Rohstoff der Zukunft? Hochschule Anhalt eröffnet neues Zentrum zur Algen-Forschung

Algen werden mittlerweile als echtes Superfood gehandelt: Sie enthalten Vitamine und die wertvollen Omega-3-Fettsäuren und sind vor allem bei Vegetariern und Veganern beliebt. Sie können aber noch deutlich mehr: Zum Beispiel CO2 binden und dem Klimawandel entgegenwirken. Und evtl. liefern sie Wirkstoffe gegen Demenz, Krebs und sogar Sars-CoV-2. Das soll künftig in Sachsen-Anhalt noch intensiver erforscht werden. An der Hochschule Anhalt wurde dafür ein neues Forschungszentrum eröffnet.

Algengewächshaus
Mit solchen Algenreaktoren arbeiten die Forscher der Hochschule Anhalt schon seit mehreren Jahren. Bildrechte: Hochschule Anhalt

Wenn man der Algenforscherin Carola Griehl von der Hochschule Anhalt zuhört, könnte man meinen: Algen sind die Lösung, echte Multitalente, die helfen werden, globale Probleme wie Klimawandel und Überbevölkerung anzugehen. Sie binden zum Beispiel Kohlenstoffdioxid, sind nachwachsend, können uns ernähren, ohne dafür Ackerland zu brauchen, sie machen uns gesund und sogar jung.

Im Rahmen einer Probandenstudie konnten wir zeigen, dass unsere Algencreme Feuchtigkeit spendet, Falten reduziert und gut hautverträglich ist.

Prof. Dr. Carola Griehl, Kompetenzzentrum Algenbiotechnologie

Neben Anti-Aging-Creme und blauem Algenbier geht es am neuen Zentrum für Naturstofftherapeutika in Köthen vor allem um Medizin. Grüne Algen zum Beispiel enthalten Carotinoide. Das sind Farbstoffe, die unter anderem der Karotte ihre typische orangene Farbe geben.

Prof. Griehl
Bildrechte: Hochschule Anhalt

Carotinoide sind aber auch Antioxidantien und damit wichtig für unsere Gesundheit. Sie hemmen nämlich aggressive Sauerstoffmoleküle, die mit der Entstehung verschiedener Krankheiten in Verbindung stehen, wie Krebs, Arteriosklerose oder Alzheimer.

Prof. Dr. Carola Griehl

Gegen Alzheimer-Demenz etwa haben die Wissenschaftler in Köthen bereits vielversprechende Wirkstoffe gefunden. Unterstützung hatten sie vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Halle.

Diese Zusammenarbeit soll jetzt durch das neue Zentrum ausgebaut werden. Schließlich ist das Potential der Alge noch lange nicht ausgeschöpft. Noch ein Beispiel gefällig? Dauerbrennerthema: Neuartiges Coronavirus! Algen haben nämlich eine ganz besonders effektive Virenabwehr, sogenannte Lektine, erklärt Protein-Experte Stephan Schilling vom Fraunhofer-Institut.

Prof. Schilling
Bildrechte: Hochschule Anhalt

Genau da wollen wir ansetzen. Wir wissen, dass Algen solche Lektine produzieren. Unser Ziel ist jetzt, weitere Lektine zu isolieren, um dann vielleicht andere Viruserkrankungen aber eben auch Sars-CoV-2 zu behandeln. Behandlungsschema wäre hier ein Nasenspray beispielsweise.

Prof. Dr. Stephan Schilling, Arbeitsgruppenleiter Protein- und Wirkstoffbiochemie

Den Algen scheinen keine Grenzen gesetzt. Schließlich ist das Wort „Alge“ einfach ein Sammelbegriff für unglaublich viele Organismen, die oft nur wenig miteinander zu tun haben. In jeder einzelnen aber könnten Wirkstoffe schlummern, die wir gut gebrauchen können. Noch ist die Forschung dazu sehr jung. Die Herstellungsverfahren sind teuer. Bisher sind überhaupt nur wenige Algen als Medikament oder zum Verzehr zugelassen. Das soll sich ändern, finden die Forscherinnen und Forscher aus Sachsen-Anhalt. Sie wollen dazu ihren Teil beitragen.

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Einblicke an Deck 4 min
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Bürgerforschungsschiff in Halle Das schwimmende Labor

Das schwimmende Labor

Wie geht es der Saale? Wie schmecken Algen? Kann man die Algen aus der Saale zu Smoothies verquirlen oder zu Stoff verarbeiten? Alles Fragen, die auf einem Bürgerforschungsschiff in Halle geklärt werden.

MDR AKTUELL Fr 26.06.2020 13:13Uhr 04:14 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/forschung-buerger-schwimmendes-labor-halle100.html

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Algen-Kraftstoff aus Köthen 6 min
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Die Algen, die an der Hochschule Köthen in diesen Glasrohren wachsen, können vielleicht einmal unseren Energie-Hunger stillen und Plastik aus Erdöl ersetzen.

Di 13.12.2016 19:07Uhr 05:43 min

https://www.mdr.de/wissen/algenreaktor-koethen100.html

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