Fußball 25 Anzeigen und ein verletzter Polizist nach Thüringen-Derby in Jena

05. März 2023, 13:44 Uhr

Die Polizei zieht nach dem Fußball-Derby in Jena Bilanz. Dutzende Anhänger von Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena hatten sich zuvor geprügelt. Nach dem Spiel wurde ein Polizist verletzt. Es gab weitere Vorfälle.

Die Polizei hat nach dem Thüringen-Derby der Fußball-Regionalliga von Rot-Weiß Erfurt und FC Carl Zeiss Jena im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld am Sonnabend von mehreren Zwischenfällen gesprochen.

20 Strafanzeigen gestellt, Polizei mit Großaufgebot

Nach Angaben der Jenaer Polizei wurde nach dem Spiel ein Beamter verletzt, es ereigneten sich zudem mehrere Vorfälle beim Spiel. Am Ende gab es 20 Strafanzeigen sowie fünf Ordnungswidrigkeitsanzeigen. In der Nacht zuvor hatte es schon eine größere Schlägerei zwischen Fußball-Fans der beiden Vereine in Bad Berka gegeben.

Das Thüringen-Derby, das mit einem Unentschieden endete, war im gerade im Umbau befindlichen Stadion mit 7.300 Zuschauern, darunter mit 600 angereisten Erfurt-Fans, ausverkauft. Beide Fanlager sind traditionell verfeindet. Die Begegnung wurde als Hochrisiko-Spiel eingestuft. Die Thüringer Polizei war daher mit einem Großaufgebot im Einsatz und wurde von Kollegen aus Bayern und der Bundespolizei unterstützt. Auch ein Wasserwerfer stand bereit.

Verletzter Polizist, Pfefferspray und Bengalos

Der Polizei zufolge gab es dann am Rande des Spiels einige größere Störungen. In der ersten und in der zweiten Halbzeit zündeten demnach Jenaer Fans mehrfach Bengalos. Aus der Nordtribüne wurden während des gesamten Spiels Becher geworfen. Ein Fangzaun habe verhindert, dass diese auf dem Spielfeld landeten. Sechs Erfurt-Fans überstiegen den Angaben zufolge den Zaun des Gästeblocks. Der Sicherheitsdienst musste eingreifen.

Auch sei es unter den Gäste- sowie unter den Heimfans noch während des Spiels zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Als die Fußballspieler nach dem Ende der Begegnung durch den Spielertunnel gingen, kam es kurz zu einem Tumult bei den Jena-Fans. Dabei wurde ein Vereinsordner attackiert und leicht verletzt.

Die Fans reisten, abgesehen von einigen verbale Provokationen, laut Polizei "weitgehend störungsfrei" ab. Allerdings soll den Angaben zufolge im Bereich der Ostplatte ein Beamter erst beleidigt und dann von mehreren Fußballfans angegriffen worden sein. Die Polizei setzte daraufhin Pfefferspray ein. Ein Polizist wurde verletzt.

Die Bundespolizei berichtet außerdem von Schmierereien, die Erfurt-Fans auf der Hinreise im Zug hinterließen. Zudem wurde eine Zugtoilette beschädigt. 380 Gästefans kamen insgesamt mit dem Zug aus Erfurt an. In beiden Fan-Lagern ermittelt die Polizei wegen kleinerer Verstöße wie das Mitführen von Drogen oder das Abbrennen von Pyrotechnik.

Fußballfans prügeln sich in der Nacht

Zwei Gruppen von Fußballfans waren bereits in der Nacht in Bad Berka aufeinander losgegangen. Laut Polizei kam es zu einer Schlägerei zwischen Dutzenden Anhängern von Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena.

Die Polizei geht davon aus, dass sich zwei größere Gruppen von je 40 Menschen gezielt zu der Prügelei verabredet hatten. Nach wenigen Minuten verteilte sich die Menge in alle Richtungen. Die hinzugerufenen Beamten konnten einzelne Täter identifizieren. Hubschrauber und Hunde waren im Einsatz, um weitere ausfindig zu machen. Die Ermittlungen laufen.

Fanmarsch mit fast 850 FCC-Anhängern

Mit knapp 850 Teilnehmern hatte sich zudem vor dem Spiel am Sonnabend gegen 13:20 Uhr der sogenannte Derbymarsch der FCC-Anhänger in Bewegung gesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde mehrmals aktualisiert.

MDR (dvs/rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. März 2023 | 06:00 Uhr

24 Kommentare

martin am 06.03.2023

Wenn es dabei keine Verletzungen gibt, deren Behandlungskosten die Allgemeinheit trägt und es zu keinem Arbeitsausfall wegen der "Nachwirkungen" gibt: Warum wird das dann nicht als "Kampfsportevent" im legalen Rahmen durchgeführt?

martin am 05.03.2023

@heinrich r: Bei diesen Schlägereien dürfte es sich - da gemeinschaftlich begangen - um den Straftatbestand "gefährliche Körperverletzung" handeln, was ein Offizialdelikt ist - sprich von der Polizei verfolgt werden muss.

In der Sache würde ich Ihnen aber durchaus recht geben ....

martin am 05.03.2023

@beobachter: Die Antwort auf Ihre Schlussfrage würde mich auch interessieren.
@MDR: Ist das der Redaktion bekannt oder kann (aufwandsarm) ermittelt werden? Ich habe aus dem Stand nur ältere Informationen gefunden, bei denen ich nicht einschätzen kann, ob die noch aktuell sind. Danke.

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