Influencer Von Shanghai nach Thüringen: Youtube-Star auf der Leuchtenburg

Chinesisches Porzellan kann man auch in Thüringen entdecken. Dank Hollywoodstar Kevin Costner und Porzellanexperte Wolfgang Nolting sind auf der Leuchtenburg bei Kahla ganz besondere antike Stücke zu sehen, die aus den Wracks gesunkener Schiffe geborgen wurden. Für den Youtuber Afu Thomas - einen der berühmtesten Deutschen in Shanghai - eine besondere Überraschung.

Eine Frau und ein Mann laufen über eine Brücke.
Mit seiner Frau Liping besuchte Influencer Afu Thomas die Leuchtenburg. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Afu Thomas - der glückliche Thomas - hat heute wieder mal Glück. Der Thüringer Himmel ist postkartenblau. Die Leuchtenburg macht ihrem Namen alle Ehre und begeistert den deutsch-chinesischen Videoblogger. Mit seiner Frau Liping ist er seit zwei Monaten in Deutschland unterwegs.

Am Vormittag haben sie noch Jena erkundet - dann den steilen Anstieg auf die Burg gewagt, wo sie nun den Ausblick über das Thüringer Holzland genießen. Den gönnt Afu Thomas auch seinen Followern: mehr als eine Million allein auf Youtube und Facebook in der westlichen Welt. Auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Bilibili sind es über 1,7 Millionen.

Leuchtenburg wirbt mit Influencer Afu Thomas

Afu Thomas könnte die Chinesen für Thüringen und ganz besonders für die Porzellanstraße begeistern. Das dachten sich auch die Mitarbeiterinnen der Leuchtenburg bei Seitenroda und haben ihn schon vor drei Jahren angeschrieben. Nach der Corona-Zwangspause konnte die gemeinsame Idee endlich umgesetzt werden.

Das ist ganz wichtig für die Leuchtenburg.

Ulrike Kaiser Stiftung Leuchtenburg

Ulrike Kaiser von der Stiftung Leuchtenburg freut sich über den Besuch, des Influencers: "Das ist ganz wichtig für uns, für die Leuchtenburg, für das ganze Thüringer Porzellanthema. Wir erwarten mit Afu Thomas wirklich jemanden, der in Shanghai einer der berühmtesten Deutschen überhaupt ist. Und das ist eine ganz tolle Sache, die langfristig wirkt."

Eine Frau spricht vor der Kamera. Ulrike Kaiser von der Stiftung Leuchtenburg
Ulrike Kaiser von der Stiftung Leuchtenburg erhofft sich einen positiven Werbeeffekt von Derksens Besuch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die berüchtigten "Sieben Städte in fünf Tagen"-Touren der Chinesen gehören der Vergangenheit an. Klasse statt Masse sei gefragt, sagt Thomas Derksen: "Mehr Individualität, mehr Unbekanntes, das ist der neue Reisetrend in China. Orte wie die Leuchtenburg sind da perfekte Reiseziele."

Alles für die chinesischen Touristen

Die Leuchtenburg ist auf die chinesischen Touristen bestens vorbereitet. Mit der deutschen Gründlichkeit: Vom Flyer über die Ausschilderung bis zum Audioführer ist alles da. Sogar ein chinesisches Bezahlsystem hat sich das Museum besorgt, bei dem einfach per App gezahlt wird. Perfekt für die Touristen aus China, lobt Afu-Thomas. "Weil man dann in der Landeswährung bezahlen kann. Das wird direkt von dem Konto abgebucht. Man muss nicht noch Geld wechseln gehen oder an den Automaten."

Bunte chinesische Werbematerialien.
Auf der Leuchtenburg ist alles für chinesische Touristen vorbereitet. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Porzellan-Ausstellung kommt an

In der "Porzellanwelten"-Ausstellung des Museums kommen Afu Thomas und seine Frau aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die größte Porzellanvase der Welt, die kleinste Teekanne, dazu die antiken Stücke aus Wracks gesunkener Schiffe geborgen: Thomas Derksen und seine Frau staunen und staunen. "Das hätte ich nicht gedacht, dass man hier nach Thüringen kommt und hier so viel chinesische Geschichte findet. Porzellan ist ja untrennbar mit China, aber auch mit Thüringen verbunden. Und das hat uns schon sehr beeindruckt."

