Infektion mit Sars-CoV-2 Covid-19-Studien: Einfluss der Blutgruppe auf den Verlauf der Krankheit

Die einen kämpfen nach einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus mit schwerem Atemversagen, die anderen nicht. Warum ist das so? Ein gemeinsamer Forschungsansatz aus Kiel und Oslo lässt vermuten, dass es mit der Blutgruppe zu tun haben könnte, ob man schwer an Covid-19 erkrankt oder nicht. Es ist die dritte Vorab-Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und Covid-19 herstellt.

Laborantin hält Blutprobe
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Update 19.06.2020

Kieler Studie zu Blutgruppen erschienen

Die Studie über den Einfluss der Blutgruppen auf den Verlauf von Covid-19 ist jetzt im "New England Journal of Medicine" offiziell erschienen. Die Aussagen aus dem zuvor veröffentlichten sogenannten Preprint sind damit begutachtet und bestätigt worden.

Möglicherweise beeinflusst die Blutgruppe das Risiko, ob man nach einer Infektion mit Sars-Cov2 schweres Atemversagen entwickelt oder nicht. Diese Vermutung legen gemeinsame Forschungen der Uni Kiel und der Uniklinik Oslo nahe, die jetzt in einem Preprint veröffentlicht wurden. Basis der noch nicht offiziell begutachteten Studie waren Daten von mehr als 1.600 Menschen mit schwerem Covid-Verlauf aus italienischen bzw. spanischen Corona-"Hotspots" wie Mailand und Monza sowie Madrid, San Sebastian und Barcelona.

Für die Studie wurden bestimmte Stellen in der DNA untersucht, an denen häufig Genvariationen vorkommen. Diese Stellen wurden dann mit denen von Nicht-Erkrankten verglichen. So kamen die Forschungsteams darauf, dass Menschen mit Blutgruppe A offenbar ein deutlich höheres Risiko für einen Krankheitsverlauf mit Atemversagen haben, als die mit den übrigen Bluttypen. Und das zeigte sich auch in der Realität. Covid-19-Patienten mit Blutgruppe A mussten häufiger beatmet werden. Das niedrigste Risiko tragen demnach möglicherweise Menschen mit Blutgruppe 0.

Bei der neuen Untersuchung handelt es sich noch um eine Vorveröffentlichung. Der Mediziner und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bewertete  die Arbeit jedoch als "robust". Das Blutgrupppenergebnis könnte bei der Entwicklung von Medikamenten helfen.

Blutgruppe: Studie zu Erkrankungsrisiko

Die Kiel-Oslo-Studie war nicht die erste, die sich im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie die Blutgruppen näher angeschaut hatte. Im März 2020 zum Beispiel wurde in China eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Risiko an Covid-19 zu erkranken und den verschiedenen Blutgruppen beschäftigte. Dafür waren die Blutgruppen von 2.137 Menschen mit Covid-19 in den chinesischen Städten Wuhan und Shenzen verglichen worden und zwar mit denen von knapp 3.700 gesunden Menschen aus diesen Regionen. Hier zeigte sich: Mehr Menschen mit Blutgruppe A infizierten sich mit dem neuartigen Corona-Virus - nämlich 41 Prozent. Und nur 25 Prozent der Menschen mit Blutgruppe 0. Von den 206 Menschen aus dieser Untersuchungsgruppe, die an Corona gestorben waren, hatten ebenfalls 41 Prozent Blutgruppe A. Allerdings hatten die Forschenden in China auch keine Erklärung für diesen Unterschied.

Eine Studie aus New York vom April 2020 untersuchte - ausgehend von den Daten der chinesischen Untersuchung - ebenfalls den Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Covid-19. Auch hier fanden die Forscher bei den Infizierten mehr Blutgruppe A als Blutgruppe 0 im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, allerdings nur bei den Rh-positiven Blutgruppen.

(lfW)