Ein Mitarbeiter mit einem T-Shirt und der Aufschrift: "20.12.2024 - Mein letzter Arbeitstag"
Am letzten Arbeitstag hatten die noch verbliebenen Mitarbeiter eigens entworfene T-Shirts an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Letzter Tag Aus nach 30 Jahren: Autozulieferer Vitesco stellt Produktion in Mühlhausen ein

20. Dezember 2024, 18:24 Uhr

Nach mehr als 30 Jahren haben sich die Mitarbeiter des Automobilzulieferers Vitesco von ihrem Betrieb in Mühlhausen verabschiedet. Die noch verbliebenen Mitarbeiter sollen in einer Transfergesellschaft weiterqualifiziert werden.

Nach mehr als 30 Jahren hat der Automobilzuliefer Vitesco am Freitag für immer seine Produktion in Mühlhausen eingestellt. Von den einst knapp 200 Mitarbeitern sind nach MDR-Informationen 70 übriggeblieben. Die letzte Schicht endete Freitagmittag. Danach nahm die Belegschaft bei einem gemeinsamen Mittagsessen Abschied.

Viele sind von Anfang an dabei. Fast alle werden in einer Transfergesellschaft aufgefangen. Fünf wechseln in den hessischen Stammsitz in Bebra. Viele machen Altersteilzeit oder haben sich einen anderen Job gesucht.

Drosselklappen für Schiffs- und Automotoren

Unvergessen bleibt der Arbeitskampf vor drei Jahren mit Streiks, Demos und einem Sozialtarifvertrag. Danach wurde die Produktionshalle am Schadeberg nach und nach leergeräumt. Die beiden letzten Anlagen haben am Mittwoch die letzten Drosselklappen für Schiffs- und Automotoren hergestellt. Weil dafür der Bedarf bei VW, PSA und Renault drastisch zurückgegangen ist, muss Vitesco in Mühlhausen dicht machen.

Es war ein Abschied in Raten. Die Vitesco-Mitarbeiter wissen schon seit zwei Jahren, dass Ende 2024 Schluss ist. Auch ein Investor für den Standort hatte sich gemeldet. Der bekam aber bei der Abstimmung nicht die nötige Mehrheit der Belegschaft.

Mitarbeiter mit Streiktransparenten.
Die Mitarbeiter von Vitesco hatten 2022 mit einer Demo gegen die Schließung des Standorts protestiert. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht

Von den 70 Mitarbeitern, die bis zuletzt noch da waren, gehen um die 60 in eine Transfergesellschaft. Das ist Teil des Sozialtarifvertrages, den sich die Belegschaft erkämpft hat. Vor drei Jahren gab es Warnstreiks und Demos gegen eine Schließung schon Ende 2022.

Dass es den Standort bis heute gegeben hat, ist von den Vitesco-Mitarbeitern gemeinsam mit der IG Metall erkämpft worden. Allerdings müssten die Mitarbeiter immer noch um ihre Abfindungen kämpfen, sagt Jenny Rotter von der IG Metall. Da werde um jeden Cent gestritten, was dem Zusammenhalt nicht gut tue. Viele seien aber auch bereits in Rente gegangen oder machen Altersteilzeit.

Eine Frau mit Brille schaut in eine Kamera
Jenny Rotter von der IG Metall sieht den Kampf um die Abfindungen kritisch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mitarbeiter sollen sich weiterqualifizieren

Die noch verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden noch ein Jahr lang in einer Transfergesellschaft weiterbeschäftigt. Das dient dazu, dass sich die Mitarbeiter qualifizieren können.

Die meisten von ihnen sind keine Metaller sondern Quereinsteiger. Darum sollen sie in der Transfergesellschaft fit gemacht werden, um bessere Chancen auf einen Job zu bekommen.

Weiße Autos stehen vor einer Firma
Das Produktionsgelände in Mühlhausen wirkte schon am Freitag relativ verwaist. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

MDR (cg/jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20. Dezember 2024 | 18:38 Uhr

18 Kommentare

camper21 vor 14 Wochen

Ist das nicht traurig, da stimmten die Mitarbeiter für die Schließung eines Betriebes, in einer Struktur schwachen Region, indem einmal 200 Menschen gearbeitet haben?

Micha R vor 14 Wochen

@ Kritiker
"...ob diese dann "weiterqualifizierten Arbeitnehmer" auch wenigsten den Mindestlohn bekommen oder nur auf Probe eingestellt werden ...Arbeitnehmer auf Probe nach 11 Monaten wieder zu entlassen. Wird es diese Quereinsteiger dann auch betreffen?

Probezeit Im Zusammenhang mit Neueinstellung ist nur für maximal 6 Monate zulässig. Selbstverständlich steht Neueingestellten (außer Jugendlichen unter 18 Jahren ohne Berufsabschluß) auch mindestens eine Entlohnung in Höhe des gesetzliche Mindestlohn zu.
Erfolgt eine sachgrundlose befristete Einstellung (die insgesamt 24 Monate nicht überschreiten darf), muß die 1. sachgrundlose Befristung mindestens 1 Jahr betragen. Ergo, Arbeitnehmer auf Probe nach 11 Monaten wieder entlassen, ist also per Gesetz unzulässig!

Kritiker vor 14 Wochen

Ilse: 1.Antwort ist wohl "verloren gegangen" oder war zu deutlich.
Daher: Finanzielle Unterstützung wenn ein Unternehmen während der gewinnorientierten Zeit keine Rücklagen bildet und der Bund aushelfen soll mit Gelder, ist das auch eine andere Art von Subvention, nur eben ....naja!
Eine Regierung ohne finanzielle Guthaben kann meist nur mit noch mehr Schuldenaufnahme dann die gekündigten Arbeitnehmer im Sozialnetz finanzielle Grundsicherung bieten, dass wissen Arbeitgeber am allerbesten und daher gibt es dafür ein Wort, was wohl zur Veröffendlichung meiner diesbezüglichen Antwort nicht erwünscht ist.

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