Datenschutz Wie gefährlich sind digitale Spuren im Internet?

Was soll schon gefährlich sein an einem Urlaubsfoto auf Instagram? Und wen interessiert der alte Artikel aus der Lokalzeitung, der über ein Vereinsfest berichtet, bei dem man dabei war? Ein Experiment zeigt: Mit wenigen Suchanfragen können diese Daten eine ganze Identität enthüllen und das Einfallstor bilden für Betrug.

Viele Facebooknutzer posten gerne Fotos von sich, der Familie und den Freunden. Und manchmal teilen sie auch Daten aus ihrer Biografie mit, wo sie zur Schule gegangen sind und wo sie jetzt wohnen. Könnten Ihnen solche Daten gefährlich werden?

Wenige Daten genügen, um soziale Beziehungen auszuforschen

Boris Kartheuser ist investigativer Journalist und Experte für Onlinerecherche. Als solcher durchforstet er das Internet zum Beispiel nach den Spuren politischer Extremisten, nach Politikern oder Kriminellen. Und da braucht er nicht viel. "Wenn ich sehe, wo jemand zur Schule gegangen ist, kann ich Seiten wie 'Stay Friends" aufsuchen. Und dort finde ich dann weitere Menschen, die ich wiederum bei Facebook suchen kann", sagt er.

So hat er schnell ein persönliches Umfeld ausgeforscht. Ist jemand eine sogenannte Person von öffentlichem Interesse, also jemand, der Einfluss auf die Gesellschaft ausübt oder ein Verbrechen begangen hat, dann kann Kartheuser mit Daten wie dem Geburtstag und Geburtsort Daten bei den Einwohnermeldeämtern abfragen. "Ich kann entweder eine einfache oder eine erweiterte Melderegisterauskunft beantragen. Die sagt mir dann alle gegenwärtigen und vergangenen Wohnsitze einer Person und auch, wo sich die Angehörigen befinden."

Bewerbungsunterlagen im Internet sind ein Geschenk an Betrüger

Fataler aber ist, dass nicht jeder Internetnutzer weiß, wie gründlich Suchmaschinen das Netz abgrasen. Viele Menschen, die sich eine private Webseite angelegt haben, haben dort auf dem Server auch ihre Bewerbungsunterlagen platziert. So können sie diese potenziellen Arbeitgebern einfach zum Download anbieten.

Die Nutzer glauben oft, wenn die Dokumente auf keiner Webseite erscheinen, werden sie auch von Suchmaschinen wie Google nicht gefunden. Aber das ist ein Irrtum. "Eine Suchmaschine geht anders vor. Die schaut nicht, ist das versteckt auf der Seite oder nicht? Die durchsucht einfach", sagt Kartheuser.

Mit bestimmten Suchbegriffen hat er rasch Unterlagen gefunden, aus denen ein Name, eine Anschrift, E-Mailadresse, Geburtsdatum und -ort und sogar eine Unterschrift hervorgehen. "Wenn ich eine neue Waschmaschine brauche und keine Skrupel hätte, dann wäre es jetzt kein Problem, mit in diesem Sachen zu bestellen."

Context Collapse: Das peinliche Foto kursiert unter Arbeitskollegen

Ein Mann sitzt mit einer Maske vor einem Laptop.
Mit wenigen Handgriffen können Betrüger im Internet oft leicht an persönliche Daten gelangen (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Ein anderes, viel diskutiertes Horrorszenario: Arbeitskollegen finden peinliche Fotos im Netz und stellen sie dort online, wo sie das ganze Büro sehen kann. Wissenschaftler nennen das Context Collapse. "Das ist der Fall, wenn Inhalte von einer Plattform in eine andere rüberschwappen", erklärt der Sozialforscher Christoph Engemann von der Bauhaus-Universität in Weimar. "Also wenn man beispielsweise Daten von seiner Datingplattform plötzlich in Facebook wiederfindet oder andersherum."

Für Nutzer gibt es zwar im Prinzip gute Möglichkeiten, gegen solchen Context Collapse vorzugehen: Anwender können Informationen nur für wenige Freunde sichtbar machen, Plattformen verhindern, dass Fotos einfach herunterladbar sind. Und am Ende kann man zur Not per Klage die Löschung illegal veröffentlichter Daten erreichen. Sie haben aber weniger Möglichkeiten sicherzustellen, dass auch große Internetkonzerne alle Daten dort lassen, wo sie hingehören.

Wir sind zu Recht paranoid: Internetunternehmen betreiben permanent Context Collapse

Wenn Google, Facebook und Amazon Daten über ihre Nutzer sammeln, führen sie alle möglichen Informationen zu Profilen zusammen. Die enthalten in der Regel viel mehr, als man braucht, um eine Person im echten Leben zu identifizieren.

"Datingapps, Amazon, Facebook, alle sammeln die gleichen Daten" sagt Sozialforscher Engemann. Und diese Daten machen uns letztlich identifizierbar. "Davon merken wir aber als Nutzer nichts. Wir merken es nur, wenn wir spüren, dass die Werbung uns irgendwie verfolgt. Dann werden wir sozusagen ein bisschen paranoid - und das zu Recht."

Löschen, löschen, löschen: Was wir tun können, um uns zu schützen

Was also tun, wenn zu viele persönliche Daten durch das Netz schwirren? Boris Kartheuser rät "Löschen, löschen, löschen!" Das gilt auch für Daten, die unter Alias-Namen veröffentlicht wurden. Da viele Nutzer oft die gleichen Aliasnamen über mehrere Plattformen hinweg nutzen, können die echten Personen mitunter schnell identifiziert werden.

Man sagte mir, das Internet vergisst nix. Das stimmt aber nicht. Man kann Informationen auch an der Primärquelle wieder löschen lassen. Wenn es da einen Zeitungsartikel gibt, kann man die Redaktion anrufen und sie bitten, den aus dem Netz zu nehmen. Das geht auch in vielen Foren. Man sollte sich selbst suchen und überrascht sein, was man alles findet. Und dann schaut man, ob man das wieder löschen kann.

Boris Kartheuser, Experte für Onlinerecherche

Seitenbetreiber um Löschung bitten

Und wenn das nicht geht, dann kann man immer noch die Seitenbetreiber anschreiben und bitten: Löscht meine Inhalte wieder. Oder macht sie wenigstens nicht sichtbar. Am Ende existieren die Daten vielleicht noch auf irgendwelchen Computern. Aber sie sind zumindest nicht mehr für jeden Internetnutzer einfach abrufbar.

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