Gemeine Bettwanze
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Parasiten Bettwanzen auf dem Vormarsch? Warum sich die Insekten bei uns wohlfühlen

13. November 2023, 16:57 Uhr

Bettwanen-Experte Klaus Reinhardt von der TU Dresden hält nichts von der Panikmache die, rund um den Anstieg der Bettwanzenbefälle in Frankreich gemacht wird. Hierzulande gibt es kein Anzeichen für eine wachsende Plage. Gut geht es den blutsaugenden Insekten bei uns dennoch.

Zugegeben, für einen Jahresrückblick ist es noch etwas früh, aber ein medienwirksames Comeback wollen wir trotzdem in den Fokus richten: das der Bettwanze.

In Artikeln, Social Media Posts und Nachrichtensendungen wurde über sie berichtet, denn sie scheinen Paris im Sturm zu erobern. Ob Hotel, Hostel oder Metrositz - die parasitären Insekten tummeln sich dort immer häufiger. So häufig, dass sie zum Politikum geworden sind. Im Oktober berief die französische Regierung sogar eine Krisensitzung wegen der kleinen Blutsauger ein.

Die Bettwanze - Staatsfeind Nr. 1?

Staatsfeind Nummer eins ist sie trotz der Krisensitzung nicht, aber lästig ist die Bettwanze auf jeden Fall. Denn sie sticht, saugt Blut, kann sich hervorragend verstecken und ist bei den richtigen Voraussetzungen, also zum Beispiel bei einem geeigneten Wirt sehr effektiv, was die Fortpflanzung angeht. Ein Weibchen allein kann rund 150 Nachkommen hervorbringen. Klingt ziemlich eklig und irgendwie alarmierend. Müssen wir jetzt also in Bettwanzen-Panik verfallen? Wie steht's um die Krabbeltiere in Deutschland?

"Bisher gibt es keinen Grund zur Panik", sagt Klaus Reinhardt von der TU Dresden. Er ist Entomologe und erforscht seit Langem das faszinierende Verhalten der Bettwanze. Er hat einen Anstieg von Bettwanzenbefall hierzulande bislang nicht wahrgenommen. Valide Zahlen gibt es aber leider nicht, denn die Bettwanze ist kein Gesundheitsschädling und somit ist ein Befall auch nicht meldepflichtig.

Globetrotter Bettwanze?

Seit der Jahrtausendwende steigen die Bettwanzenbefälle weltweit an. Dafür könnte es viele Faktoren geben. Etwa unser verändertes Heizverhalten: Wohnungen sind heute ganzjährig warm und somit verlängert sich auch die Fortpflanzungszeit der Wanze. Aber auch unsere zunehmende Reisefreudigkeit sorgt dafür, dass wir den ein oder anderen blinden Passagier aus dem Urlaub mitbringen. Die Tierchen gibt es nämlich so gut wie überall auf der Welt. Wer allerdings denkt, dass er sich Bettwanzen nur aus dem Ausland einschleppen kann, täuscht sich.

"Das ist ja lachhaft, die Bettwanze ist bei uns heimisch. Das vergessen die meisten. Hier gibt es einige Populationen, die sich auf kleinem Wege ausbreiten können", erklärt Reinhardt.

Profiteur des Klimawandels?

Der Klimawandel, also vor allem das Ansteigen der Temperaturen in den Städten, könnte laut Reinhardt auch ein Grund sein, warum sich die Bettwanze ausbreitet. Dementsprechend würde er sich tatsächlich wünschen, dass der Bettwanzenbefall auch bundesweit irgendwie erfasst wird, damit es valide Zahlen gibt, um Zusammenhänge zu erforschen.

Was Reinhardt mit Sicherheit weiß, ist, dass die Wohlfühltemperatur von Bettwanzen unter 30 Grand Celsius liegt. Alles, was darüber liegt, macht das Insekt unzufrieden. Das hängt mit den Endosymbionten der Bettwanze zusammen. Das sind Bakterien, mit deren Hilfe die Wanzen das Blut der Wirte verdauen können. Diese Endosymbionten kommen mit hohen Temperaturen über einen längeren Zeitraum aber überhaupt nicht klar. Das Ende vom Lied: Die Bettwanze wird steril und kann sich nicht mehr fortpflanzen.

Allerdings ist es bei uns noch nicht lange genug am Stück über 30 Grad Celsius heiß. Die Bettwanze ist laut Reinhardt also im Moment noch ein Gewinner des Klimawandels. Panik ist aber dennoch nicht angebracht. Schließlich ist das einzig Lästige an der Bettwanze der Stich und ihre Hartnäckigkeit.

Bettwanzen sind keine Gesundheitsschädlinge

In Bettwanzen hat man schon allerhand Krankheiten gefunden, beispielsweise Hepatitis B oder HIV, und diese Erreger können auch über einen relativ langen Zeitraum von mehreren Wochen in der Bettwanze erhalten bleiben. Übertragen werden die Krankheiten allerdings nicht.

"Das ist eine wissenschaftlich höchst interessante Frage. Warum können die Bettwanzen die Krankheiten nicht übertragen? Wie machen sie das? Die Antwort ist schlichtweg: Wir wissen es noch nicht." Ausgeschlossen ist es natürlich nie, sagt Reinhardt, aber es gibt keine belegten Fälle, in denen das vorgekommen ist.

Gäbe es das Risiko, würde Reinhardt vermutlich auch nicht regelmäßig als Wanzenfutter herhalten. "Ich habe bisher schon circa eine Million Wanzen mit meinem Blut gefüttert. Und ja, ich reagiere auf den Stich, aber die Hautreaktion ist auch schnell wieder weg." Natürlich gibt es vereinzelt starke allergische Reaktionen bei Menschen, doch die Regel ist das nicht.

Ruhe bewahren - bisher keine Invasion

Falls sich tatsächlich bestätigen sollte, dass die blutsaugenden Bettwanzen in großer Zahl auf dem Vormarsch sind, dann müsse man sicherlich überlegen, wie man reagiert. Man müsste prüfen, wo der Befall am größten ist und dann gezielt vorgehen. Man kann Bettwanzen dort, wo sie auftreten, punktuell bekämpfen, kann befallene Wohnungen oder Hotelzimmer durch Schädlingsbekämpfungsfirmen von ihnen befreien, ausrotten werden wir sie aber nicht. Wo Menschen sind, da sind auch Bettwanzen. Sogar in der griechischen Antike war schon von ihnen die Rede.

Jennifer Schollbach

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