KZ-Gedenkstätte Buchenwald Erste Funde bei wissenschaftlichen Grabungen nach vermuteten Hohlräumen

In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar haben am Dienstag wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich des ehemaligen Steinbruchs begonnen. Unter Leitung des Thüringer Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege wird nach Hohlräumen gesucht, die von Häftlingen des NS-Konzentrationslagers Buchenwald Anfang 1945 mutmaßlich dort gegraben werden mussten. Die Untersuchungen werden vom MDR begleitet, der in den kommenden Monaten in mehreren Beiträgen im MDR FERNSEHEN, im Radio und Online darüber berichten wird.

Erste kleine Funde am ersten Grabungstag

Bei den ersten Untersuchungen konnten die Fachleute bereits erste kleine Funde vermelden. Dabei handelt es sich unter anderem um Patronenhülsen, verschiedenste Metallteile, Knöpfe und Stempel sowie ein paar Ziegelsteine.

Wissenschaftliche Untersuchungen Erste Funde bei Grabungen in KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Auf dem Areal des Steinbruchs in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald sind bei Grabungen am Dienstag erste kleine Funde gemacht worden. Wissenschaftler sind dort eigentlich auf der Suche nach künstlich angelegte Hohlräumen.

Auf einer weißen Plane liegen mehrere runde Plastikteile
Auf dem Areal des Steinbruchs in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald sind bei Grabungen am Dienstag erste kleine Funde gemacht worden. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen sind die Fachleute eigentlich auf der Suche nach künstlich angelegten Hohlräumen. Bildrechte: MDR/Holger John
Auf einer weißen Plane liegen mehrere runde Plastikteile
Auf dem Areal des Steinbruchs in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald sind bei Grabungen am Dienstag erste kleine Funde gemacht worden. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen sind die Fachleute eigentlich auf der Suche nach künstlich angelegten Hohlräumen. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger steht vor einem Abhang, daneben stehen zahlreiche Menschen
Das Interesse an den Grabungen ist groß: Vor Beginn wurde deshalb am Dienstag genau erklärt, an welchen Stellen wie gegraben wird. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Mann mit einer Kettensäge fällt an einem Hand einen Baum
Bevor es losgehen konnte, mussten allerdings noch ein paar Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger setzt seine Schaufel an einem Hang zum Graben an
Dann kam schweres Gerät zum Einsatz: Ein Bagger hat die Erdschichten vorsichtig abgetragen. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Mann in Arbeitskleidung hat einen Metalldetektor in der Hand und bückt sich Richtung Boden
Anschließend kam der Metalldetektor zum Einsatz: Liegen hier irgendwo Überreste aus der Nazizeit? Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Mann in Arbeitskleidung steht gebückt und hält ein Metallstück in den Händen, neben ihm steht ein Mann mit einer Kamera auf der Schulter
Tatsächlich! Es dauerte nicht lange, bis die ersten kleinen Funde auftauchten. So wie zum Beispiel dieses Metallteil. Und das MDR THÜRINGEN-Team war hautnah dabei. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Haufen rostiger Metallteile, diverse Plastikteile und Flaschen, die im Steinbruch Buchenwald gefunden wurden
Das ist doch schonmal was: Die Fachleute konnten unter anderem Patronenhülsen, diverse Metallteile und Knöpfe aus der Erde sieben. Bildrechte: MDR/Holger John
Zwei Männer in Arbeitskleidung und Helm stehen gebückt und betrachten ein Metallteil, daneben steht ein Mann mit einer Kamera auf der Schulter
Was das wohl ist? Bei manchen Metallteilen müssen die Experten ganz genau hinschauen. Bildrechte: MDR/Holger John
Eine Frau trägt ein verwittertes, rostiges Metallteil
Dr. Karin Sczech trägt eines der Fundstücke vorsichtig aus dem Arbeitsbereich des Baggers. Bildrechte: MDR/Holger John
Eine Hand hält ein Plastikteil mit alter deutscher Aufschrift eingeprägt
Und auch Plastik hat all die Jahre überlebt: So wie dieses geprägte Teil aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger steht vor einem Abhang, daneben einige Leute. Im Vordergrund ist ein großer Abraumhaufen auf einer weißen Plane.
Die abgebaggerte Erde wird nicht einfach wie auf einer Baustelle weggebracht: Auch im Abraum auf den weißen Planen könnte sich noch etwas verstecken. Bildrechte: MDR/Holger John
Zwei Männer in Arbeitskleidung hocken vor einer abgegrabenen Erdwand und holen etwas aus dem Boden
Ist da noch was? Die Fachleute arbeiten sich vorsichtig von Erdschicht zu Erdschicht. Bildrechte: MDR/Holger John
Zwei Männer in Arbeitskleidung stehen vor einer abgegrabenen Erdwand und beraten sich
Am Dienstag haben sie schon eine ordentliche Menge Erde abgebaggert. Die Experten beraten intensiv darüber, was die Erde ihnen verrät und wie sie weiter vorgehen wollen. Bildrechte: MDR/Holger John
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 01. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Bereits am Montag sind im Steinbruch die Arbeiten vorbereitet worden. Es wurde eine Baustelle eingerichtet. Am Dienstag wurde dann damit begonnen, mit einem Bagger an zwei Stellen im Steinbruch nach Hohlräumen zu suchen. Diese zwei Stellen sind durch wissenschaftliche Messungen im vergangenen Jahr lokalisiert worden.

