Covid-19 Wie die Kinderimpfung den Verlauf der Pandemie beeinflussen könnte

In den USA steht die Kinder-Impfung mit dem Covid-Impfstoff von Biontech/Pfizer kurz vor der Zulassung. Wie könnte eine Immunisierung der Fünf- bis Elfjährigen den Verlauf der Pandemie beeinflussen?

Ein Junge erhält eine Impfung
Bildrechte: imago images/UIG

In Deutschland wie in den USA stocken die Impfkampagnen. Wer jetzt nicht geimpft ist, will sich in der Regel auch nicht mehr impfen lassen, abgesehen von Kindern unter zwölf Jahren. Sie können sich bislang nicht impfen lassen, weil es noch keine zugelassene Covid-Impfung für sie gibt – bis jetzt. In den USA hat die zuständige Zulassungsbehörde FDA bereits ihr Go dafür erteilt, den Impfstoff von Biontech/Pfizer auch an Fünf- bis Elfjährige auszugeben. Jetzt fehlt nur noch das grüne Licht von der zweiten Behörde CDC und die Impfkampagne für die Kinder kann beginnen. Wie sie den Verlauf der Pandemie beeinflussen könnte, dazu stellen nun Epidemiologen Einschätzungen an, über die das Magazin "nature" berichtet.

Ein Drittel aller Covid-Infektionen bei Kindern seit Juli 2021

Zunächst: Die Fünf- bis Elfjährigen sind aktuell die größte verbliebene Gruppe derer, die sich noch nicht impfen lassen können. Trotzdem gehen fast alle von ihnen seit dem Sommer wieder in die Schulen, in denen mitunter viele Vorsichtsmaßnahmen teilweise zurückgenommen wurden. Das Ergebnis ist dies- wie jenseits des Atlantiks das Gleiche: Parallel zur Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante sind die Kinder die am stärksten von neuen Ansteckungen betroffene Gruppe.

Ende Oktober liegt die Inzidenz der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohnern in Deutschland bei den Fünf- bis Neunjährigen bei 194 neuen Infektionen pro Woche. Bei den Zehn- bis 14-Jährigen sind es sogar 236 neue Infektionen pro Woche. Zwar sterben Kinder und Jugendliche viel seltener an Covid-19. In Deutschland waren unter den rund 95.000 mit dem Virus gestorbenen Patienten lediglich 29 Personen unter 20 Jahren. Aber die Zahl der Infektionen nimmt rasant zu. Für die USA haben Forscher errechnet: Obwohl die Pandemie bereits seit März 2020 andauert hat sich ein Drittel aller Infektionen bei den Kindern erst seit Juli 2021 ereignet.

Risiken durch Covid-19 größer als durch mögliche Impf-Nebenwirkungen

Bei den klinischen Versuchen mit rund 4.650 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen hatte der Impfstoff eine Wirksamkeit von rund 91 Prozent gezeigt. Für die Kinder war die Impfstoffmenge in einer Dosis auf ein Drittel dessen reduziert worden, was über 12-Jährige bekommen. Wie bei den älteren Gruppen wurden auch die Jüngeren zweimal im Abstand von 21 Tagen geimpft. Fälle von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen (Myo- und Pericarditis) traten in der Versuchsgruppe nicht auf. Allerdings hatten sie sich auch bei den etwas älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen erst nach Beginn der Massenimpfungen gezeigt, da diese Nebenwirkungen sehr selten auftreten.

Forscher der FDA haben für die USA verschiedene Szenarien durchgespielt, welche Effekte die Impfung der Kinder und Jugendlichen wahrscheinlich hat. Grundsätzlich gehen sie laut ""nature"" davon aus, dass der Nutzen die Risiken bei weitem überwiegt. Zwar seien Todesfälle unter Kindern selten, trotzdem seien die Risiken einer Covid-19-Infektion höher als die möglicher Nebenwirkungen durch die Impfung, so die Einschätzung der FDA.