Das hätte ich nicht gedacht, dass man hier nach Thüringen kommt und hier so viel chinesische Geschichte findet.

Thomas Derksen alias Afu Thomas

In einer Vitrine entdeckt Thomas Derksen ein kleines Schälchen: "Hey, da steht ja Afu - Glück! Aber es steht falsch herum!" Museumschefin Ulrike Kaiser rückt "das Glück" in die richtige Stelle. Sicher ist sicher.

Eine Frau und ein Mann schauen gespannt.
Der Besuch aus Shanghai ist sichtlich interessiert. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Porzellan-Schmeißen bringt Glück

Thomas schaltet wieder seine Kamera an und nimmt seine Follower mit auf den Steg der Wünsche. Wenn das Porzellan unten zerbricht, wird der Wunsch in Erfüllung gehen. Zum Beispiel, hier Urlaub zu machen - in dieser wunderschönen Gegend. Afu-Thomas wirft einen Teller in die Tiefe und wünscht sich: "Gesundheit." Das haben wir doch alle in den letzten Jahren erlebt, dass alles wichtig ist. Aber das Wichtigste ist noch immer Gesundheit!"

Ein Mann schmeißt etwas von einer Brücke.
Es gehört dazu: Zerbricht das Porzellan, geht ein Wunsch in Erfüllung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Derksen verbindet Chinesen und Deutsche

Seit sechseinhalb Jahren lebt Thomas Derksen in Shanghai. Schon zwei amüsante Bücher hat er über sein verrücktes Leben dort geschrieben - ein drittes ist in Arbeit. Er hat Nicole Kidman getroffen, Frank Walter Steinmeier, hat mit dem FC Bayern München trainiert. Mit Lothar Matthäus ist er durch Shangai spaziert, den dort allerdings niemand erkannte.

Auf seinem Instagram-Kanal zeigt Afu Thomas auch, wie Deutsche in China leben und arbeiten. Hier beispielsweise geht es um einen Deutschen, der eine Bäckerei in Changsa betreibt, in der Gehörlose arbeiten können.

Thomas Derksen macht deutsche Marken in China bekannt und ist mit seiner lockeren und charmanten Art "inoffizieller Botschafter für die deutsch-chinesische Völkerverständigung". Übrigens: Einen "ordentlichen" Beruf hat Thomas Derksen auch gelernt: Bankkaufmann. Ein bisschen typisch deutsch. Und sehr sympathisch.

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Kamera
... werden 7 Stunden neues Videomaterial auf YouTube hochgeladen. Das entspricht 420 Stunden in einer Minute. Auf YouTube wird pro Tag mehr Videomaterial als auf Netflix und Facebook zusammen angeschaut. Deutsche schauen durchschnittlich 11 Minuten pro Tag. Bildrechte: Colourbox.de

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 10. August 2022 | 19:20 Uhr

4 Kommentare

Hobby-Viruloge007 vor 8 Wochen

Schaun wir mal, was in zwei Jahren von der Thüringer Porzellanindustrie noch übrig ist. Die neuen Energiepreise bei uns sind ja im Vergleich mit China 5x so hoch. Das wird hier die energieintensive Produktion aussterben lassen.

Für die Leuchtenburg ist das aber egal, man zeigt dann halt die Geschichte der Porzellanproduktion in Thüringen. Und Chinesen sind sicherlich auch in Zukunft eine zahlungskräftige Zielgruppe.

DermbacherIn vor 8 Wochen

Besser wird die Ausstellung auch durch einen YouTube-Star nicht, insbesondere ist es zweifelhaft, dass sich die Leuchtenburg mit einem chinesischen Star schmücken muss ist zweifelhaft!

sbe vor 7 Wochen

"Deutscher" können die drei Jammer-Kommentare wahrlich nicht sein. Traurig, aber irgendwie auch lustig. 😄

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