Ein Stundenplan
Sachsens Schüler haben bundesweit betrachtet den vollsten Stundenplan. Ab dem Schuljahr 2019/2020 gibt es Veränderungen. Bildrechte: dpa

Weniger Unterricht Sachsen überarbeitet Stundentafeln

Ab August 2019 werden Sachsens Schüler weniger Unterricht haben. Die im bundesweiten Vergleich hohe Lernbelastung soll damit gesenkt und dem Lehrermangel entgegengewirkt werden. Angekündigt hatten CDU und SPD das bereits mit dem im März vorgestellten Lehrerpaket. Am Dienstag präsentierte der Kultusminister die Details. Davon, dass es Proteste geben wird, darf er fest ausgehen. Bei Stundentafel-Kürzungen gibt es die erfahrungsgemäß immer.

von Uta Deckow

Ein Stundenplan
Sachsens Schüler haben bundesweit betrachtet den vollsten Stundenplan. Ab dem Schuljahr 2019/2020 gibt es Veränderungen. Bildrechte: dpa

Anfang des Jahres hatten Sport- und Musiklehrer heftig protestiert, als es hieß, es solle vor allem in ihren Fächern gekürzt werden. Nicht mehr aktuell, reagierte das Ministerium damals. Auch unter dem Eindruck der heftigen Kritik wurde dann von CDU und SPD im Lehrer-Maßnahmepaket festgehalten: Alle Fächergruppen der Stundentafel sollen überarbeitet werden, mit dem Ziel, das Unterrichtsvolumen um vier Prozent abzusenken.

Und so haben sich die Betroffenen auf folgende Details geeinigt, die ab dem Schuljahr 2019/2020 wirksam werden:

  • In Grundschulen gibt es in der 3. Klasse eine Stunde weniger Musik, in der 4. Klasse eine Stunde weniger Deutsch und Sport
  • In Oberschulen wird in Klasse 7 und 8 eine Stunde Gemeinschaftskunde /Rechtserziehung Pflicht. Dafür entfällt eine Stunde Mathematik (Kl. 5), Englisch (Kl. 6), Biologie (Kl.7) und Sport (je Kl. 7 bis 10)
  • Im Gymnasium gehört ab Klassenstufe 7 Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft zur Pflicht (bislang erst ab Klasse 9) sowie in Klasse 9 und 10 Informatik-Unterricht (bereits ab August 2018)
  • Weniger Unterricht gibt es in Mathematik und Technik/Computer (Kl. 5), 2. Fremdsprache (je Kl. 6 und 8), Biologie (Kl. 7), Sport (Kl. 7) und Musik (Kl. 8) um je eine Stunde

Mehr Eigenverantwortung für Schulen

Umfangreiche Kürzungen stehen nun also an, die einerseits nötig wurden, weil eben die politische und die digitale Bildung gestärkt werden soll und andererseits Sachsens Schüler auch schon ohne die zusätzlichen Stunden bundesweit am meisten Unterricht hatten.

An der gymnasialen Oberstufe war die Zahl zuletzt im Herbst auf 265 sogenannte Jahreswochenstunden (JWS)* gesenkt worden. In der Oberschule sind es 192 JWS, mit einer zweiten Fremdsprache noch sieben mehr - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Doch nicht nur die Schüler werden entlastet. Durch die Kürzung der Stundentafel braucht Sachsen auch weniger Lehrer.

Kultusminister Christian Piwarz verweist darauf, dass Schulen künftig eigenverantwortlicher handeln können. Sie können eigene Stundentafeln erstellen, allerdings nicht für die Abschlussklassen an den Oberschulen und nur unter begrenztem Rahmen kann eine Pflichtfach-Wochenstunde zugunsten eines anderen Faches verlagert werden.

*Das bedeutet, bis zum Abitur muss ein Schüler zwischen der fünften und der Abschlussklasse 265 Jahreswochenstunden absolviert haben, das entspricht der Vorgabe der Kultusministerkonferenz.

Mehr GTA-Mittel für Schulen

Mit den neuen Stundentafeln werden die Mittel für Ganztagsangebote deutlich erhöht (jetzt 26 Millionen Euro; 2019 37 Millionen Euro; 2020 45 Millionen Euro). Damit solle vor allem die Lebenskompetenz der Schüler in Sport, Musik und Kunst gefördert werden, so Kultusminister Piwarz.

Übersicht Die überarbeiteten Stundentafeln im Detail

Ab August 2019 haben Sachsens Schüler weniger Unterricht. Das Kultusministerim hat für Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien die Stundentafeln entschlackt.

