Long-Covid Arztbesuche: Kinder und Jugendliche nach Covid-19 häufiger krank

Dresdner Forscher haben Krankenversicherungsdaten von Covid-Patienten ausgewertet, darunter auch von tausenden Kindern und Jugendlichen. Drei Monate nach der Diagnose waren sie häufiger krank als Vergleichspersonen.

Post Covid Fatigue
Post-Covid: Junge Patienten mit einer Covid-19 leiden in den drei Monaten nach der Diagnose viel häufiger an Fatigue oder Schmerzen in den Atemwegen, als nicht-erkrankte Gleichaltrige. (Symbolfoto) Bildrechte: PantherMedia / Sergio Monti

Eine labortechnisch nachgewiesene Covid-19 hat statistisch signifikante Folgen dafür, ob Versicherte in den drei Monaten nach der Diagnose häufiger mit Folgeerkrankungen bei ihren Ärzten vorstellig werden. So könnte man etwas abstrakt das wichtigste Ergebnis einer umfangreichen Datenanalyse von Dresdner Forschern zusammenfassen.

Abgerechnete Arztbehandlungen: Covid-Patienten nach Infektion deutlich häufiger krank

Das Team um Martin Rößler und Jochen Schmitt vom Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat dazu die Abrechnungen der Behandlungen von 38 Millionen gesetzlich krankenversicherten Deutschen im Jahr 2019 und in der ersten Jahreshälfte von 2020 ausgewertet. Der Vergleich zwischen Versicherten mit, beziehungsweise ohne Covid-19-Diagnose zeigt: In den drei Monaten nach der Erkrankung haben Betroffene signifikant häufiger weitere Gesundheitsfolgen, als gleich alte Vergleichspersonen mit gleichen Vorerkrankungen.

Datengrundlage waren abgerechnete Behandlungen von gesetzlich Versicherten. Die Forscher betrachteten Daten der Krankenkassen AOK Plus (Sachen und Thüringen), AOK Bayern, Barmer, BKK, DAK Gesundheit und der Techniker Krankenkasse. Darunter waren insgesamt 157.000 Personen, die im ersten Halbjahr einen labormedizinischen Nachweis einer Infektion mit dem Sars-Coronaviurs-2 hatten. Neben rund 145.000 Erwachsenen über 18 Jahren (von denen 8.400 wegen Covid-19 in Kliniken behandelt wurden, davon rund 3.000 intensivmedizinisch) waren auch 12.000 Kinder und Jugendliche dabei (hier wurden nur 117 in Krankenhäusern behandelt und nur 51 auf einer Intensivstation).

Kurzatmigkeit, Schmerzen in den Atemwegen, Abgeschlagenheit

Mit ihrer Analyse wollten die Forscher herausfinden: Lassen sich an Covid-19 erkrankte Versicherte in den drei Monaten nach ihrer Infektion häufiger wegen bestimmten Folgeerkrankungen wie Atembeschwerden oder Abgeschlagenheit behandeln? Dazu filterten die Wissenschaftler eine fünf Mal so große Vergleichsgruppe aus dem Datensatz, so dass zu jedem Covid-Patienten fünf gleich alte Personen gleichen Geschlechts mit gleichen Vorerkrankungen gefunden wurden. Dann durchsuchten sie die Daten nach Abrechnungen von Behandlungen von insgesamt 96 festgelegten Symptomen und Krankheitsbildern.

Ergebnis: Bei den Erwachsenen wurden in den drei Monaten nach einer Covid-19 Diagnose etwa 33 Prozent mal häufiger neue Symptome und Erkrankungen diagnostiziert. In absoluten Zahlen waren Kinder und Jugendliche zwar seltener betroffen, im Vergleich mit ihren Kontrollpersonen hatten diejenigen mit Covid-19 aber 30 Prozent häufiger weitere Diagnosen danach. Bei den erwachsenen Patienten waren das vor allem Geruchsverlust, Fieber-Episoden und Kurzatmigkeit, bei den Kindern und Jugendlichen wurden vor allem Abgeschlagenheit, Husten und Schmerzen in den Atemwegen festgestellt. Hier galt wie schon bei vorangegangenen Studien: Je älter die Kinder waren, desto häufiger kamen solche Langzeitfolgen vor.

Eine Covid-19 hat langfristige Folgen

Da nur Daten aus 2020 betrachtet wurden und es vergangenes Jahr noch keine Impfstoffe gab, waren alle Infizierten ungeimpft. Die Folgen bei Menschen mit einem Impfdurchbruch sind wahrscheinlich milder. Warum es nach der Infektion zu weiteren Symptomen kam, kann die noch nicht unabhängig begutachtete Studie aber nicht beantworten. Doch die Vermutung, dass eine Covid langfristige Folgen hat – auch für Kinder und Jugendliche – wird mit Blick auf die von Krankenkassen bezahlten Behandlungen wahrscheinlich einmal mehr bestätigt.

(ens)

5 Kommentare

Denkschnecke vor 5 Wochen

Wie man der Studie entnehmen kann, wurden Kinder mit einer klinischen Diagnose von COVID19 (und positivem PCR-Test, also ERKRANKTE Kinder) verglichen mit Kindern ohne COVID19 und ohne positiven Test. Die Befunde lassen sich deshalb überhaupt nicht mit "Psychoterror" durch Testen erklären.

mattotaupa vor 5 Wochen

"Wenn man gesunde Kinder ständig zum Testen zwingt, ist dies schon ungesund für die Entwicklung." genau, und winterreifen benötigen wir auch nicht, wenn wir nur rechtzeitig alle thermometer wegpacken. "nachdem ihnen schon seit Monaten gesagt wird, wie gefährlich Corona ist und dass sie damit ihre Großeltern etc. gefährden und gar umbringen können" keine ahnung, wie sie mit kindern kommunizieren aber grundschüler verstehen durchaus, daß eine gefährliche krankheit da draußen ist und wir insbesondere altersbedingt gefährdete personen schützen können und sollten. vielleicht sollten sie versuchen die argumentation positiv zu gestalten (den wunsch nach schutz anderer ausdrücken) und nicht das negative hervorstellen ("umbringen könnten", schuld künstlich aufbauen) aber vermutlich kommt es ihnen nur auf letzteres an. ist wie bei den kindern, die alle kein ernsthaftes problem mit der läästigen und nervigen maske haben und deswegen erwachsene an masken gestorbene kinder erfinden.

MDR-Team vor 5 Wochen

@Felix,
Sie schreiben das regelmäßige Testen von Kindern schade ihrer Gesundheit und Entwicklung. Mit welchen Quellen/Studien können Sie diese Aussage belegen?
Niemand bestreitet, dass die Pandemie eine große Herausforderung für alle und vor allem für Kinder ist. Geschlossene Schulen und Kitas richten jedoch weitaus mehr Schaden an, als Schnelltests es je könnten. Zudem schützt das regelmäßige Testen alle, die sich noch nicht impfen lassen konnten, wie zum Beispiel Kinder unter 12 Jahren oder Menschen, für die aus gesundheitlichen Gründen eine Impfung nicht möglich ist.