Suche nach Hohlräumen an zwei Stellen

Der Bagger für die Grabungsarbeiten im Buchenwald-Steinbruch
Mit einem Bagger wird vorsichtig gegraben. Bildrechte: MDR / Conny Mauroner

Die Untersuchungen sollen weiteren Aufschluss darüber geben, ob es neben den beiden bereits bekannten und geöffneten Stollen weitere im Steinbruch gibt. Diese Stollen waren im Frühjahr 1945 von der US-Armee entdeckt worden. Hinweise auf weitere Stollen finden sich in verschiedenen Dokumenten, darunter Luftaufnahmen der US-Luftwaffe aus dem Zweiten Weltkrieg sowie Skizzen, die vermutlich von Zeitzeugen angefertigt wurden.

In den beiden damals geöffneten Stollen hatten US-Soldaten Raubgut der SS entdeckt und geborgen. Die neuen Untersuchungen sollen klären, ob in weiteren Hohlräumen ebenfalls solches Raubgut versteckt worden ist. Zumindest für das Vorhandensein weiterer Hohlräume gibt es auch nach Einschätzung des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege Indizien.

Grabungen gut bewacht

Die am Dienstag beginnenden Untersuchungen sind vom wissenschaftlichen Kuratorium der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora genehmigt worden. Auch die Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden haben die Untersuchungen genehmigt. Sicherheitsvorkehrungen sollen dafür sorgen, dass die wissenschaftlichen Arbeiten geordnet vonstatten gehen können. So ist die Baustelle durch Zäune und Sicherheitspersonal gesichert, das Betreten ist nur befugten Personen gestattet.

Endgültige Klarheit nach Spekulationen zu NS-Raubgut

Den nun beginnenden Untersuchungen waren jahrelange Recherchen des kürzlich verstorbenen MDR-Journalisten Peter-Hugo Scholz vorausgegangen. Er hatte zahlreiche Dokumente und Zeitzeugen-Aussagen gesichtet und mit Historikern gesprochen. Demnach hatte die SS im Frühjahr 1945 im Steinbruch am KZ Buchenwald unterirdische Depots anlegen lassen und dort Raubgut versteckt - unter anderem aus dem Anfang 1945 aufgelösten Vernichtungslager Auschwitz. Die Eingänge zu den angelegten Depots waren von der SS dann offenbar durch Sprengungen verschlossen worden.

Nach den Worten des stellvertretenden Direktors der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Philipp Neumann-Thein, sollen die Untersuchungen auch dazu beitragen, endgültige Klarheit zur Frage der vermuteten Hohlräume zu bringen und Spekulationen darüber endgültig zu beenden. Für die Untersuchungen sind mehrere Wochen eingeplant.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr/kie

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 05:00 Uhr

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