Ein Lehrer wischt während des Mathematik-Unterrichts die Tafel sauber.
Was kann weg, was muss bleiben? Die rappelvollen Stundenpläne von Sachsens Schülern sollen entschlackt werden, hatte sich die Regierungskoalition vorgenommen. Die Stundenlast sollte um vier Prozent sinken. Bei der Überarbeitung der Stundentafeln wurden alle Fächergruppen einbezogen. Und so sehen die Stundentafeln ab 2019/2020 aus... Bildrechte: dpa
Ein Lehrer wischt während des Mathematik-Unterrichts die Tafel sauber.
Was kann weg, was muss bleiben? Die rappelvollen Stundenpläne von Sachsens Schülern sollen entschlackt werden, hatte sich die Regierungskoalition vorgenommen. Die Stundenlast sollte um vier Prozent sinken. Bei der Überarbeitung der Stundentafeln wurden alle Fächergruppen einbezogen. Und so sehen die Stundentafeln ab 2019/2020 aus... Bildrechte: dpa
Stundentafel einer Schule
So sieht die Stundentafel für Grundschüler ab August 2019 aus. In der 3. Klasse gibt es eine Stunde weniger Musik, in der 4. Klasse eine Stunde weniger Deutsch und Sport. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Stundentafel einer Oberschule.
In Sachsens Oberschulen verändert sich die Stundentafel ab 2019/2020 so: In Klasse 7 und 8 wird eine Stunde Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung Pflicht. Dafür entfällt eine Stunde Mathematik in der 5. Klasse, eine Stunde Englisch in Klasse 6, eine Biologiestunde in der 7. Klasse. Sport verringert sich ab Klasse 7 um eine Stunde. Oberschüler haben von der 7. bis zur 10. Klasse jeweils zwei Sportstunden in der Woche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Stundentafel eines Gymnasiums
Im Gymnasium wird ab Klassenstufe 7 Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft zur Pflicht. Das war bislang erst ab Klasse 9 der Fall. Bereits ab August 2018 wird Informatik in Klassen 9 und 10 Pflicht. Weniger Unterricht gibt es in Mathematik und Technik/Computer (Kl. 5), 2. Fremdsprache (je Kl. 6 und 8), Biologie (Kl. 7), Sport (Kl. 7) und Musik (Kl. 8) um je eine Stunde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.06.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2018, 21:26 Uhr

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29 Kommentare

28.06.2018 10:49 Dr. Norman Pohl 29

Hessen vorn!
Die Anhänglichkeit an das Bildungssystem der DDR erstaunt immer wieder. In den 1970er Jahren hatte das Bundesland Hessen eindeutig das beste System. Ziel war der mündige Bürger, dem das Abitur alle Möglichkeiten eröffnete. Drei Stunden Sport wöchentlich waren übrigens üblich. Studenten sind heute oftmals nicht in der Lage, eine einzige Stadt am Rhein zu benennen. Schlussfolgerung: Kein Interesse an Politik (Landeshauptstädte), Fußball oder Karneval. Die Hauptstadt Österreichs? Fehlanzeige.

28.06.2018 00:47 Deutschlehrer 28

Als Lehrer für Englisch und Deutsch nimmt mir die Stundentafelkürzung nicht die Butter vom Brot, aber: Wir haben mit übermäßigem Einsatz von Lehrer- und (!) Schülerseite es geschafft, die Anforderungen eines G9 in G8 zu übersetzen, und zwar so, dass Berufsvorbereitung und Allgemeinbildung erfolgreich umgesetzt wurden (Pisa etc.). Neue Lösungen auf dem Weg: Der PC zuhause als Lehrerassistent für Rechtschreibung, z.B. , d.h. Kontrolle = Eigenverantwortung / Eltern. Weil die Stunde fehlt. Mathe? 1x1 beim Einkaufen. Inzwischen frage ich mich oft, ob Anforderungen sich nicht in einer Dichte niederschlagen, die – will man die Freiräume am Nachmittag – eine längere Schulzeit brauchten. Aber das wären ja 700 mal x Lehrerstellen – und zwar nicht in Patjomkinschen Dörfern für die 7. und 8. Noch-singles, noch-nicht-Großeltern! Wir haben ein Problem, Sie auch, demnächst. Die Vorschläge vom Kultus sind da nur … gesunde Ernährung mit Fast-Food.

