Fragen und Antworten zum Buchenwald-Projekt


Was wurde gemacht?

Im Steinbruch des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Buchenwald wurde an zwei errechneten Ansatzpunkten gegraben. Ziel war, die Frage zu beantworten, ob es dort in das Gestein getriebene Bunker oder Stollen gibt, und zwar solche, wie sie die SS gegen Ende des Zweiten Weltkrieges dort von Häftlingen graben ließ.

Für die Nachforschungen wurde mit einem Bagger ein sogenannter Schurf durchgeführt. Dabei grub sich die Schaufel vorsichtig Stück für Stück in den Berg, bis sie zu einem errechneten Punkt gelangt, an dem sich möglicherweise Eingänge zu Bunkern befinden.

Solche Untersuchungen wurden an insgesamt vier Tagen - vom 1. bis 4. Oktober 2019 - vorgenommen. Dabei wurden nacheinander drei Stollen gefunden und untersucht.


Warum wurde die Grabung jetzt durchgeführt?

Grundlage der Grabung war eine Skizze, die wahrscheinlich erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges angefertigt wurde. Sie lag  über Jahre unentdeckt in den National Archives in Washington, erreichte aber Deutschland schon Anfang der 1990er-Jahre.

Ziel der Grabung war es, weitere Erkenntnisse über bauliche Anlagen des NS-Konzentrationslagers Buchenwald zu gewinnen und damit das Wissen um die Geschichte dieses Ortes weiter zu vervollständigen.

Dokumente der US-Streitkräfte sowie Berichte von Zeitzeugen belegen, dass die U.S. Army nach der Befreiung des Konzentrationslagers im Frühjahr 1945 zwei Stollen im Steinbruch öffnete und darin gelagerte Gegenstände barg und abtransportierte. Die vorliegenden Dokumente - wie die genannte Skizze - ließen vermuten, dass es neben den bekannten Stollen weitere im Steinbruch gibt.


Wer hat die Grabung genehmigt?

Der MDR hat in zweijährigen Recherchen Indizien zusammengeführt, die im Herbst 2018 dem wissenschaftlichen Kuratorium der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zur Bewertung vorgelegt wurden, verbunden mit dem Anliegen, die mögliche Existenz weiterer Stollen zu klären. Das international besetzte fünfzehnköpfige Kuratorium unter Leitung des Historikers Prof. Dr. Norbert Frei hat das Projekt genehmigt. Der Stiftungsrat ist in Kenntnis gesetzt.

Natur- und Denkmalschutzämter haben das Vorhaben auch genehmigt.


Ist der Steinbruch Buchenwald ein Friedhof?

Der Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald war ein Ort größten menschlichen Leids und brutalster Grausamkeiten. Häftlinge mussten hier täglich Steine brechen und abtransportieren. Viele starben hier durch Misshandlungen und Auszehrung. Im Steinbruch vollzog die SS auch Hinrichtungen von Häftlingen. Trotzdem gilt der Steinbruch selbst nicht als Friedhof, da die Toten hier nicht begraben oder liegen gelassen wurden.

Für den Fall, dass bei der Untersuchung des Areals dennoch menschliche Gebeine gefunden worden wären, waren Vorkehrungen getroffen. In Kooperation mit Vertretern von Kirchen und Religionsgemeinschaften würde sichergestellt, dass die Totenruhe respektiert wird.


Wer gräbt in Buchenwald?

Die Verantwortung für die Grabung lag beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Hier liefen die Fäden für alle Teilschritte der Grabung zusammen. Das Amt hat umfangreiche Erfahrung bei derartigen Projekten, stellt seine Expertise zur Verfügung, achtet auf die notwendigen Formalien und  sorgfältige Dokumentation des Unternehmens. Das Landesamt hat eine erfahrene Grabungsfirma mit dem Projekt betraut.


Wird über das Projekt berichtet?

Der MDR begleitet die Arbeiten durch seine aktuelle Berichterstattung auf allen seinen Ausspielwegen - Online, im Hörfunk und im Fernsehen. Außerdem entsteht eine 52-minütige Arte-Dokumentation über das gesamte Projekt, seine Hintergründe und die Recherchewege. Für den MDR werden außerdem ein 45-minütiger und ein 30-minütiger Film produziert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. September 2019 | 19:00 Uhr