Covid-19 Anreize oder Pflicht: Was tun gegen Impfmüdigkeit?

Überall, wo Impfkampagnen weit vorangeschritten sind, beobachten Experten, dass die Impf-Bereitschaft nachlässt. Doch die nötige Herdenimmunität ist noch längst nicht erreicht. Was also tun?

Eine Frau wird geimpft.
Eine junge Frau in Moskau wird geimpft (Symbolbild): Die Impfbereitschaft lässt seit Beginn des Sommers nach. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Die Bundesregierung wirbt mit Günther Jauch, Frankreich mit einem sich küssenden Paar und der Aussicht auf "erwünschte Nebenwirkungen" des Geimpftseins. Weil sich in beiden Ländern immer weniger Menschen zur Impfung gegen Sars-CoV-2 anmelden, diskutieren Behörden und Experten, wie sich die Bereitschaft zur Impfung steigern lässt.

Je höher die Impfquote desto geringer die Impfbereitschaft

Europa erlebt nun, was zuvor auch schon in Israel und den USA beobachtet wurde. Mit einem steigenden Anteil an Geimpften in der Bevölkerung geht die Zahl neuer Infektionen zurück, sterben immer weniger Menschen an dem Virus. Zugleich nimmt bei den noch nicht Geimpften aber die Bereitschaft ab, sich auch impfen zu lassen.

Mehrere US-Bundesstaaten haben reagiert mit der Einführung einer Lotterie, bei der doppelt Geimpfte Preise von bis zu einer Million Dollar gewinnen können. Vorreiter ist dabei der Bundesstaat Ohio, bei dem seit 12. Mai unter Geimpften Preise verlost werden. Ein Team von der Boston University School of Medicine hat nun die Impfraten vor und nach Einführung der Lotterie verglichen, um zu prüfen, wie erfolgreich das Konzept ist. Die in Jama veröffentlichte Studie von Walkey, Law und Bosch kommt allerdings zu einem ernüchternden Fazit: Ein Effekt der Lotterie ist nicht feststellbar. Lediglich die Ausweitung der Impfzulassung auf die 12- bis 15-Jährigen hat die Impfquote etwas erhöht.

Impflotterie hatte keinen Effekt

Die Autoren werteten Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC aus und errechneten die Zahl der täglichen Impfungen pro 100.000 Einwohner für die Zeit vor und nach der Impflotterie beziehungsweise für den Lotterie-Staat Ohio und Gebiete ohne Preise für Geimpfte. Insgesamt beobachteten die Forscher einen Rückgang der täglichen Impfungen in Ohio von 485 Mitte April auf 101 pro 100.000 Einwohner Anfang Juni. In anderen Gebieten nahm die Zahl täglicher Impfungen von 700 auf 97 ab.

Eine Verlangsamung des Rückgangs durch Einführung der Lotterie sei nicht nachweisbar, schreiben die Autoren. Es hätten sich aber mehr Erwachsene impfen lassen, als der Impfstoff auch für Jugendliche zugelassen worden sei. Möglicherweise sei also eine Ausweitung der Zulassung verbunden mit einer höheren Impfbereitschaft, mutmaßen die Forscher. Hier seien allerdings mehr Daten nötig.

Impfpflicht versus Impfvorteile

Die Diskussion über Impfanreize wird also weitergehen. Eine Impfpflicht sehen Behörden und Experten nach wie vor kritisch. Vorteile für Geimpfte, etwa ein Wegfall aller Einschränkungen, seien aber durchaus denkbar.

(ens)

70 Kommentare

astrodon vor 1 Wochen

@MDR: Das miit dem "sinnvoll" scheint die sächsische Landesregierung ja nun endlich zum Glück etwas anders zu sehen. Hoffentlich folgen andere schnellstens.

MDR-Team vor 1 Wochen

@Ernst678,
wir gendern, weil wir eine diskriminierungsfreie Sprache unterstützenswert finden und alle Menschen ansprechen wollen, statt jemanden auszuschließen.
Über aktuelle Themen zu informieren, hat nichts mit Werbung zu tun, sondern schafft die Basis, auf der jede*r für sich die bestmögliche Entscheidung treffen kann.
Warum die Impfstoff-Entwicklung in der aktuellen Corona-Pandemie so schnell möglich war, finden Sie im verlinkten Quarks-Artikel ebenfalls erklärt. Das an dieser Stelle zu erörtern, führt am Thema vorbei.

Ernst678 vor 1 Wochen

Ich habe den Duden konsultiert, das Wort Kolleg*innen gibt es nicht. Warum beteiligt sich jetzt auch der MDR an der Zerstörung der deutschen Sprache? Und was Quarks betrifft, liest sich eher wie eine Werbeschrift und wirft immer wieder die Frage auf warum das nur bei Corona eingesetzt wird obwohl es Krankheiten gibt die schon lange ein vielfaches an Opfern fordern.