Verteidigungspolitik Suhler Waffenhersteller Haenel liefert neues Sturmgewehr der Bundeswehr

Es geht um 250 Millionen Euro und 120.000 neue Gewehre: Die Thüringer Waffenschmiede C.G. Haenel in Suhl hat einen Großauftrag der Bundeswehr an Land gezogen. Noch ist unklar, ob die Stadt Suhl von dem Auftrag profitieren kann.

Zwei halbautomatische Gewehre des Modells CR308 des Suhler Waffenherstellers C. G. Haenel, ausgestellt auf der Messe Enforcetac 2019 in Nürnberg.
Zwei halbautomatische Gewehre des Modells CR308 des Suhler Waffenherstellers C. G. Haenel. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Der Thüringer Waffenhersteller Haenel steht vor einem Millionenauftrag des Bundes. Die Suhler sind aus dem Bieterverfahren für das neue Sturmgewehr der Bundeswehr als Sieger hervorgegangen. Das bestätigte das Verteidigungsministerium am Dienstagvormittag. Mitbewerber wie der langjähriger Waffenlieferant der Bundeswehr, Heckler & Koch, können demnach aber noch Einspruch erheben. Noch in diesem Jahr soll der Bundestag entscheiden, wie das Ministerium weiter mitteilte. Der Auftrag über 120.000 Sturmgewehre hat einen Umfang von knapp 250 Millionen Euro. Der Waffenhersteller C.G. Haenel lehnte eine Stellungnahme am Dienstag ab.

Nach dem dazu im Jahr 2017 begonnen Bieterverfahren informierten die Spitzen des Verteidigungsministeriums am Montag Fachpolitiker aus den Reihen der großen Koalition über das Ergebnis von Tests und Prüfserien, die unter Führung des Beschaffungsamtes (BAAINBw) liefen. Haenel habe demnach eine Waffe vorgelegt, die sich in umfangreichen Tests als etwas besser auf die Anforderungen des Militärs zugeschnitten und auch als wirtschaftlich vorteilhaft erwiesen hat. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur dpa darüber berichtet.

Noch unklar, ob und wie Suhl von Auftrag profitiert

Haenel setzte sich damit gegen den langjährigen Lieferanten Heckler & Koch durch. Dieser hatte bereits das derzeit in der Bundeswehr verwendete Sturmgewehr G36 geliefert. Das Suhler Unternehmen hatte der Bundeswehr vor einigen Jahren Scharfschützengewehre für die Spezialkräfte von Heer und Marine geliefert.

Der Suhler Oberbürgermeister André Knapp (CDU) freute sich über den Millionenauftrag für Haenel. Ob und inwieweit die Stadt wirtschaftlich davon profitiert, sei allerdings noch unklar, sagte Knapp MDR THÜRINGEN am Dienstagmorgen.

Probleme bei der Treffgenauigkeit

Das Sturmgewehr G36 war vor einigen Jahren in die Kritik geraten, weil es nach Dauerfeuer beziehungsweise im Einsatz bei großer Hitze wie in Afghanistan angeblich Probleme mit der Treffgenauigkeit aufwies. Heckler & Koch hatte diese Vorwürfe aber stets zurückgewiesen.

Die Ausschreibung für das Nachfolgemodell wurde im April 2017 gestartet. Haenel und Heckler & Koch waren zuletzt die einzigen Bewerber um den Auftrag. Andere Anbieter hatten sich schon vor längerer Zeit aus dem Verfahren zurückgezogen. Der Suhler Hersteller C.G. Haenel gehört zur Merkel-Unternehmensgruppe, die vor allem Jagd- und Sportwaffen produziert. Vor kurzem hatte Haenel vom sächsischen Innenministerium den Zuschlag für die Ausrüstung der dortigen Landespolizei mit 2.300 Sturmgewehren des Typs CR223 erhalten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar/dr, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. September 2020 | 12:00 Uhr

38 Kommentare

Querdenker vor 4 Wochen

Das G36 ist Geschichte und hätte auch bessere Eigenschaften haben können (z.B. etwas dickerer Gewehrlauf). Eine andere Frage ist, wer daran schuld ist. Die Bundesregierung bzw. die Bundeswehr bekam das, was sie bestellt hat.

In meinem Beitrag ging es primär darum, dass hinter der Firma Haenel ein arabischer Staatskonzern steht. Also einem Konzern aus einem Land, indem fragwürdige Verhältnisse herrschen (moderat ausgedrückt).

Jan vor 4 Wochen

@Feidl
Ich sehe es grundsätzlich anders als sie.
Vielleicht bin ich zu blauäugig. Aber als ich damals bei der Armee war, habe ich mich gefragt, wozu ist eine Waffe gut. Für mich ist sie sinnlos.

Feidl vor 4 Wochen

Erstmal: Jäger braucht man sehr wohl.
Und dann: Wenn man nur zuschauen will, wie Völkermord, Terrorcamps, IS-Staaten,... auf der Welt entstehen, und auch wirtschaftlich davon abhängig sein möchte, ob bewaffnete fremde Mächte die eigenen Handelswege beherrscheren, ja, dann braucht man keine Bundeswehr und deren Bewaffnung. Dann krümmelt man sich zu hause in die Decke und macht die Augen zu und tut so, als sei man allein auf der Welt.
Glauben Sie tatsächlich, auch nur ein einziger Konflikt wäre gelöst, wenn Deutschland diese Waffen nicht hätte oder generell keine Waffen exportieren würde?

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