Soldaten bei einem Panzer
Merkava 5-Panzer der israelischen Armee unweit des Grenzübergangs Rafa zum Gazastreifen (Archivbild). Bildrechte: IMAGO/Xinhua

Nahost-Krieg Israel setzt Rafah-Offensive im Gazastreifen trotz massiver Kritik fort

28. Mai 2024, 19:07 Uhr

Israel setzt seine Bodenoffensive in Rafah trotz massiver Kritik fort. Dabei könnte es möglicherweise einen weiteren Angriff auf ein Flüchtlingslager gegeben haben. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung für Dienstagabend ein. Unterdessen haben Norwegen, Spanien und Irland Palästina als eigenständigen Staat anerkannt.

Ungeachtet scharfer internationaler Kritik setzt Israel seine Offensive in Rafah im Süden des Gazastreifens fort. Wie die israelische Nachrichtenseite ynet unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, drangen israelische Panzer ins Zentrum der umkämpften Stadt an der Grenze zu Ägypten vor. Mehrere Panzer seien in der Nähe der Al-Awda-Moschee gesichtet worden, einem Wahrzeichen in der Stadtmitte. Rafah sei von Panzern als auch durch Luftangriffe wieder unter Beschuss genommen worden, hieß es weiter.

Mehr als 30 Tote bei Angriffen in Rafah

Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen allein bei Angriffen in der Nacht 18 Menschen ums Leben. Der palästinensische Zivilschutz im Gazastreifen beschuldigt Israel zudem, einen weiteren tödlichen Angriff auf ein Flüchtlingslager nahe der Stadt Rafah geflogen zu haben. Der Zivilschutzbeamte Mohammed al-Mughajjir sagte am Dienstag, bei dem Angriff auf "Zelte von Vertriebenen westlich von Rafah" seien mindestens 21 Menschen getötet worden. Israels Armee teilte auf Anfrage mit, ihr sei dieser Vorfall zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.

Eine Million Menschen aus Rafah geflohen

Augenzeugen-Berichten zufolge wird auch die Gegend um den Bezirk Tel Al-Sultan immer noch bombardiert. Dort waren am Sonntag bei einem israelischen Luftangriff nach palästinensischen Angaben mindestens 45 Menschen in einem Zeltlager für Kriegsflüchtlinge getötet worden. Das Militär sagte am Dienstag, das Ausmaß des tödlichen Luftangriffs sei auf ein Feuer zurückzuführen, das in einer nahe gelegenen Anlage ausgebrochen sei.

Wie das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge UNRWA mitteilte, sind rund eine Million Menschen seit Anfang Mai vor der israelischen Offensive aus Rafah geflohen. Zuvor hatten mehr als eine Million Palästinenser in der Stadt Schutz vor den Kämpfen im nördlichen Gazastreifen gesucht. Der Internationale Gerichtshof hatte Israel am Freitag dazu verpflichtet, den Einsatz in Rafah wegen der katastrophalen humanitären Lage unverzüglich zu stoppen.

UN-Sicherheitsrat beruft Dringlichkeitssitzung ein

Nach dem verheerenden israelischen Luftangriff auf das Flüchtlingslager in Rafah rief der UN-Sicherheitsrat eine Dringlichkeitssitzung ein. Diplomaten zufolge sollte das Treffen am Dienstagabend (MEZ) in New York stattfinden. Es war von Algerien beantragt worden. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte in der Nacht, bei dem Angriff seien zahlreiche unschuldige Zivilisten getötet worden, die Schutz vor dem tödlichen Konflikt gesucht hätten. Dieser Horror müsse aufhören.

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Brennende Zelte und Chaos drumherum 6 min
Hilfsorganisationen: Dutzenden Tote Tote bei israelischen Luftangriff auf Flüchtlingslager in Rafah Bildrechte: Reuters

Norwegen, Irland und Spanien erkennen Palästina als Staat an

Unterdessen haben Norwegen, Irland und Spanien Palästina als eigenständigen Staat anerkannt. Das norwegische Außenministererium bestätigte, dass die Anerkennung um Mitternacht in Kraft getreten sei. Der irische Regierungschef Simon Harris rief in einer Mitteilung Israel auf, im Gazastreifen "die humanitäre Katastrophe zu stoppen". Die Regierungen der drei EU-Länder erhoffen sich durch die Anerkennung neuen Schwung für eine Zweistaaten-Lösung. Das sei der einzige Weg zum Frieden in der Nahost-Konfliktregion. Israels Regierung hatte empört auf die Ankündigung reagiert.

Deutschland bleibt bislang bei seiner Haltung, einen Palästinenserstaat erst im Zuge einer politischen Lösung für den Nahostkonflikt anzuerkennen. Der Linken-Politiker Gregor Gysi rief die Bundesregierung dazu auf, Palästina ebenfalls anzuerkennen. "Es ist ein Irrtum, glaube ich, dass die Sicherheit Israels gefährdet wird durch die Gründung des Staates Palästina", sagte Gysi dem Sender Phoenix. Beispielsweise könnte ein solcher Staat "den Terror der Hamas und anderer Organisationen viel wirksamer bekämpfen".

Reuters/dpa/AFP (dni, smk)

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 28. Mai 2024 | 18:00 Uhr

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