Zum Eierlegen braucht es keinen Hahn Fünf Fakten über Hühner und Eier

Ostern ohne Eier – unvorstellbar. Ausgeblasen hängen sie am Strauß. Kinder suchen sie im Garten. Kaum einer denkt dabei aber ans Huhn, die gackernden, pickenden "Eierfabriken". Fünf erstaunliche Dinge übers Huhn.

Hühner und bunte Eier im Gras
Wer denkt eigentlich an die fleißigen Hennen, wenn wir unsere Ostereier schälen? Bildrechte: MDR/Dani Dufft

Buntbemalt oder gefärbt baumeln sie an Sträußen oder Sträuchern; Ostersonntag liegen dann gekochte, gefärbte Eier auf wundersame Weise in der Wohnung oder im Garten, auf städtischen Wiesen oder unter Büschen in Pfarrgärten. Das Entzücken der Kinder beim Eiersuchen erfreut wiederum Eltern oder Großeltern. Nur wer denkt dabei eigentlich mal an die fleißigen Hennen, die bestenfalls sogar in einem im Hühnerstall im Stillen ganze Arbeit geleistet haben?

Mareike Fillmann
Hühnerexpertin Dr. Mareike Fellmin Bildrechte: Mareike Fellmin

Und so sieht's aus im Hühnerstall: Eine dicke Einstreu auf dem Boden, aus gehäckseltem Stroh oder Hackschnitzeln, manch privater Hühnerhaushalt schwört auch auf Hanfeinstreu, oder auf Pellets oder gehäckseltes Holz. Eine Stange zum Sitzen, manchmal eine Leiter, die da hinaufführt, ein Nest zum Eierlegen oder mehrere, je nachdem wie viele Hühner den Stall bewohnen. Manche Hühner zwängen sie auch gern gackernd zu zweit oder zu dritt zum Brüten in ein Nest, egal wie viele Nester da sind; oder legen sie sogar draußen unter Büsche oder in andere geschützte Ecken. Manch private Hühnerhalter können ein Lied davon singen, wenn sie beim gärtnern zufällig über ein ganz geheimes Legenest stolpern. Nicht immer ist übrigens ein Hahn dabei, wenn es um Hühnereier geht. An sich braucht es den für das Frühstücksei gar nicht, erklärt Dr. Mareike Fellmin vom Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter. Hühner müssen Eier legen, sie können gar nicht anders, es steckt in ihren Genen:

In dem Moment, wo der Eisprung stattfindet, wird auch ein Ei gebildet. Das ist ein Vorgang, der tatsächlich ohne Hahn stattfindet.

Dr. Mareike Fellmin

Hühner tragen es nämlich genetisch in sich, dass sie Eier legen. Der Hahn wird zur Befruchtung der Eier gebraucht, wenn es darum geht, dass Küken schlüpfen sollen. Wie viele Eier eine Henne im Lauf ihres Lebens legt, kann variieren. Zwischen 60 und 320 Eiern im Jahr ist alles dabei. Und da gibt es je nach Huhn braune Eier, weiße Eier, cremefarbene, grünliche, rote, bräunliche. Aber kommen von braunen Hühnern tatsächlich braune Eier, weiße Eier von weißen Hühnern? Und haben dann die Hennen, die grüne Eier legen, ein grünes Gefieder? Die Eierfarbe hat nichts mit dem Gefieder zu tun, sondern mit der Rasse. Rötlichbraune Eier legt zum Beispiel die französische Rasse Marans, Araucanas sind in der privaten Hühnerhaltung als "Grünleger" bekannt.

Am Huhn erkennen, welche Farbe die Eier haben, kann man aber trotzdem, und zwar am Ohr des Huhns. Dr. Fellmin weist auf die Ohrscheiben, kleine Hautlappen neben dem Schnabel.

Die können entweder weiß gefärbt sein oder hautfarben. Daran kann man sehen: Ein Huhn mit weißen Ohrscheiben wird weißschalige Eier legen und eins mit hautfarbenen Ohrscheiben eben braune Eier.

Dr. Mareike Fellmin

Eier gibt es also in vielen Farbschattierungen. Von ganz weiß bis zu ganz dunkelbraun oder grünlich-blau, beschreibt Dr. Fellmin die natürliche Farbvielfalt im Legenest.

Bio-Eier aus Freilandhaltung
Hier waren verschiedene Hühner am Werk. Bildrechte: mago/imagebroker

Aber warum landen auf unserem Frühstückstisch dann meist nur die braunen und weißen Eier? Auch hier spielen gewissermaßen die Gene rein. Nur Rassen mit bestimmten Genen legen farbige Eier und das sind genau die, die nicht die "Legeleistung" haben, wie sie die industrielle Haltung verlangt. Die schaut rein auf die wirtschaftlichen Aspekte und dabei: Pro Henne ein Ei am Tag. Das erklärt also den Mangel an Farbvariation im Eierbecher.

