Nordhausen Wolf tötet Schafe - Petition gegen Abschuss wird überreicht

In Thüringen gibt es einen neuen bestätigten Wolfsriss. Mehrere Schafe starben dabei auf einem Hof im Kreis Nordhausen. Unterdessen soll am Freitag eine Unterschriftenliste im Landtag überreicht werden. Mit der Petition sprechen sich 10.000 Menschen gegen den Abschuss der Wölfin von Ohrdruf aus.

Ein Wolf steht in einem Wald.
Der Wolf ist in Thüringen angekommen. (Symbolfoto) Bildrechte: Heiko Anders

Auf einem Hof im Landkreis Nordhausen sind vier Schafe von einem Wolf getötet worden. Das bestätigte das Thüringer Umweltministerium MDR THÜRINGEN. Laut eines Sprechers konnte durch einen Rissabstrich anhand eines Gentests bestimmt werden, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat. Der Halter der Schafe kann damit einen finanziellen Ausgleich beim Land beantragen.

Die sogenannte Individualbestimmung steht noch aus. Damit soll geklärt werden, ob es sich um einen bereits bekannten Wolf oder um ein anderes Tier handelt. Die Schafe waren bereits Mitte Mai von dem Wolf angegriffen worden. Die Auswertung des Gentests hatte mehrere Wochen gedauert.

Petition: 10.000 Unterschriften gegen Abschuss der Wölfin

Am Freitag soll eine Unterschriftenliste dem Petitionsausschuss des Landtags in Erfurt übergeben werden. Mehr als 10.450 Unterzeichner sprechen sich in der Petition gegen den Abschuss der Ohrdrufer Wölfin aus, wie der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen mitteilte. Die Naturschützer betonen, dass noch nicht alle Alternativen zu einem Abschuss ausgeschöpft worden seien. Andere Zäune oder auch Herdenschutzhunde könnten demnach eingesetzt werden.

Tauziehen um Wolfsabschuss in Thüringen

Wölfe sind streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmen geschossen werden. Das Umweltministerium sieht für die Wölfin einen solchen Fall aber als gegeben, da sie nachweislich wiederholte Male Schutzzäune überwunden und viele Schafe gerissen hat. Deshalb holte das Ministerium bei der obersten Naturschutzbehörde des Landes eine Genehmigung für den Abschuss ein. Bislang darf die Wölfin dennoch nicht offiziell ins Fadenkreuz genommen werden: Zum einen ist der Abschuss inzwischen auch ein Fall für die Justiz - zum anderen darf die Wölfin derzeit ohnehin nicht gejagt werden, da Schonzeit für sie gilt. Sie hat wohl jüngst Nachwuchs bekommen.

Die Wölfin galt lange als einzige Vertreterin ihrer Art mit festem Revier in Thüringen. Inzwischen hat sich nach Experteneinschätzung aber offenbar ein Wolfsrüde zu ihr gesellt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 05. Juni 2020 | 07:30 Uhr

10 Kommentare

martin vor 20 Wochen

@leander: Natürlich funktioniert das Zusammenleben mit Wölfen auch in Kulturlandschaften. Etliche europäische Länder zeigen, dass das funktioniert. Mit vernünftigem Herdenschutz lernt ein Wolf sehr fix, dass Wildtiere die geeignetere Beute sind. Aber wenn man den Jägern den Abschuss-Streichelzoo nehmen will, dann finden sie auch ganz schnell, dass der böse Freßfeind beseitigt werden muss.

martin vor 20 Wochen

@jan: Ihrer Vermutung würde ich nicht widersprechen. In Sachen Geld ist es aber so, dass die meisten Berufsschäfer kaum über die Runden kommen. Es dürfte nicht allzu viele Zeitgenossen geben, die für den Stundensatz arbeiten ....

Eine sinnvolle Lösung wäre es, wenn die Schäfer die Landschaftspflege vernünftig vergütet bekämen. Aber nach den Lufthansa-Milliarden ist dafür wohl weiterhin kein Geld da ....

Leander vor 20 Wochen

Maßnahmen nicht ausgeschöpft? Soll noch der Wolfsflüsterer für 2000 Euro die Stunde kommen? Oder eine Hexe, die dem Wolf die Fressgier wegzaubert? Klar ist doch, dass die Rolle des Wolfes in der Naur - Förderung der natürlichen Auslese - in einer Kulturlandschaft nicht funktioniert. Haustiere sind nun mal leichtere Opfer als Wildtiere. Da haben die Nabu-Sammler eine Menge Emotionen geschürt. Wenn der Wolf aber mal ein Kind anfällt, könnte es den gleichen 10.000 Leuten mit dem Abschuss nicht schnell genug gehen.

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