Protest gegen die AfD
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

AfD-Veranstaltung & Gegendemo Björn Höcke provoziert in Dresden

Etwa 200 linke Demonstranten haben Dienstagabend gegen den Auftritt des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke in einem Dresdner Ballhaus protestiert. Er sprach dort auf Einladung der "Jungen Alternative Dresden" vor etwa 500 Anhängern. Die Polizei sicherte den Veranstaltungsort ab.

von Wolfram Nagel

Protest gegen die AfD
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Kurz nach 18 Uhr steigt der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke aus einem schwarzen Audi mit Erfurter Kennzeichen. Er parkt vor dem historischen Pieschener Ballhaus Watzke.  

Höcke-Auftritt in Dresden
Schlange stehen vor dem Ballhaus Watzke: Nur 500 Personen passen in den Saal. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Vor dem Ballhaus stehen auch Pegida-Anhänger Schlange. Etliche mit Deutschland-Mützen oder solche in Schwarz-Weiß-Rot, die Markenfarben der NPD. Lutz Bachmann hatte bei seinem letzten Auftritt auf dem Dresdner Altmarkt aufgerufen, an dem  Auftritt Björn Höckes teilzunehmen. Nach seinen Worten möchte er ein Bündnis mit der AfD schmieden. Auch die sächsische AfD-Chefin Frauke Petry hat er dazu eingeladen, bisher vergeblich. Und so betrachtet er den von der "Jungen Alternative Dresden" organisierten Abend mit Höcke als  willkommene Gelegenheit, die "rechten Alternativen zum politischen Mainstream" im Wahljahr 2017 zu vereinen.  

AfD-Prominenz begleitet Höcke nach Dresden

Nicht nur Björn Höcke redet im Ballhaus Watzke. Sekundiert wird er von AfD-Prominenten wie Jens Maier, der als Richter am Dresdner Landgericht tätig ist, oder dem Aachener AfD-Ratsherren Markus Mohr. Auch Götz Kubitschek ist dabei, Mitbegründer der neurechten Denkfabrik "Institut für Staatspolitik".

Vor den Ballhaus-Türen stehen Ordner. Bekannte Gesichter zum Teil, die auch Pegida-Kundgebungen absichern. Auch andere Anhänger der rechten Szene sind draußen geblieben, so zwei Aktivisten der sogenannten "AntiAntifa". Deren Adler-Shirts erinnerten schon bei Pegida-Veranstaltungen an die Nazipropaganda.

Gegendemonstranten auf der Straße

Höcke-Auftritt in Dresden
Die Gegendemonstranten machten mit Böllern, Schneebällen, Bannern und Sprechchören auf sich aufmerksam. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Vor der Tür tönt auch Protest, mit Trillerpfeifen und Sprechchören. "Nie wieder Deutschland" oder "AfD-Faschistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt". Polizisten in schwarzen Uniformen halten die Gegendemonstranten auf Abstand. Dazwischen rollt auf der Leipziger Straße der Verkehr. Der gelbe Rauch eines Feuerwerkskörpers vernebelt den Platz. Schneebälle fliegen auf die Gegenseite. Die Beamten greifen konsequent ein.

Medien sind nicht erwünscht

Über die sozialen Netzwerke dringen Inhalte aus dem Saal nach außen. Denn der Gesprächsabend ist eine geschlossene Veranstaltung. Medien haben nur beschränkten Zutritt. Kommentiert wird beispielsweise, dass Björn Höcke das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande im Herzen der Hauptstadt" bezeichnet. Er vergleicht Angela Merkel mit dem SED-Diktator Erich Honecker. Und er möchte Dresden zur Bundeshauptstadt machen.   

Über dieses Thema berichtete MDR SACHSEN auch im Radio MDR 1 RADIO SACHSEN | 18.01.2017 | Nachrichten & Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | ab 05:00 Uhr & 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2017, 12:40 Uhr

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150 Kommentare

20.01.2017 11:35 Janes 150

@Wo geht es hin? 146: Also mir "schmiert das niemand täglich aufs Butterbrot". Und außer der AfD quatscht da auch niemand stänidg so in dieser Form drüber. Erst dank der AfD muss ich mich täglich fragen, wie schuldig ich bin. Vorher wars echt vernünft und erträglich mit der "Schuld", die ich mit mir rumtragen. Danke AfD für nichts! Komisch-irgendwie schreiben sie das selbe, ausser das sie die Rolle der AfD genau andersrum sehen.

20.01.2017 11:10 ralf meier 149

@Lutz Nr 144 Teil 1: Hallo Lutz, also 'politisch unkorrrekt' trifft es nicht ganz, wenn Sie von Pegioten sprechen. Das ist schlicht plump und beleidigend. Ihre Belustigung über einen behinderten Menschen 'Hinkebein' würde ein politisch korrekter Mensch schon eher als politisch unkorrekt werten. Wer übrigends klar gegen die massenhafte unkontrollierte Einwanderung, gegen Eurozentrik, Genderwahnsinn und so manches Andere ist ist, kommt leider gar nicht umhin, von einer 'Linksrotgrünmerkel-Einheitspartei ' zu sprechen. Als ich schrieb, man könnte manches an der Rede des Herrn Höckel kritisieren, wollte ich höflich andeuten, daß das keiner tut. Stattdessen findet mal wieder ein Pöbelwettbewerb der üblichen Empörten statt.

