Restart-19 in Leipzig Experiment der Uni Halle: Großveranstaltungen trotz Corona-Pandemie?

Forscher des Uniklinikums Halle wollen mit einem große Experiment in Leipzig herausfinden, unter welchen Bedingungen Sport- und Kulturveranstaltungen mit tausenden Besuchern trotz Corona wieder stattfinden können.

Tim Bendzko, 2018
Lange vor Corona: Konzert von Tim Bendzko im Jahr 2018 Bildrechte: imago images / Markus van Offern

Können tausende Menschen live ein Konzert in einer Großraumhalle verfolgen, ohne sich mit Corona anzustecken? Unter welchen Bedingungen können große Events wieder stattfinden und trotzdem die Hygieneregeln zum Schutz vor der Pandemie eingehalten werden? Diese Fragen will das Universitätsklinikum Halle mit dem Forschungsprojekt "Restart-19" beantworten.

Konzert von Tim Bendzko mit 4.000 Besuchern in Leipzig

Ein Team um den Infektologen Stefan Moritz will dazu am 22. August ein Großexperiment mit 4.000 Freiwilligen in der Quarterback Immobilien Arena in Leipzig durchführen. Die Besucher bekommen ein Konzert von Tim Bendzko, müssen dabei aber strenge Hygieneregeln beachten. Unter anderem sollen sie während der ganzen Veranstaltung FFP2-Atemschutzmasken tragen.

Ein Mann hält ein Tablet und einen Tracer - Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle/S.
Dr. Stefan Moritz leitet das Projekt, bei dem alle Beteiligten mit solchen Trackern (kleines graues Gerät) ausgerüstet werden. Bildrechte: Universitätsmedizin Halle/S.

Dabei wollen die Forscher Daten erheben, um die Ansteckungsrisiken zu berechnen und daraus Empfehlungen abzuleiten, wie die Gefahren bei großen Veranstaltungen minimiert werden können. Unter anderem wollen sie herausfinden, mit wie vielen anderen Menschen die Konzertbesucher bei der Anreise in Kontakt kommen. "Die größte Herausforderung - glaube ich - wird die Datenauswertung", sagte Projektleiter Stefan Moritz. "Denn wir werden über einen ganzen Tag hinweg alle fünf Sekunden die Kontakte zu allen anderen Probanden im Umkreis von 30 Metern messen." Restart-19 sei die erste derartige Studie in Deutschland, sagten Forscher und Projektbeteiligte bei einer Pressekonferenz am 17. Juli. Vier bis sechs Wochen nach dem Experiment sollen erste Ergebnisse vorliegen.

1,5 Meter Abstand auf den Zuschauerbänken

Bei dem Experiment werden drei Szenarien durchgespielt. Zunächst sollen die Besucher wie vor Corona ohne Abstandsregeln durch zwei Eingänge in die Halle strömen. Dann soll ein Szenario mit strengem Hygienekonzept, mehreren Ein- und Ausgängen sowie größeren Abständen geprobt werden. Und im dritten Szenario soll auch auf den Zuschauerbänken ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden.

Menschen in einem Hörsaal.
Vorstellung des Projekts am 17. Juli im Hörsaal des Uniklinikums Halle. Bildrechte: Universitätsmedizin Halle/S.

"Das Projekt soll die Weichen stellen für einen Neustart der Veranstaltungswirtschaft in ganz Deutschland. Gerade diese Branche ist bekanntlich besonders stark von den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus betroffen", sagte Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willigmann (SPD). Sein Bundesland und der Freistaat Sachsen finanzieren die rund eine Millionen Euro teure Studie. Partner sind zudem der SC DHfK Leipzig und die ZSL Betreibergesellschaft der Großraumsporthalle.

Freiwillige gesucht

Für das Experiment werden 4.000 junge und gesunde Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebraucht. Infos und Anmeldung auf der Webseite des Projekts.

(ens/dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Juli 2020 | 17:00 Uhr

1 Kommentar

Edward S. vor 18 Wochen

Dann sollten die Künstler playback "singen", wie z. B. im ZDF-Fernsehgarten. Die Künstler sollten dann aber ihre CD's nicht vergessen
und immer schön üben vor dem Spiegel. Eine echte Alternative: denn
so mancher Star kann nur im Studio singen.