Tourismus Versteckte Orte auf der Leuchtenburg entdecken

Wer denkt, er kennt die Leuchtenburg bei Kahla im Saale-Holzland-Kreis und hat schon alles gesehen, kann sich in den Ferien überraschen lassen. Jetzt gibt es Führungen an Orte, die normalerweise für Besucher tabu sind.

Museumschefin Ulrike Kaiser führt die kleine Gruppe zu einer Eisentür. Dahinter liegen die Räume unter der heutigen Burgschänke. Doch die Wände in diesem Bereich der Burg erzählen eine andere Geschichte. Hier befand sich im Mittelalter ein Männergefängnis. Schlafräume, Arrestzellen und der sogenannte Hock-Arrest. Eine drakonische Strafe für die, die im Gefängnis Regeln verletzten. Die jungen Besucher erfahren, dass solche "Störenfriede" manche Nacht im Hocken in einer kleinen Kammer verbringen mussten.

Leuchtenburg: Spezielle Führung in den Sommerferien

Heute finden sich an diesem Ort andere Spuren, denn später wurde aus den Schlafräumen eine "Hexenküche". Als in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf der Leuchtenburg eine Jugendherberge entstand, feierten die Gäste hier jedes Jahr Walpurgisnacht.

In den letzten fünfzig Jahren war kein Besucher mehr hier. In den Sommerferien bietet die Leuchtenburg spezielle Führungen an. Dafür haben sie die "Hexenküche" dekoriert und ins historische Ambiente zurückverwandelt.

Ein Frau in einem Raum auf der Leuchtenburg bei Kahla.
Museumschefin Ulrike Kaiser erklärt den Raum und seine Geschichte. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Für die jungen Gäste eine Zeitreise, gespannt lauschen sie den Erklärungen der Museumschefin. "Die Geschichte der Leuchtenburg war erst in den letzten 150 Jahren schön", sagt Ulrike Kaiser. "Ihre Geschichte als Gefängnis und Armenhaus ist düster und man kann sich freuen, dass man heute lebt."

Alte Brandeimer aus Leder

Dann steigt die Gruppe hinauf auf das frühere Arbeitshaus des Gefängnisses. Hier sind keine Spuren der einstigen Nutzung mehr zu sehen. Auf dem Dachboden stehen noch die alten Schornsteine mit einer ganz besonderen Form. "Die sehen ja aus wie der Eiffelturm", sagt Leonard Sippach.

Mit den außergewöhnlichen Rauchabzügen wurden gleich mehrere Zimmer angeschlossen, heute nicht mehr denkbar. Eine Etage tiefer betrachten die Besucher eine alte Ansichtskarte und suchen nach Besonderheiten. Auf dem Bild von 1910 fällt ein Detail auf, das eigentlich eher in die heutige Zeit passen dürfte.

Ein Gruppe auf einem Dachboden in der Leuchtenburg.
Der Dachboden des früheren Arbeitshauses mit seinen Schornsteinen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Ein Windrad mitten auf dem Burghof. "Das stand früher auf dem Brunnen und pumpte Wasser auf die Burg", sagt Ulrike Kaiser. Mit dem Bau einer Wasserleitung wurde das Windrad später abgerissen. Um Wasser geht es auch in einem anderen Raum auf dieser Etage.

Hier hängen noch einige alte Ledereimer. Etwa einhundert seien es gewesen, so Ulrike Kaiser, sie wurden zum Feuerlöschen verwendet. Die Burgbewohner bildeten vor etwa 300 Jahren eine lange Kette und versuchten im Brandfall der Flammen Herr zu werden.

Alte Löscheimer hängen an einer Wand.
Die alten Ledereimer wurden vor 300 Jahren zum Feuerlöschen benutzt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Burgturm wird Schritt für Schritt erkundet

Vom Dachgeschoss geht es wieder nach draußen, über den Burghof laufen die Besucher hinüber zum sogenannten Schleier-Turm, dem ein früherer Insasse seinen Namen gab. Hans Schleier war hier um 1536 inhaftiert, wegen angeblicher religiöser Vergehen. Die Gefangenen wurden damals durch ein Loch in der Decke mit einem Seil in ihre Zellen hinabgelassen.

Später schütteten die Bewohner der Leuchtenburg den Schutt vom Abriss des früheren Frauenzuchthauses in den Turm hinab. Die Mitarbeiter des Burgmuseums gehen nun Schritt für Schritt der Geschichte des Turms auf den Grund. Eimer für Eimer räumen sie hinaus. Die Gruppe heute kann bereits wieder die alte Wendeltreppe benutzen, die nach unten führt. Dort erfahren sie vom Leben der früheren Gefangenen.

Ein Gruppe Kinder im Schleierturm au der Leuchtenburg.
Der Schleierturm wird gerade von Mitarbeitern freigelegt. Hier wurde früher der Schutt vom Abriss des alten "Weiberzuchthauses" entsorgt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Der Rundgang war spannend

Wieder auf dem Burghof nimmt Ulrike Kaiser ihre Gruppe mit zur Burgschenke. "Hier gibt es das süße Geheimnis der Leuchtenburg", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Für alle gibt es zum Abschluss des Rundgangs eine Portion Softeis. Das lassen sich die jungen Besucher dann gemeinsam auf der Terrasse schmecken. Sie sind sich einig: Der Rundgang zu den geheimen Plätzen der Leuchtenburg war spannend und hat sich gelohnt.

Wer auf der Leuchtenburg auf Entdeckungsreise gehen möchte, kann das noch bis zum Ende der Sommerferien. Die Rundgänge an die versteckten Orte starten täglich um elf Uhr.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Juli 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

TommesJena vor 7 Wochen

Schönes Angebot. Nur bleibt es absolut unverständlich, warum die mit Steuergeldern finanzierte Stiftung Leuchtenburg dermaßen horrende Eintrittspreise verlangt.

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