Astrochemie Bausteine des Lebens auch im kalten Weltraum

Alles Leben besteht aus organischer Chemie. Wie sind solche komplexen Moleküle entstanden? Bislang dachten Forscher, dass dafür die Hitze von Sternen notwendig ist. Jetzt präsentieren Astronomen aber neue Daten.

Die Bausteine des Lebens kommen im Weltraum offenbar häufiger vor, als bislang angenommen. Astronomen haben mit dem Radioteleskop der University of Arizona eine Sternentstehungsregion näher auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Die kalten Wolken aus Gas und Staub enthielten demnach Methanol und Acetaldehyd, zwei komplexe organische Stoffe, die zu den Bausteinen des Lebens gehören, wie wir es auf der Erde kennen. Die jetzt im Astropysical Journal veröffentlichten Erkenntnisse widersprechen bisherigen Theorien, wonach für die Entstehung solcher Moleküle Protosterne notwendig sind, sich Gas und Staub also bereits erheblich verdichtet haben und Kernfusionsprozesse in Gang gekommen sein müssen.

Organische Moleküle in allen Regionen vorhanden

Die Astronomen hatten das Teleskop auf die Taurus Molekülwolke gerichtet, eine rund 440 Lichtjahre von der Erde entfernte Sternentstehungsregion. Dort beobachteten die Forscher etwa 31 Sternlose Kerne, also Gebiete, in denen Gas und Staub zwar dicht zusammengeflossen sind, aber sich noch keine Sterne herausgebildet haben. Jeder dieser Sternlosen Kerne erstreckt sich über die Länge von etwa 1.000 aneinander gereihten Sonnensystemen.

Diese Wolken seien immer noch ein paar hunderttausend Jahre entfernt von der Sternentstehung. In allen 31 dieser Regionen gab es Methanol, in 71 Prozent der Gebiete war auch Acetaldehyd vorhanden. Die Bildung komplexer organischer Moleküle habe also offenbar deutlich früher begonnen, als bislang vermutet, schreiben die Forscher. Bisher wurde angenommen, dass es die Hitze von Sternen dafür braucht. Wie die Moleküle stattdessen entstanden sein können, ist noch unklar.

Genauer Entstehungsmechanismus noch unklar

"Die genauen Vorgänge, um die es hier geht, werden noch immer diskutiert, weil die theoretischen Modelle nicht ganz mit dem übereinstimmen, was wir sehen", sagt Erstautorin Samantha Scibelli, die das Thema für ihre Doktorarbeit erforscht. "Mit unserem Papier können wir jetzt diese Mechanismen etwas besser eingrenzen, indem wir den Theoretikern sagen, wie häufig diese Moleküle vorhanden sind".

(ens)

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