Social Media Konsum senkt Impfbereitschaft

Seit Anfang Oktober gehen die Infektionszahlen in den USA wieder zurück. Aufgrund des weltweit immer wieder zu beobachtenden Phänomens, dass die Fallzahlen in Wellen ansteigen und wieder zurückgehen, gehen Epidemiologen aktuell davon aus, dass sich der Rückgang der Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten noch bis Anfang Januar fortsetzt. In diesem Fall würde auch eine erfolgreiche Impfkampagne bei Kindern und Jugendlichen wenig an der allgemeinen Entwicklung ändern, glauben die Forscher.

Allerdings: Sollte in den kommenden Wochen eine neue Virusvariante auftreten, die noch ansteckender ist als Delta, dann könnte eine gute Durchimpfung der Fünf- bis Elfjährigen den entscheidenden Unterschied machen. Offen sei dabei allerdings, wie gut die Impfung angenommen werde. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich hatte vor kurzem gezeigt: je häufiger Kinder und Jugendliche beziehungsweise ihre Eltern Internetplattformen wie Facebook oder twitter nutzen, desto größer waren ihre Vorbehalte gegen eine Impfung.

(ens)

8 Kommentare

Kritische vor 27 Wochen

Das Bekloppte war, dass anfangs schwadroniert wurde, dass es keine Impfpflicht geben wird. Das war so dumm und kurzsichtig, dass man sich echt an den Kopf greift. Aus der Nummer kommen sie jetzt nicht mehr raus und winden sich wie die Engerlinge, denn jeder weiß, nur mit der Impfpflicht wäre die Pandemie schneller vorbei. Einzige Alternative: Die Durchseuchung, wie in Indien. Dann sterben Tausende und aber Tausende quälen sich mit Long Covid, die Regale werden leer sein, weil die Hälfte krank ist, wie in GB. Im näheren Umfeld ein Arzt sagt, dass jetzt erst die meisten Patienten sagen, die Pandemie sei bei ihnen angekommen, da der Nachbar, Kollege, Verwandte etc. erkrankt seien. Wer nicht geimpft ist, wird es bekommen. Das kann dann Jahre dauern - diese Zeit zu verkürzen, dafür ist auch das Impfen da. Aber das begreifen die Verweigerer nicht und schimpfen dann auf Corona-Regeln, die ja uns alle nerven.

Anni22 vor 28 Wochen

Also das ist doch nicht zu fassen, die Politik traut sich nicht eine Impfpflicht für Erwachsene zu bestimmen, aber die Kinder sollen sich dann freiwillig (fragen wir die 5 jährigen dann?) impfen lassen. Die Eltern sollen also die Gewissensbisse der Zustimmung übernehmen, da die Politiker lieber nicht verantwortlich sein wollen. Ganz großes Kino! Liebe Politik wer eine Impfung will, muss eine Impfpflicht erlassen, die Verantwortung liegt also bei EUCH!

copecle vor 28 Wochen

Für die 99% hätte ich dann aber gern mal eine Quelle. Die Veröffentlichungen, bspw. der Helios-Kliniken (https://www.helios-gesundheit.de/qualitaet/impfstatus/), sprechen da eine andere Sprache.

Die Überlastung der Krankenhäuser auf Grund der Pandemiesituation wurde ja nun mittlerweile schon umfangreich diskutiert. Wir werden nicht umhin kommen, da auch über strukturelle Probleme zu reden. Personalabbau, Krankenhausschließungen, gesetzliche finanzielle Anreize für hohe Auslastungen. All das lässt sich nicht wegdiskutieren. Hinzu kommen Vorgehensweisen wie die extrabudgetäre Vergütung, die bei allen "ärztlichen Leistungen, die aufgrund des klinischen Verdachts auf eine Infektion oder einer nachgewiesenen Infektion erforderlich sind" (Quelle: kbv), bereitgestellt wird. Datenerfassung und -auswertung, teilweise unter aller Kanone. So was muss man doch sehen. Wie kann man nur den riesigen rosa Elefanten nicht sehen wollen?