20.01.2017 11:08 ralf meier 148

@Lutz Nr 144 Teil 2: Sie vermissen bei Herrn Höcke den Hinweis, daß sich so etwas wie Ausschschwitz nie wiederholen darf. Ich nicht. Das ist so selbstverständlich, daß man es eigentlich nicht erwähnen muß. Herr Augstein zitiert dazu Herrn Walser mit den Vorwurf der 'routinierten Reuebekundungen'. Diese routinierten Reuebekundungen hört man mittlerweile so oft, daß man sich fragt, was der eigentliche Zweck dieses Mantras ist. Auch da haben Herr Augstein und Herr Walser eine klare und unmissverständliche Meinung formuliert. 'Auschwitz wird instrumentalisiert' . Zum Denkmal selbst schrieb Herr Augstein 'Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Es ist 'eine Absage an die allmählich wiedergewonnene Souveränität unseres Landes' . Werfen Sie diese Aussage nicht mir vor. Herr Augstein hat's gesagt!

20.01.2017 07:02 Wo geht es hin? 147

@Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber"- Zitat von Ihnen:"Wer die Ermordung (eigentlich das Abschlachten) von 6 Millionen Juden als 'eine Tat, die nun endlich mal vergeben werden müßte' begreift, begreift halt nicht, daß allein das Umbringen eines einzelnen Menschen auf Grund seines Glaubens, seiner politischen Einstellung oder seiner Herkunft ein gemeinschaftsgefährdendes Verbrechen ist." Zitat Ende. Vollkommen richtig! Jetzt kommt das berüchtigte "aber": ich brauche niemanden, der mir das täglich auf`s Butterbrot schmiert, weil das selbstverständlich ist. Und ich brauche auch niemanden, der diese Selbstverständlichkeit dazu missbraucht, andersdenkende in Sachen Politik mit diesem "Argument" mundtod zu machen. Das wird gerne benutzt, wenn man eben keine echten Argumente mehr hat und man ist sich des Beifalls des geneigten Konsumenten sicher. Weil: Widerspruch = Nazi. So auch hier im Forum.

19.01.2017 22:14 Hmhmhm zu Hoffnung 138 146

Den Widerstand zumindest Pretzells und Petrys gibt es ja. In der Tat vermisse ich den Widerstand der Anderen, was wohl sehr viel über den Zustand der AfD aussagt. Kurioserweise greift Lutz Bachmann von Pegida Gauland an, er würde "die Patrioten" spalten, obwohl Gauland sich kaum wirklich kritisch zu Höcke geäußert hat. Was ich selbst nach der heftigen Kritik konservativer sächsischer Unionsabgeordneter wirklich vermisse, habe ich schon immer vermisst, nämlich die klaren Worte der Staatsregierung: Tillichs, Ulbigs usw. Spätestens jetzt sind sie ja wohl überfällig, oder?

19.01.2017 21:49 Klaas aus Holland 145

Nazis sind nach 1945 nicht zerschlagen. Sie sind nur untergetaucht.

19.01.2017 21:46 Und nochmal der Lutz spricht @ ralf meier (132) 144

PS - mit "Letztere" meine ich die dümmliche, aber bewusste Hetze des (rechten?) AfD-Flügels und der Pegidioten (verzeihen Sie den sehr unkorrekten Ausdruck) gegen alles, was "links" von ihnen steht, eben das Gewäsch von der sogenannten Einheitspartei.

19.01.2017 21:41 Und nochmal der Lutz spricht @ ralf meier (132) 143

"Es gibt übrigends so einiges in der Rede... Diese Bereitschaft sehe ich bei den üblichen Empörten nicht und auch Ihre Reaktion macht mir da wenig Hoffnung [wie das? umgekehrt seh ichs zunehmend auch so :)]. Es scheint auf beiden Seiten Menschen zu geben, die ein Interesse an einer weiteren Eskalation haben." Richtig. Die politische Reaktion und hier rückt mich eher wieder an den moderaten (!) Unionsflügel Sachsens an. Es gibt Gründe, warum AfD und Gaga von einer Linksrotgrünmerkel-Einheitspartei faseln... Letztere begannen damit schon lange vorm jetzigen Wahlkampf...

19.01.2017 21:24 Dresdner 142

Also mich erinnert einmal mehr Höcke usw. sowie deren Fürsprecher u.a. hier an den alten Flüsterwitz aus der Nazizeit über die Unvereinbarkeit von Intelligenz, Anstand und .... Entweder bin ich intelligent und ..., dann kann ich nicht anständig sein. Oder ich bin ... und anständig, dann kann ich nicht intelligent sein. Oder ich bin intelligent und anständig, dann kann ich nicht ... sein. Höcke, Lutze und ihre Freunde kurzgefasst :)

19.01.2017 20:57 Nochmal der Lutz spricht an ralf 141

Sie haben gesehen, dass ich Augsteins Artikel kenne. Vergleich zu Höckes Rede hinkt. Interessanterweise, soweit ich nachvollziehen kann, wird Vergleich zuallererst bei den sagen wir Rechtspopulisten und Anhängern zuerst bemüht, nicht bei den Kritikern. Sie sagen "Wäre der Herr Höcke so fies gewesen..." Höcke ist nicht dumm. Gedankenspiel: Hätten Sie dann auch aufgeschrien? Gings Höcke nur um Provokation? Oder vllt. auch, sogar noch mehr darum, den ja eingetretenen Aufschrei zu provozieren und im selben Umschlag sagen wir bedächtigere Rechte wie Sie genau zu solchen "Bedächtigkeiten" zu bringen und so stärker gegen die Kritiker einzunehmen zu versuchen und an sich zu rücken...? Vielleicht. Weiß es nicht. Vielleicht überschätze ich Höcke. Aber irgendwie erinnert mich das gerade daran, dass - womit wir wieder beim Thema wären - "Auschwitz" und das Ende 45 genau in der Unterschätzung des "Weltkriegsgefreiten" und des "Hinkebeins" vor 33 begann.