingen beigetragen hat. Diese Regeln wird man aufstellen müssen.

Welche Dinge noch diskutiert werden

KI-Systeme sind menschengemacht, die Entwickler sitzen zum Beispiel in den USA und in China. Nun ist es nicht völlig abwegig, dass auch diese Erfindung nicht nur zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden wird. Cyberkrieg und Desinformationskampagnen sind heute schon entscheidende Mittel zur Destabilisierung ganzer Länder. Die sogenannten Russentrolle sind nicht unschuldig daran, dass unsere Gesellschaft Kommunikationsprobleme hat.

Auch Wahlen sind ein Manipulationsziel, indem man nicht die Technik, sondern die Wähler manipuliert. Abgesehen davon gibt es auch noch Dinge, die quasi nebenbei passieren. Die "Denke" der KI darf nicht nur europäisch-amerikanisch sein, sagt Carsten Feller und sieht auch für seine Arbeit Nutzungsmöglichkeiten. Eine Empfehlung des Wissenschaftsrates im Umfang von 240 Seiten muss bisher ein Referent lesen und dem Minister oder Staatssekretär in drei Seiten zusammenfassen.

Das könnte die KI sehr gut leisten. Oder sie schreibt gleich von vornherein knappere Texte. Auch solche wie diesen, weshalb die KI heute das letzte Wort haben soll. Die Frage lautet: Ist es nicht klug, irgendwo einen Stecker einzubauen, den man ziehen kann, wenn sich die künstliche Intelligenz anschickt, die Weltherrschaft zu übernehmen?

Die Antwort von https://chat.openai.com/:

Als künstliche Intelligenz bin ich nicht dazu fähig, mich selbst zu steuern oder meine Ziele unabhängig von meinen Programmierern und Entwicklern zu definieren. In der Regel werden künstliche Intelligenzen so programmiert, dass sie auf spezifische Ziele oder Aufgaben ausgerichtet sind, die von menschlichen Entwicklern festgelegt wurden. Es ist jedoch wichtig, bei der Entwicklung und Implementierung von künstlicher Intelligenz sicherzustellen, dass geeignete Kontrollmechanismen vorhanden sind, um sicherzustellen, dass sie innerhalb der vorgegebenen Grenzen arbeitet. Zum Beispiel können Not-Aus-Schalter oder andere Sicherheitsvorrichtungen implementiert werden, um die Kontrolle über die künstliche Intelligenz im Falle von Fehlfunktionen oder unerwarteten Ergebnissen zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen Ethik und Verantwortung bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass sie im Einklang mit den Werten und Interessen der Gesellschaft und der Menschheit als Ganzes arbeitet.

MDR (cfr)

5 Kommentare

TomTom am 18.03.2023

Ich habe das mit dem Eichhörnchen als Beispiel verstanden, das auch Menschen verstehen, die sich noch nicht mit der KI auseinander gesetzt haben. Probieren Sie es einfach mal aus und lassen Sie sich komplexe Fragestellungen ausarbeiten, etwas programmieren, beschreiben, treten Sie in den Dialog mit der KI und dann können Sie mitdiskutieren. Vorher wirkt es etwas peinlich...

Anni22 am 18.03.2023

Wenn die KI wirklich intelligent wäre, würde Sie antworten; mach es selber, denn es sind deine Hausaufgabe. Die Infos über Eichhörnchen hätte man auch selber suchen, finden, lesen und in ein paar Sätzen zusammenfassen können ;-)!

Ralf G am 18.03.2023

@HR - Es wird nicht funktionieren KI nur entlang ethischer Leitlinien zu entwickeln. Sie wird überall zur Anwendung kommen, wo es einen Vorteil bringt. Zuallererst in der Waffentechnik.

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