Riesenstern im Orion Sternenstaub statt Supernova – Rätsel um Riesenstern Beteigeuze scheint gelöst

Erst wurde über eine bevorstehende Supernova spekuliert. Dann galten Sonnenflecken als Erklärung, warum Beteigeuze immer dunkler wurde. Aber letztlich war es wohl eine vom Riesenstern selbst produzierte Staubwolke.

Künstlerische Darstellung: Beteigeuze vor einer Wolke aus Sternenstaub 1 min
Bildrechte: ESO (Europäische Südsternwarte) / L. Calçada

Mi 16.06.2021 13:58Uhr 01:02 min

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Die Astronomie-Welt war in Aufruhr Anfang 2020. Man hoffte auf ein unglaubliches Schauspiel: Eine Supernova, und wochenlang würde Beteigeuze so hell wie der Mond leuchten, ja sogar am Tag wäre die Explosion des Riesensterns am Himmel zu sehen.

Ausgelöst wurden diese Spekulationen vom offensichtlichen Dunkler-Werden des Schultersterns des Orion, das man um den Jahreswechsel 2019/2020 sogar mit bloßem Auge feststellen konnte. Das hätte ein Zeichen sein können, dass dem roten Überriesen die Kraft ausgeht, was dann zum Spektakel Supernova geführt hätte.

Teleskop-Aufnahmen des unterschiedlich hellen Beteigeuze zu vier verschiedenen Zeitpunkten
Die Bilder zeigen, wie Beteigeuze sich immer weiter verdunkelte, bevor der Stern im März 2020 wieder hell strahlte. Bildrechte: ESO (Europäische Südsternwarte) / M. Montargès et al.

Aber spätestens im Frühjahr 2020 war klar: Beteigeuze leuchtet wieder so hell wie früher, die Supernova ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Erklärung der Verdunkelung glaubte man dann an Flecken, wie man sie von unserer Sonne kennt.

Aber jetzt ist sich ein Team von europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sicher, mit Hilfe von Teleskopen der Europäischen Südsternwarte (ESO) den wahren Grund gefunden zu haben. Und da spielen Flecken auf Beteigeuze nur bedingt eine Rolle.

Aus Gas werde Staub

Beteigeuze, dessen Durchmesser fast 1.000 Mal größer als der unserer Sonne ist (weshalb das Volumen unserer Sonne etwa eine Milliarde Mal in den Riesenstern passen würde), pulsiert ständig und stößt dabei Gaswolken aus. Dieses Gas ist allerdings durchsichtig, es kann also erst einmal nicht für die Verdunkelung verantwortlich sein.
Die Betonung liegt auf "erst einmal". Denn jetzt kommen die dunklen Flecken ins Spiel, die es auf Beteigeuzes Oberfläche gibt. In deren Nähe ist es extrem viel kälter. So kalt, dass es zu einer heftigen Änderung des Aggregatzustandes der dortigen Wolken kommt: von gasförmig zu fest.

Aus der Gaswolke ist damit eine Staubwolke geworden, und durch die kann man eben nicht so gut hindurchsehen.

Künstlerische Darstellung: Beteigeuze vor einer Wolke aus Sternenstaub
Bildrechte: ESO (Europäische Südsternwarte) / L. Calçada

Wir haben die Bildung von sogenanntem Sternenstaub direkt beobachtet.

Miguel Montargès, Leiter der Studie

Supernova aufgeschoben, aber nicht aufgehoben

Eines ist sicher: Irgendwann wird Beteigeuze in einer Supernova aufgehen, so wie das jeder massereiche Stern am Ende seiner Lebenszeit tut.

Es gibt aber nur wenige bis keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie sich so ein Spektakel mit Blick von der Erde anbahnt. Das letzte derartige Ereignis fand 1604 statt ("Keplers Supernova"). Man weiß also nicht so recht, wie sich ein Stern im Vorfeld verhält.

Nur dass Beteigeuze sich Anfang 2020 nicht wie so ein Stern vor einer Supernova verhalten hat, das weiß man jetzt.

Link zur Studie

Die Untersuchung “A dusty veil shading Betelgeuse during its Great Dimming" ist am 16. Juni 2021 in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

rr

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