Sars-CoV-2 Forschung in Halle Restart 2.0: Neue Experimente sollen Theater auch in Corona-Zeiten möglich machen

Wie können Ansteckungen mit Viren durch die Luft bei Veranstaltungen verhindert werden? Das wollen mitteldeutsche Wissenschaftler beim Projekt "Restart 2.0" mit Messungen ganz praktisch erforschen.

Schwarze Stühle in einem Theatersaal, darauf mehrere Dummypuppen für das Experiment Restart 2.0 bei dem die Ausbreitung virushaltiger Luftpartikel (Aerosole) simuliert werden soll.
Versuchsaufbau von Restart 2.0 im Puppentheater in Halle. Bildrechte: MDR/Annegret Faber

Das Puppentheater in Halle hat nur für die Forschung geöffnet. Zwei Tage werden hier Messungen gemacht. In einer kurzen Pause erklärt Studienleiter Stefan Moritz von der Universitätsklinik Halle das Projekt: "Wir machen heute unseren ersten Versuch von Restart-2.0. Eines der Hauptergebnisse von Restart-19 war ja, dass die Lüftung eine entschiedene Rolle spielt, ob Veranstaltungen sicher durchgeführt werden können, oder nicht."

Verschiedene Sitzordnungen werden ausgemessen

Restart-19 war ein großes Forschungsprojekt im Herbst 2020, bei dem in der Arena in Leipzig Bedingungen getestet werden sollten, unter denen Veranstaltungen so sicher gemacht werden können, dass sich Menschen dabei nicht gegenseitig mit Sars-CoV-2 anstecken können. Offen blieb dabei aber, was eine gute Lüftung ist und welche Faktoren im Raum wichtig sind. Das soll jetzt mit neuen Messungen nachgeholt werden.

"Wir messen etwa zehn verschiedene Szenarien durch", sagt Moritz. Dazu werden die Sitze im Raum immer wieder anders angeordnet, um verschiedene Bedingungen zu bekommen. "Zusätzlich zu diesen Messungen führen wir aber auch noch Computer-Simulationen durch, so dass wir mehrere Ergebnisse kriegen."

Spezielle Messgeräte machen Aerosolfluss messbar

Im Gegensatz zu Restart-19 sind bei Restart 2.0 keine Menschen im Publikum. Stattdessen sitzen da Dummies, präparierte Puppen. Sie atmen Aerosole ein, die vorne, in der zweiten Reihe aus einem Gerät strömen. Alles unter klar definierten Studienbedingungen, damit die Ergebnisse auch nutzbar sind. Die Forscher arbeiten dafür mit der Charité in Berlin zusammen. Dort wurde das spezielle Messgerät entwickelt.

Ùmit Hasirci, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Charité, erklärt: "Wir wollen genau bestimmen, bei welchen Szenarien welche Aerosolmenge an verschiedenen Positionen ankommt und wie die Effizienz von Lüftungen und Filtern ist und so weiter."

Nach dem Puppentheater in Halle nehmen die Forscher und Forscherinnen noch neun weitere Veranstaltungsorte unter die Lupe. Fünf in Berlin, einer in Leipzig, vier in Halle. "Zum Schluss schauen wir, wie können wir ein einheitliches Bewertungssystem für die Zukunft entwickeln", sagt Moritz.

Puppentheater will bald wieder vor Publikum spielen

Um zu wissen, welche Lüftungsanlagen in welchen Räumen installiert werden müssen, oder ob die vorhanden ausreichend sind. Uta van den Broek, die Geschäftsführerin der Theater Halle möchte, dass mit Hilfe der Studie bald wieder Vorstellungen möglich sind wie vor Corona. "Wir brauchen unser Publikum so sehr und Theater ist ein ganz großes Versprechen. Das kann es nur einlösen in analoger Form und wir brauchen unsere Resonanzräume, wir müssen Emotionen weitergeben dürfen, das muss bald weitergehen!"

Die Studienergebnisse sollen bis Jahresende vorliegen.

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