Raumsonde BepiColombo von ESA und JAXA Verrücktes Flugmanöver in der Corona-Krise: Merkur-Sonde swingt um die Erde

Das Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt läuft auf Hochtouren. Trotz der Corona-Krise und der derzeitigen Notbesetzung im Kontrollzentrum der europäischen Raumfahrtbehörde ESA, wird an der Merkur-Mission festgehalten. Ein schwieriges und letztes Unterfangen, bevor die japanisch-europäische Raumsonde BepiColombo der Erde Lebewohl sagt.

Künstlerische Darstellung der Merkur-Raumsonde BepiColombo vor dem Gesteinsplaneten Merkur.
Künstlerische Darstellung der Merkur-Raumsonde BepiColombo vor dem Gesteinsplaneten Merkur. Bildrechte: ESA/ATG medialab; Mercury: NASA/JPL

Erst letzte Woche wurde der erste bestätigte Corona-Fall im ESA-Kontrollzentrum für Satellitenüberwachung bekannt. Bereits Mitte März wurden alle entbehrlichen Kräfte ins Homeoffice entsandt. Nun befindet sich nur noch die Notbesetzung vor Ort in Darmstadt. Viele wissenschaftliche Beobachtungen wurden heruntergefahren.

Doch das Prestige-Projekt der Raumsonde BepiColombo befindet sich bereits seit Oktober 2018 im Weltall. Die Mission wird zusammen von der ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA durchgeführt. Ihr Reiseziel ist der Merkur, der innerste und sonnennächste Planet in unserem Sonnensystem.

Eine verrückte Reise

Das Verrückte an der Reise zum Merkur ist, dass die Sonde für ihren Weg zunächst um die Sonne geschickt werden muss. Dann kommt sie wieder zurück zur Erde und holt hier erneut Schwung – eines von neun sogenannten Swing-by- Manövern, bei denen man die Anziehungskraft der Himmelskörper nutzt, um BepiColombo mit möglichst wenig Treibstoff zum Ziel zu bringen. Zurzeit befindet sich die Sonde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne, mit einem annähernden Abstand, der auch zwischen Erde und Sonne herrscht. Am 10. April, gegen 6.25 Uhr (MESZ) in der Früh, wird die Sonde sich der Erde auf 12.700 Kilometer nähern und ihr erstes Vorbeischwungmanöver vollziehen.

Das ist das letzte Mal, dass wir BepiColombo von der Erde aus sehen werden.

Joe Zender, stellvertretender ESA-Projektwissenschaftler für BepiColombo ESA

Das japanisch-europäische Projekt wird ein letztes Mal von der Erde aus zu sehen sein. Anschließend heißt es "Tschüss Erde" und "Kon’nichiwa suisei" (japanisch für „Hallo Merkur“). Doch während ihres letzten Besuches wird sie unseren blauen Planeten und den Mond fotografieren, erörtert Joe Zender, stellvertretender ESA-Projektwissenschaftler für BepiColomb: "Wir werden sehen, wie sich die Erde nähert und größer wird. Wenn sie am nächsten ist, werden wir einige Bilder aufnehmen." Anschließend werden eine ganze Reihe von Aufnahmen über mehrere Stunden hinweg gemacht, "um das Erde-Mond-System zu betrachten, während es immer kleiner und kleiner wird, bis wir es ganz aus dem Blickwinkel verlieren."

Erde und Mond Anfang März 2020 von der Selfie-Kamera der Merkur-Raumsonde BepiColombo aufgenommen.
Erde und Mond Anfang März 2020 von der Selfie-Kamera der Merkur-Raumsonde BepiColombo aufgenommen. Bildrechte: ESA/BepiColombo/MTM, CC BY-SA 3.0 IGO

Die verrückte Reise geht weiter

Ihr nächster Vorbeiflug soll am 15. Oktober dieses Jahres erfolgen und der dritte am 11. August 2021. Bei beiden Flyby-Manövern befindet sich BepiColombo bei unserer inneren Nachbarin, der Venus. Die nächsten sechs Manöver wird die Raumsonde bei ihrem Zielobjekt, dem Merkur vollbringen, bis sie schließlich ihre eigentliche Mission am 5. Dezember 2025 in der Umlaufbahn des Merkur starten kann: die Untersuchung des sonnennächsten Planet, der am wenigsten untersuchte Gesteinsplanet unseres Sonnensystems.

Warum trotz Notbesetzung die Merkur-Mission auf Hochtouren läuft, erklärt die BepiColombo Spacecraft Operations Elsa Montagnon: "Der Vorbeiflug an der Erde ist eine Phase, in der wir täglichen Kontakt mit der Raumsonde brauchen. Dies ist etwas, das wir nicht aufschieben können. BepiColombo wird so oder so an der Erde vorbeifliegen." Außerdem können die Messinstrumente ein letztes Mal getestet werden.

0 Kommentare