Covid-19 Kreuzimmunität: Einige Menschen offenbar super-resistent gegen Sars-CoV-2

Englische Forscher haben bei Krankenhausmitarbeitern Hinweise auf besondere T-Zellen entdeckt, die möglicherweise eine Infektion mit Covid-19 im Keim ersticken konnten. Sie könnten zur Vorlage für neue Impfstoffe werden.

T-Zellen Immunzellen, dargestellt als braune Kugeln mit dünnen Ärmchen, die Rezeptoren auf der Zellhülle darstellen.
T- und B-Zellen des Immunsystems (Computergrafik) - sie spielen neben Antikörpern die zentrale Rolle bei Immunität. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Im Frühjahr 2020 erfasste Sars-Coronavirus-2 unter anderem auch das Vereinigte Königreich (UK). Zahlreiche Patienten kamen in die Krankenhäuser. Ärzte und Pflegekräfte waren diejenigen, die rasch das höchste Risiko hatten, sich selbst zu infizieren. Es kam auch zu einer Menge Ansteckungen. Doch einige wenige Klinikmitarbeiter zeigten nie ein positives Testergebnis, weder bei PCR- noch bei Antikörpertests, obwohl sie dem Virus häufiger ausgesetzt waren. Eine in "nature" erschienene Studie beleuchtet jetzt dieses Phänomen. Die These der Forscher: Bestimmte T-Gedächtniszellen könnten einige Menschen derart immun gegen das Virus machen, dass Corona praktisch keine Chance hatte, sich bei ihnen festzusetzen.

Einige Klinikmitarbeiter konnten Infektion womöglich im Keim ersticken

Wie in vielen Ländern werden auch die Klinikmitarbeiter in UK seit Beginn der Pandemie regelmäßig mit einer PCR auf eine mögliche Infektion mit Covid-19 getestet. Zusätzlich wurde zu Beginn auch auf Antikörper gegen das Virus und auf weitere Merkmale getestet, um verborgenen Infektionen auf die Spur zu kommen. Forscher haben jetzt diese Proben und Daten von 58 Klinikmitarbeitern analysiert. Denn die Personen zeigten innerhalb von vier Monaten nach Einschluss in die Studie weder ein positives PCR-Ergebnis noch Anzeichen für Antikörper oder andere Merkmale einer Infektion, obwohl sich Kollegen am Arbeitsplatz angesteckt hatten.

Bei 20 dieser Studienpersonen fanden die Forscher erhöhte Level von T-Zellen, bei 19 davon zusätzlich ein Immunprotein namens IFI 27. Das Protein könnte laut den Autoren ein Hinweis auf einen vergangenen Kontakt mit Sars-CoV-2 sein. Die Wissenschaftler vermuten, dass bei den Studienpersonen eine Art Infektionsabbruch stattfand. Das Virus sei wahrscheinlich in den Körper der Personen gelangt, wurde dort aber so schnell bekämpft, dass es gar nicht erst Fuß fassen konnte.

Vorangegangene Erkältungen könnten kreuzreaktive T-Zellen hervorgebracht haben

Grund für die effektive Abwehr der Viren könnte laut den Forschern ein bestimmter Typ Gedächtnis-T-Zellen sein, den sie in den Proben fanden. Diese Zellen waren aktiv gegen eine Reihe von Virus-Proteinen, die für die Vermehrung der Viren wichtig waren, den sogenannten Replikations-Komplex. Die Forscher fanden diese T-Zellen deutlich häufiger bei denjenigen, die keine Anzeichen für eine Infektion gezeigt hatten, als bei denjenigen, die an Covid-19 erkrankt waren. Darüber hinaus fanden die Forscher diesen T-Zellen-Typ auch in Blutproben, die bereits vor der Pandemie genommen worden waren.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Immunzellen gebildet wurden bei einer Infektion mit einem der humanen Coronaviren, die gewöhnliche Erkältungen auslösen. Denn im Gegensatz zum Spikeprotein, mit die Viren in menschliche Zellen eindringen, das sich aber von Virusvariante zu Virusvariante unterscheidet, ist der Replikationskomplex bei vielen Coronaviren gleich. Das könnte diese Eiweiße zu einem neuen Ziel für Impfstoffe machen, die nicht nur gegen Sars-CoV-2 sondern gegen alle möglichen Coronaviren wirken.

Warum werden spezielle T-Zellen nicht bei jeder Corona-Erkältung gebildet?

Die vorliegende Studie lässt aber sehr viele Fragen offen. Zum einen ist gänzlich unklar, wann eine Erkältung die Bildung solcher T-Zellen auslöst. Denn obwohl die allermeisten Menschen in ihrem Leben mindestens einmal eine von Coronaviren verursachte Erkältung hatten, haben offenbar nur wenige diese T-Gedächtniszellen. Zum anderen merken nicht an der Studie beteiligte Forscher an, dass es keine definitiven Beweise gebe, dass die untersuchten Personen tatsächlich Kontakt mit Sars-CoV-2 hatten.

Diesen Zweifeln halten die Studienautoren entgegen, dass der gemessene Anstieg der T-Zellen genau mit der ersten Pandemie-Welle in UK zusammenfällt. Da sei ein Zufall sehr unwahrscheinlich. Andere Kritiker meinen: Selbst wenn die speziellen T-Zellen damals eine Infektion gänzlich unterbinden konnten, sei unklar, ob das auch für die deutlich ansteckendere Delta-Variante noch gelte. Weitere Studien mit Tiermodellen und Daten von Menschen sind also nötig.

(ens)

20 Kommentare

Nic vor 2 Wochen

Es muss demnach ein viertes G eingeführt werden, für Menschen, deren Blut getestet wurde und der Mensch sich nachweislich als Corona-immun herausgestellt hat. Aktuell leben wir in einer Quasi-Impfpflicht. Diese Impfung ist für immune Menschen aber weder akzeptabel, logisch noch sinnvoll.

Nic vor 2 Wochen

Ich glaube auch, dass ich kein Corona bekommen kann. Da es aber keine Tests dafür gibt, weiß ich es nicht sicher. Zumindest hatte ich noch nie eine Grippe, bin aber tatsächlich (außer die letzten zwei Jahre) ziemlich oft erkältet. Hier epidemologische Studien durchzuführen, wäre m.E. nach eine sinnvolle Investition.

Nic vor 2 Wochen

Ich fand den Artikel sinnvoll und spannend bis ich den letzten Satz: "Weitere Studien mit Tiermodellen und Daten von Menschen sind also nötig. " gelesen haben. Tierversuche haben in einer modernen und vor allem ergebnisorientierten Forschung nichts zu suchen. Wir haben weltweit x Mio. Coronafälle. Unfassbar viele nützliche Daten, wenn Forscher, Behörden und Institute in der Lage wären, diese zu erfassen und auszuwerten. Wer ist der Meinung, dass man weiterhin unschuldige Wesen misshandeln und ermorden muss (und darf), um final keine Erkenntniss zu erlangen?