28.06.2018 00:11 Theaterbesucher 27

Wohin gehen, wenn der letzte das Licht ausmacht? Diese Arroganz, zu glauben, die Menschen sähen es nicht, hatten wir ja schon. An Ausbildung sparen! mein Vorredner hat so Recht: an der einzigen Ressource, über deren Mangel die Industrie, das Handwerk klagt – – – wie intelligent ist das denn? Innovation und Investition wie beim schnellen Internet, wie beim Wohnungsbau, wie beim … zu verschieben, weil man nicht die Gesetze macht, die allen nützen. Dominik Maringer gab am Staatsschauspiel den Dr. Ebenwald in der grandiosen Inszenierung von Schnitzlers „Professor Bernhardi“ so überzeugend, weil er alle seine Argumente, seine Begründungen so plausibel, so verständlich, so glaubhaft für das Wohl aller vorzutragen wusste. Er (lag´s an Maringers Kunst oder Ebenwalds Pragmatismus?) war ein Idol oder zum Küssen. Wie der jetzige Kultusminister.

27.06.2018 15:09 astrodelfin 26

Bei Kultus heißt es: "Danach können Schulen pro Klassenstufe in bis zu zwei Unterrichtsfächern des Pflichtbereiches je eine Wochenstunde zu Gunsten je eines anderen Unterrichtsfaches verlagern. Voraussetzungen sind unter anderem: Die Gesamtwochenstundenzahl pro Klassenstufe bleibt im Pflichtbereich unverändert und jedes Unterrichtsfach muss mindestens einstündig unterrichtet werden." Hervorragend: Umziehen sollte man sich also auch innerhalb Sachsens in Zukunft mit schulpflichtigen Kindern ersparen, den jede Schule kann theoretisch anders "verlagern". Was soll dieser Blödsinn.

27.06.2018 14:41 Ludwig 25

Es fehlen einem die Worte. Kopfschüttel !!! Die wichtigste Ressource, die unser Land hat, schöpft es nicht aus.

27.06.2018 13:48 Praxis 24

Jede Entscheidung hat zwei Seiten,das ist normal.Stundentafeln zu überdenken ist durchaus richtig.Aber wer kommt auf die Idee ,Deutsch in Klasse 4 zu reduzieren? Aber der Fokus wird ja auch nicht mehr auf eine vielseitige und tiefgründige Bildung gerichtet...Zur Not googelt man...So einfach ist das heute! Unter umfassender Bildung verstehe ich aber etwas anderes.Ich frage mich,ob es jemals wieder andere Zeiten im Bildungswesen geben wird oder ob der Abwärtstrend anhält.Es ist einfach nur traurig.

27.06.2018 09:47 Kleinert 23

Bravo CDU ! Tolle Leistung in ihrer Gesamtregierungszeit ! Da werden den jungen Menschen im Jahr ca. 580 Unterrichtsstunden vorenthalten - Wissen weniger vermittelt . Aber ein dummes Volk regiert sich leichter !

27.06.2018 09:23 Torsten 22

Konkurserklärung der Landesregierung
Aufgaben werden von der Schule in den außerschulischen Bereich (GTA) verschoben. Die Personalkosten sind dort selbstverständlich deutlich günstiger und die jahrelange Fehlentwicklung bei der Personalplanung wird zumindest kurzfristig abgemildert.
Beim Thema Bildungsgerechtigkeit wird die Schere weiter auseinander gehen. Kinder aus sozial schwächeren Familien werden die frei werdende Lernzeit, wie der Herr Herr Kultusminister sich lobt, weniger für ihre Bildung nutzen können. Statt mehr Personal einzusetzen um Schüler individuell durch zusätzlichen Unterricht (Förderstunden in Kleingruppen) zu fördern und die Hausaufgaben abzuschaffen, wird gespart und vertuscht.

27.06.2018 08:05 colditzer 21

Wir kürzen in Sachsen.
Geld.
Lehrer.
Schülerstunden.
Wissen.
Wenn jeder kürzt wie er Lust hat, wie kommt Deutschland dann zu einem einheitlichen Wissen und einem Zentralabitur?
Bei all den vielen Stundenzahlen die hier veröffentlicht werden, wie hoch ist denn die wöchentliche Stundenzahl auf einem Gymnasium im 10./ 11. Schuljahr?
Zu meiner Pennezeit waren es 40, inklusive Samstag.

27.06.2018 06:43 Paulchen 20

Heute hüh, morgen hott. Ich warte schon auf Berichte über das "sinkende Leistungsniveau sächsischer Schüler" und "Gegenmaßnahmen" der CDU beim Buhlen um konservative Wähler. Das Streichen der einen oder anderen Stunde mag in Ordnung gehen, wenn die Kinder entsprechenden Ausgleich in der Freizeit haben z.B. Musikschule oder Sportverein. Wer sich das nicht leisten kann oder im ländichen Raum zusehends weniger Angebote findet, hat aber leider Pech gehabt und deutlich schlechtere Startchancen ins Leben. Der CDU ist das egal, ein humanistisches Bildungsideal für alle ist in Zeiten des "Fachkräftemangels" nicht mehr zeitgemäß.

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