Covid-19 So wirkt die Corona-Therapie mit Monoklonalen Antikörpern

Deutschland kauft zwei Antikörper-Medikamente gegen Corona, die in den USA bereits im Einsatz sind. Schwer Erkrankten werden sie wohl nicht helfen – aber manchen Risikopatienten vor dem Schlimmsten bewahren.

Illustration von Antikörperreaktion auf Corona-Infektion
Antikörper blockieren die Andockproteine von Viren (Illustration) Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Update 27.01.: Antiköprer schützen nachweislich vor Infektion und Virusverbreitung

Die Hersteller Eli Lilly und Regeneron haben in eigenen Studien nachgewiesen, dass ihre Präparate mit monoklonalen Antikörpern damit behandelte Personen einige Zeit vor einer Infektion schützen können. Bei Eli Lilly wurden fast 1.000 Personen, die entweder Bewohner oder Angestellte von Pflegeheimen waren, entweder präventiv mit "Bamlavimab" behandelt oder sie erhielten ein Placebo. In der behandelten Gruppe war das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, danach um 80 Prozent reduziert. Regeneron wiederum testete seine Antikörperkombination an 186 Personen, die mit einem Infizierten im gleichen Haushalt lebten. Laut Mitteilung bekam keine der behandelten Personen eine symptomatische Covid-19, nur wenige erlebten eine asymptomatische Infektion und diese Versuchsteilnehmer gaben anschließend deutlich weniger Virus ab als Vergleichspersonen aus der Kontrollgruppe.

Deutsche Bundesregiung kauft Antikörper

Die Bundesregierung hat den Kauf der Antikörperpräparate von Eli Lilly ("Bamlavimab") und Regeneron ("Casirivimab" und "Imdevimab") beschlossen. Bei beiden handelt es sich um Medikamente, die sogenannte Monoklonale Antikörper (MAB) enthalten. Das sind künstlich hergestellte Antikörper, wie sie eigentlich auch vom menschlichen Immunsystem hergestellt werden, die an das Spike-Protein des Sara-Coronavirus-2 binden und so den Schlüssel blockieren sollen, mit dem es in die menschlichen Zellen eindringt.

Im vergangenen Jahr richteten sich große Hoffnungen auf diese Präparate, dass sie Menschen vor dem Virus schützen und Infizierte heilen könnten. Das hat sich in den klinischen Studien nicht ganz bestätigt, einen Nutzen gibt es aber schon.

MABs sind effektiv kurz nach der Infektion

Laut dem Gesundheitsministerium werden insgesamt 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro angeschafft. Sie haben in Europa zwar noch keine allgemeine Zulassung, laut dem in Deutschland für die Arzneimittelsicherheit zuständigen Paul-Ehrlich-Institut sei aber eine Anwendung im Einzelfall nach Risiko- und Nutzenabwägung möglich. Die Präparate sollen zunächst in Universitätskliniken eingesetzt werden.

Ex-US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Herbst gegen seine Corona-Erkrankung eine Dosis der MAB-Kombination von Regeneron erhalten. Sie könnte ihm dabei geholfen haben, einen schweren Verlauf der Erkrankung abzuwenden. Bei den klinischen Tests hatte sich gezeigt: Wird die Kombination aus den beiden Antikörpern Patienten zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion gespritzt, sinkt ihr Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. MABs sind dann offenbar effektiv, die Viruslast in den Erkrankten zu reduzieren, bevor ihr Immunsystem eigene Antikörper bilden kann. Sie können außerdem bei gesunden Menschen für einen vorübergehenden Immunschutz sorgen, wenn sie vorsorglich gespritzt werden. Dann neutralisieren sie potenziell angreifende Coronaviren, bis sie aus dem Körper ausgeschieden werden.

Baustein bei Überwindung der Pandemie

Allerdings zeigen die bisher veröffentlichten Testergebnisse auch: Haben bei einem Patienten bereits Immunantwort und auch Entzündungsreaktion eingesetzt, können die Antikörper nicht mehr viel ausrichten. Zudem sind die Medikamente mit etwa 2.000 Euro pro Dosis sehr teuer. Dennoch können sie laut Einschätzungen von Forschern ein Baustein beim Überwinden der Corona-Pandemie sein.

(ens/dpa)

Quellen

Pressemittelung von Regeneron
Studie zum MAB von Eli Lilly im New England Journal of Medicine

2 Kommentare

MDR-Team vor 34 Wochen

Hallo @Jan-Lausitz,
schwer Erkrankten werden sie wohl nicht helfen – aber manchen Risikopatienten vor dem Schlimmsten bewahren. Die Kosten werden sicherlich nicht durch die Patient*innen selber getragen. Liebe Grüße

Jan-Lausitz vor 34 Wochen

Wenn ich mich recht erinnere, wurde doch das oben titulierte "Trumps Wundermittel" vor einigen Monaten von deutschen "Experten" so richtig runter gemacht und als völlig falsch und unpassend eingestuft?
Hat sich diese Erkenntnis geändert? Was gab den Ausschlag?

Laut obigen Zahlen kostet damit eine Dose von dem Wundermittel 2.000 Euro. Übernimmt hier die Krankenkasse die Kosten und wer soll das Mittel in welchem Falle erhalten?