Covid-19 Genesenenstatus: Booster drei Monate nach Corona-Infektion nicht für alle sinnvoll

Das RKI begrenzt den Genesenenstatus auf drei Monate, um Druck für schnelles Boostern zu machen. Eine Booster-Impfung schon nach drei Monaten nützt aber nicht bei Genesenen und wohl auch nicht bei der Pandemie-Bekämpfung.

Hinweis auf die 2G-Regel an einer Ladentür
Der Genesenenstatus nach einer Corona-Infektion gilt seit dem 15. Januar 2022 nur noch für 3 Monate. Ohne nachfolgenden Booster kein 2 G Status. Bildrechte: imago images/Michael Gstettenbauer

Die Entscheidung des Robert Koch-Instituts, im Angesicht der Omikron-Variante den Genesenen-Status auf drei Monate zu begrenzen, ruft in der Wissenschaft einiges Stirnrunzeln hervor. Viele Forscherinnen und Forscher fragen sich, wie sinnvoll es ist, damit den Druck auf eine Booster Impfung schon drei Monate nach einer Infektion zu erhöhen.

Booster Impfung drei Monate nach Corona-Infektion begrenzt sinnvoll

Das RKI hatte am 15. Januar überraschend mitgeteilt, den Genesenenstatus von sechs auf drei Monate zu verkürzen. Wer eine Corona-Infektion durchgemacht und überstanden hat, muss sich deshalb nach drei Monaten mit einer Impfdosis boostern lassen, um weiterhin Geschäfte betreten oder an Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen, für die die 2G-Regel gilt. Daten hätten gezeigt, dass eine Infektion mit der Deltavariante nur kurze Zeit vor einer Infektion mit Omikron schütze, so Deutschlands Seuchenschutzbehörde in der Begründung zu der Entscheidung.

Forschende haben unterschiedliche Kritik an dem Schritt. So bezweifelte die Frankfurter Virologin Sandra Cieseck, dass alle Genesenen gleichermaßen von einer schnellen Booster Impfung nach der Infektion profitierten. Könne dieser Schritt für über 60-Jährige sinnvoll sein, hätten Jugendliche dagegen nach drei Monaten oft noch sehr hohe Antikörperwerte. Hier sei es medizinisch ratsamer, auf einen an Omikron angepassten Impfstoff zu warten, sagte sie der dpa.

Immunschutz lässt bei Genesung und Impfung gleichermaßen nach

Andere Kommentatoren weisen auf die wohl eher politisch motivierte Ungleichbehandlung von Geimpften und Genesenen hin. Daten der britischen UK Health Security Agency zeigen, dass auch eine Booster Impfung nur relativ kurze Zeit von etwa 10 Wochen (also 70 Tage) vor einem Impfdurchbruch mit Omikron schützt. Auch wenn die Infektion dann in der Regel mild verläuft und oftmals nicht über einen gewöhnlichen Schnupfen hinausgeht, sind Infizierte dann auch für andere ansteckend. Die Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen bietet sogar noch weniger Schutz gegen eine solche Durchbruchsinfektion.

Wenn aber Geimpfte ebenso wenig vor einer Ansteckung mit Omikron sicher sind wie Genesene, wäre aus medizinischer Sicht mindestens eine Gleichbehandlung angezeigt. Dann aber stellt sich die Frage, wie viel gewonnen ist, wenn die Booster Impfung nach drei Monaten gegeben wird, deren Schutz vor symptomatischer Infektion aber wiederum nur etwa drei weitere Monate anhält?

Auch Superimmunität nicht gänzlich sicher vor Omikron

Auch vor dem Auftauchen von Omikron war die Datenlage uneindeutig. Einige Studien sahen bei Genesenen einen deutlich besseren und länger anhaltenden Schutz vor eine Infektion als bei Geimpften. Andere Studien kamen zum umgekehrten Schluss. Einigkeit bestand aber darin, dass eine Kombination aus einer Infektion und einer Impfung zur bestmöglichen Immunität gegen das Virus führt. Insofern ist die Empfehlung einer Booster Impfung für Genesene aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich richtig.

Doch auch bei geimpften Genesenen lässt sich ohne einen angepassten Impfstoff nicht vollständig verhindern, dass die Omikron-Variante den Antikörpern ausweicht und zumindest kurzzeitig eine erneute Ansteckung hervorruft. Eine vierte oder sogar fünfte Impfdosis im Abstand alle drei weiteren Monate gelten aber allerhöchstens für Hochrisikogruppen wie Empfänger von das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten oder Hochbetagte als Option.

Statt der Viertimpfung: Corona-Impfstoffe weltweit besser verteilen

Ansonsten sind sich Forscher einig: Alle anderen sollten besser auf einen (für April angekündigten) an Omikron angepassten Impfstoff warten, zumal die weltweite Ungleichverteilung der Impfstoffe schon jetzt ein gewaltiges Problem ist, das die Pandemie zeitlich eher weiter verlängert. Ein Horten der Impfstoffe für weitere Booster-Kampagnen ist wirkungslos, wenn anderswo neue Escape-Varianten entstehen, weil Bevölkerungen aufgrund von Impfstoffmangel nicht immunisiert werden können.

(ens)

16 Kommentare

ich sage mal so vor 42 Wochen

"gelernter" ex.DDR'ler

damals wurde weder hinterfragt noch rumgezickt, da gab es Spritze rein die half und gut wars
ja war Unrechtstaat und Diktatur, medizinisch notwendiges und kinderfreundlich aber auch

Ignatz Wrobel vor 42 Wochen

Reha in Stassfurt nach orthop. OP steckte sich geimpfte Kollegin beim ungeimpftem Therapeuten mit Corona an und durfte weitere Wochen statt nach hause, in Quarantäne bleiben. Von Klinikleitung gab es weder Schmerzensgeld noch Entschädigung. Sollten Ungeimpfte auf privat wegen Schadensersatz verklagt werden, oder übernimmt Klage die KV die verlängerten Reha-Aufenthalt finanzieren durfte.

Reuter4774 vor 42 Wochen

Das eigentliche Thema ist, daß das RKI garnicht die Befugnis hat gültige Gesetze/ Verordnungen zu beschließen! Das eine Regierung sich da kommentarlos überfahren lässt, in der Hoffnung dann merkts keiner? Und offenbar gibt es ja auch in ( nicht veterinärmedizinischen ) relevanten Fachbereichen begründete Zweifel. Olaf Scholz hat klug erkannt daß Herr Lauterbach nicht in die Regierung gehört, er hätte bei seiner ( unpopulären) Meinung bleiben müssen. Aber " das Volk" hat ja den Talkshow- Dauergast gefordert, und jetzt meckern?