Covid-19 mRNA-Impfung wirkt bei Krebspatienten schwächer

Krebspatienten, die mit einer Chemotherapie behandelt werden, haben ein hohes Risiko auf schwere Covid-Verläufe. Neue Daten zeigen: Sie können mit einer mRNA-Impfung geschützt werden, aber sie haben weniger Antikörper.

Eine fertige Injektionsspritze mit dem Wirkstoffkonzentrat von Johnson & Johnson wird von Medizin-Student Kai Hefele aufgezogen.
Vorbreitung einer Corona-Impfung (Symbolbild): Sollten von Covid stark gefährdete Krebspatienten ebenfalls geimpft werden und wie viel Impfstoff müssen sie bekommen? Das erforchen Mediziner in neuen Studien. Bildrechte: IMAGO / MiS

Wirkt eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer auch bei Menschen, die aufgrund ihrer Krebserkrankung ein geschwächtes Immunsystem haben? Das ist eine der relevanten Fragen bei der laufenden Impfkampagne, denn an Krebs erkrankte Menschen haben im Fall einer Corona-Infektion ein deutlich höheres Risiko auf schwere bis tödliche Verläufe. Eine neue klinische Studie aus Israel zeigt: Krebspatienten entwickeln Antikörper gegen Sars-CoV-2 nach zwei Dosen mit dem Comirnaty Vakzin, wenngleich auch weniger als gesunde Vergleichspatienten.

Krebspatienten entwickeln Antikörper durch Impfung – aber weniger

Im Fachmagazin Jama Oncology berichten Amos Stemer und Kollegen vom Davidoff Center in Petah Tikva, Israel, von den Ergebnissen einer im Februar und März durchgeführten klinischen Studie. Dabei erhielten 102 Krebspatienten im Alter von 56 bis 72 Jahren (57 Prozent Männer, am häufigsten waren Tumoren in Magen und Darm) und 78 gesunde Vergleichspatienten zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs BNT162b ("Comirnaty"). Die Ärzte analysieren IgG-Antikörper im Blutserum frühestens zwölf Tage nach der zweiten Impfdosis.

Bei der Analyse zeigte sich: 92 von 102 Krebspatienten (90 Prozent) hatten nach der Impfung Antikörper entwickelt. Bei der gesunden Kontrollgruppe waren es 100 Prozent der Teilnehmer. Allerdings war der Grad wirksamer Antikörper im Blut ("Titer") der Krebspatienten signifikant niedriger, als bei denen der Kontrollpatienten. Das Auftreten niedrigerer IgG-Titer war laut den Forschern statistisch verbunden mit der Durchführung einer Chemoimmunotherapie.

Dritte Dosis könnte nötig sein

Die Studie liefert wichtige Daten zur offenen Frage, wie die Impfungen bei Menschen wirken, die aufgrund von anderen Krankheiten oder Therapien eine abgeschwächte Immunantwort haben. Das ist bei Krebspatienten der Fall. Die klinischen Studien von Biontech/Pfizer hatten zwar zu einem kleinen Teil auch Patienten mit Krebs untersucht, allerdings solche Patienten ausgeschlossen, die immunsupprimierende Medikamente nahmen, also etwa eine Chemotherapie bekamen.

Offen sei noch, ob die geimpften Patienten mit niedrigeren Antikörperwerten vor dem Virus geschützt seien, schreiben die Forscher in der Studie. Weitere Versuche könnten klären, ob ihnen möglicherweise eine dritte Impfdosis helfen würde.

(ens)

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