Bundestagswahl 2017 | Direktkandidaten aus Sachsen Thomas Löser (Bündnis 90/Die Grünen)

Wahlkreis Dresden I (159)

Allgemein

Alter: 45
Schulausbildung: Abitur/ Studium
Beruf: Lehrer am Gymnasium, Fächer Kunst/Geschichte
Familienstand: verheiratet
Wohnort: Dresden

Politischer Werdegang:

  • Sprecher Netzwerk Welterbe erhalten in Dresden
  • Stadtrat für Bündnis 90/Grüne seit 2009
  • seit 2013 Fraktionsvorsitzender

Privat

Was ist Ihre größte Stärke?

  • Offenheit meinen Mitmenschen gegenüber und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen innerhalb von Gruppen auszutarieren. Überdies kann ich komplexe Sachverhalte auf das Wesentliche reduzieren und mich, so nötig, kurz fassen.

Was ist Ihre größte Schwäche?

  • Der Fehler liegt oft im Detail. Auch bin ich leider hin und wieder etwas ungeduldig. Vor allem, wenn ich meinen Kindern das fünfte Mal sagen muss, dass sie ihre Zähne putzen und sich endlich mal den Schlafanzug anziehen sollen.

Welchem sächsischen und welchem nicht-sächsischen Sportverein drücken Sie die Daumen?

  • Dynamo Dresden
  • AS Roma

Wo erholen Sie sich in Sachsen am liebsten?

  • auf den Elbwiesen in Dresden und in der herrlichen Landschaft um Dresden. Große Favoriten sind die Moritzburger Kuppenlandschaft, das Hinterland der Sächsischen Schweiz, die linkselbischen Täler, der Tharandter Wald sowie die Lausitz.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

  • Hängematte
  • Streichhölzer
  • Fahrrad

Politisch

Warum haben Sie sich als Direktkandidat Ihrer Partei zur Verfügung gestellt?
Wir erleben derzeit so deutlich wie selten zuvor, dass dies eine entscheidende Wahl für Deutschland und Europa wird. Selten zuvor erschienen Kräfte, die gegen eine weltoffene Gesellschaft, gegen ein vereintes Europa, gegen die Gleichberechtigung aller und gegen demokratische Rechte agieren, so stark wie in diesem Jahr. Aber auch der Klimaschutz und die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen werden zunehmend in Frage gestellt. Europa als zentrales friedenspolitisches Projekt unserer Generation braucht eine zukunftsfähige Vision. Wir müssen die Krise Europas als Chance begreifen und jetzt diskutieren, wie das gemeinsame Europa in 25 oder 50 Jahren aussehen kann, um Nationalisten und Intolerante aller Schattierungen in die Schranken zu weisen und viele Europäer wieder für dieses Freiheits- und Friedensprojekt zu begeistern. Dafür braucht es eine starke grüne Stimme im nächsten Bundestag: für die soziale und ökologische Erneuerung und für Freiheit, Weltoffenheit und Friedenspolitik! Diese politischen Auseinandersetzungen und Diskussionen möchte ich aktiv mitgestalten. Darum habe ich mich als Spitzenkandidat für Bündnis 90/Grüne zur Verfügung gestellt.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Die neue Ostpolitik von Willy Brandt, welche die Annäherung von Ost und West und damit letztlich auch die deutsche und europäische Einheit ermöglichte. Auch ist mir der gewaltfreie Widerstand von Mahatma Gandhi zutiefst sympathisch.

Wenn Sie gewählt werden, was ist Ihr wichtigstes Ziel (für die kommende Legislaturperiode)?
Bezahlbares Wohnen ist ein Menschenrecht. In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die entweder keine geeignete Wohnung finden, oder diese nicht bezahlen können. Wir brauchen neben dem privaten Wohnungsbau dringend wieder mehr sozial geförderten und kommunalen Wohnraum. Dafür bedarf es über die bisher aufgelegten Bundesprogramme hinaus Anreize, damit die in Deutschland stark auseinandergehende Eigentumsentwicklung nicht immer weiter auf den Wohnungsmarkt durchschlägt.

Was wollen Sie für Sachsen erreichen … 

… im Bereich Bildung
Bisher ist es dem Bund verboten, die Länder beim Thema Bildung im notwendigen Maße zu unterstützen, wie es eigentlich notwendig wäre. Ich will, dass sich das ändert. Der Bund muss den Ländern und den Kommunen bei den Schulsanierungen massiv unter die Arme greifen und sie beim Aufbau von Ganztagsschulplätzen unterstützen. Damit würden auch in Sachsen mehr Gelder zu Verfügung gestellt, um unseren Kindern eine gute Lernumgebung zu schaffen. Nur so können wir den Schulneubau in wachsenden Kommunen fördern und Schulschließungen in ländlichen Regionen vermeiden.

