Mit Felix Seibert-Daiker Gedanken zum Karfreitag

Dass am Karfreitag die Welt ein bisschen still stehen soll, dahinter steckt bekanntlich eine dramatische Geschichte. Sie handelt von Liebe, Verrat und Tod und hat ein spektakuläres Happy End.

Haben Sie das schon mal gesehen: Kinder, die mit solchen Klappern oder Ratschen durch die Straßen ziehen und ohrenbetäubenden Lärm machen? In Thüringen gibt es das, in der Lausitz und in Bayern. Wenn auch nicht in diesem Jahr, wo das Leben wegen der Corona-Pandemie sowieso in ganz anderen, notgedrungen stilleren Bahnen verläuft. Eigentlich aber ersetzen die Klappern und Ratschen die Kirchen-Glocken. Denn die dürfen am Karfreitag nicht läuten.

Warum die Welt still steht

Dass am Karfreitag die Welt ein bisschen still stehen soll, dahinter steckt bekanntlich eine dramatische Geschichte. Sie handelt von Liebe, Verrat und Tod und hat ein spektakuläres Happy End. Im Mittelpunkt steht Jesus von Nazareth: Ein Widerstandskämpfer, ein Revolutionär, ein Prediger, Seelsorger und Prophet der gegen die politischen und religiösen Doktrin seiner Zeit gekämpft hat – nicht mit Waffen, sondern mit Worten.

In der Bibel wird berichtet, dass Jesus am Freitag vor dem Passah-Fest  von den Römern wegen Hochverrats verurteilt, gefoltert und schließlich ans Kreuz geschlagen wird. Für gläubige Christen ein ziemlich trauriger "Jahrestag" – also ein Tag, an dem man keine Lust auf Feiern oder Feste hat. Jesus stirbt um die neunte Stunde  –  15 Uhr. Am Abend wird der Tote vom Kreuz genommen und Maria hält ihren Sohn in den Armen. Jesus wird in ein Felsengrab gelegt, das mit einem schweren Stein verschlossen wird.  

Wie dieses "Heilige Grab" ausgesehen haben soll, lässt sich übrigens auch hierzulande erahnen – zum Beispiel in Görlitz.  Im Mittelalter haben die Kreuzfahrer maßgenaue Zeichnungen vom Grab Jesu aus Jerusalem mitgebracht, so dass es in der sächsischen Stadt originalgetreu nachgebaut werden konnte. Damit war es auch denen, die nicht nach Jerusalem reisen konnten, möglich, diesen Wunderort zu sehen.  

Das Kreuz als Hoffnungszeichen

Im 12. Jahrhundert war es üblich, die Heiligen Gräber nicht nur mit Kerzen, sondern auch mit bunten Glaskugeln zu schmücken. Die wurden in Venedig hergestellt und waren ziemlich wertvoll. Die Kugeln leuchteten im Kerzenlicht und sorgten für eine magische Atmosphäre. Das Symbol der Christen ist aber das Kreuz. Ein Folterwerkzeug, ein Hinrichtungsinstrument wurde zum Hoffnungszeichen.

Die Christen glauben an das Happy End der Geschichte um Jesus von Nazareth – seine Auferstehung in der Osternacht – und darum brennen große Osterfeuer – normalerweise, aber das ist ein anderes Kapitel.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. April 2019 | 18:05 Uhr