Da gute Bildung schon bei den Kleinsten anfängt, brauchen wir verbindliche Qualitätsstandards für Kindertagesstätten. Nach der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz ist es höchste Zeit für ein Kita-Qualitätsgesetz. Damit würde auch endlich in Sachsen die pädagogische Arbeit gestärkt und der Betreuungsschlüssel so verbessert, dass zukünftig mehr Erzieherinnen und Erzieher für unsere Kleinsten da sind. Auch die Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher muss aus meiner Sicht verbessert, durch den Bund stärker gefördert und bei der Berechnung des Betreuungsschlüssels berücksichtigt werden.

… im Bereich Forschung und Entwicklung
Der Forschungsstandort Deutschland muss weiter gestärkt werden. Wissenschaft und Forschung sind wichtige Ideengeber für viele Unternehmen, aber auch für unsere Gesellschaft und ein wichtiger Innovationsmotor für ländliche Regionen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen - wie wir sie vielfach in Sachsen finden - wollen wir Grüne bei der ökologischen Modernisierung unterstützen, unter anderem durch eine steuerliche Förderung ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Zudem wollen wir mit einer Start-up-Finanzierung die Weichen für eine neue Innovationskultur in Deutschland stellen, was auch der sächsischen Wirtschaft zu Gute kommen würde.

… im Bereich Wirtschaft und Verkehr
Um der Wirtschaft in Deutschland eine gute Zukunft zu geben, braucht es eine ökologische Modernisierung unserer Industrie. Nur wenn wir nachhaltig und ressourcenschonend wirtschaften, werden wir innovativ bleiben. Mit dem Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor wollen wir beispielsweise die Automobilindustrie zukunftsfähig gestalten, um so die Arbeitsplätze zu sichern. Hier sehe ich gerade in Sachsen ein enormes Potenzial entsprechende Strukturen aufzubauen und den Wirtschaftsstandort in unserem Bundesland zu stärken.

… im Bereich Innere Sicherheit
Die Menschen in unserem Land müssen frei und sicher leben können. Wir brauchen nicht immer mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, damit diese unsere Daten erfassen und in unsere Privatsphäre eindringen können, sondern einen Rechtsstaat, der die Freiheit des Einzelnen wahrt und schützt.

Ich stehe dafür, dass wir eine gut ausgestattete und gut ausgebildete Polizei in Deutschland haben, die in der Lage ist auf die aktuellen Bedrohungen, zu denen auch und gerade in Sachsen der Rechtsterrorismus gehört, zu reagieren. Es braucht klare Zuständigkeiten und eine Kultur der Verantwortlichkeit zwischen den Sicherheitsbehörden, um die schweren Pannen, die den Terroranschlag in Berlin erst ermöglichten, zukünftig zu vermeiden.

Beim Kampf gegen den Terrorismus dürfen andere Kriminalitätsformen nicht vergessen werden. Aufgrund der hohen Zahl an Wohnungseinbrüchen in Sachsen ist es gerade hier einmal mehr notwendig, neben der gezielten polizeilichen Arbeit, die Prävention zu stärken und beispielsweise entsprechende Schutzmaßnahmen besser zu fördern.

Was ist die wichtigste Aufgabe beim Thema Zuwanderung?
Wir müssen den Menschen, die zu uns gekommen sind, die Chance geben, sich zu integrieren. Dazu braucht es deutlich mehr Kraftanstrengungen, um allen Menschen Zugang zum Spracherwerb, zu Bildung und einer Berufsausbildung zu geben. Wir müssen bei der Integration anpacken, statt weiter wichtige Entscheidungen auszusitzen. Deutschland braucht endlich ein modernes Einwanderungsgesetz, welches Menschen ermöglicht, in Deutschland eine Perspektive zu finden. Ebenso braucht es ein eigenständiges Einwanderungs- und Integrationsministerium, um zukünftig eine Integrationspolitik aus einem Guss zu gestalten.

Klar ist aber auch, Integration ist keine Einbahnstraße. Die Menschen, die zu uns kommen, müssen sich an unser Grundgesetz halten und sich in unsere freiheitliche Gesellschaft einbringen. Das Entstehen von Parallelgesellschaften darf nicht toleriert werden.

Mit welcher Partei können Sie sich eine Koalition vorstellen?
Mit einer Partei, mit der wir am besten unsere Inhalte durchsetzen können. Uns Grünen geht es nicht ums Regieren um der Macht willen. Wir wollen etwas in diesem Land verändern und voranbringen. Eine Koalition wird es nur geben, wenn wir wichtige Inhalte, wie zum Beispiel einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle, eine nachhaltige Landwirtschaft und eine wirkliche Verkehrswende durchsetzen können. Dabei gilt immer: Je stärker die Grünen im nächsten Deutschen Bundestag und einer Bundesregierung sind, umso mehr Gewicht haben wir auch, um diese Ziele umzusetzen.

Vervollständigen Sie bitte den Satz: 2019 sollte es in Sachsen ...

... mal eine Regierung jenseits der CDU Dauerberieselung geben. Und zwar mit Bündnis 90/Grüne.

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2017, 22:17 Uhr

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