Und damit landen die Eier auch einfach seltener im Supermarkt.

Dr. Mareike Fellmin

Huhn ist nicht gleich Huhn!

Bankivahuhn
Ein Hahn des Urhuhns: Das Bankivahuhn Bildrechte: imago/imagebroker

Seidenhühner, schwarze Hühner, Hühner mit Federn auf dem Kopf, befiederte Beine – allein in Deutschland gibt es 180 verschiedene Rassen. Zurück gehen sie alle auf eins: Das rote Kammhuhn oder auch Bankivahuhn. Klein, graubraun, gelber Nacken – so sieht der Vorfahr unserer heutigen Hühner aus.

Wann genau Mensch und Huhn zueinander fanden, ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, dass das Huhn das älteste Hausgeflügel ist, das uns Menschen begleitet.

Dr. Mareike Fellmin

Das war vor 5.000 Jahren. Da wurden die Hühner aus Asien ausgeführt und verbreiteten sich so in der ganzen Welt.

Farbtupfer aus der bunten Welt der Rassehühner

Bankivahuhn
Am Anfang war das Bankivahuhn, sozusagen das Urhuhn unserer heutigen Hühner. Die Hennen legen nur etwa 20 Eier pro Jahr. Bildrechte: imago/imagebroker
Bankivahuhn
Am Anfang war das Bankivahuhn, sozusagen das Urhuhn unserer heutigen Hühner. Die Hennen legen nur etwa 20 Eier pro Jahr. Bildrechte: imago/imagebroker
Bankivahahn
In der Ordnung der Hühnervögel sind die Bankivas den Fasanenartigen zugehörig - die langen geschwungenen Schwanzfedern dieses Bankivahahns zeigen warum. Bankiva-Hühner lebten ursprünglich in Südostasien im Dschungel. Bildrechte: imago/stock&people
Dresdner Huhn mit schwarz-weißen Küken vom Italiener-Huhn
Dresdner Hühner: Legeleistung 220 Eier pro Jahr, ohne Legepause im Winter. Gezüchtet wurden sie von Alfred Zumpe, einem Sachsen, der im Zweiten Weltkrieg in englischer Kriegsgefangenschaft aufs Huhn kam und später diese Rasse züchtete. Bildrechte: imago/imagebroker
Paduaner
Paduaner - die bärtigen Punks unter den Hühnern und eine uralte Rasse: Die frühesten Abbildungen der Paduaner-Hühner stammen aus Ägypten etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung. Haube und Bart sind keine Zuchtergebnisse, sondern nützliche Beigaben der Natur: Sie schützen ihre Träger vor Erfrierungen. Ihre Legeleistung liegt bei 120 Eiern pro Jahr. Bildrechte: imago/Karina Hessland
Orpington
Das Federkleid schleift fast auf dem Boden, Beine sieht man gar nicht: Das ist das Orpington-Huhn, hier eines mit gelbschwarzem Federsaum. Es gibt zwei Zuchtlinien dieser flauschigen Federbälle: Hühner der asiatischen Variante wurden zur Fleischzucht erzüchtet und sind sehr ruhig und können kaum fliegen. Die Hühner der Mittelmeer-Variante sind gute Flieger und legen große Eier. Bildrechte: imago images/cynoclub
Vorwerkhuhn
Vermutlich das erste Huhn, das quasi auf dem Reißbrett entstanden ist, ein frühes "Designerhuhn": Das Vorwerkhuhn. Es hat nichts mit dem gleichnamigen Staubsauger-Hersteller zu tun. Es ist einfach nach ihrem Züchter, dem Hamburger Oskar Vorwerk benannt. Der wollte ein Huhn züchten, das mit wenig Futter viel Fleisch und viele Eier bringen sollte und noch dazu ein optischer Hingucker in repräsentativen Villengärten war. Als "modernes Wirtshaftshuhn" taugen die friedlichen Vorwerkhühner nicht, sie brauchen ein großes Gelände mit viel Auslauf. Bildrechte: imago/blickwinkel
Huhn - deutscher Sperber
Deutsche Sperber Hühner verdanken ihrem Namen dem gleichnamigen Raubvogel und der Ähnlichkeit mit dessen Federkleid. Sie gelten als Allzweckhühner, einerseits gute Leger (220 Eier pro Jahr) andererseits als leckerer Braten mit hochwertigem Fleisch. Bildrechte: imago images/Shotshop
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Was war zuerst da: Das Huhn oder das Ei?

Das ist wohl der Klassiker unter den Eierfragen. Und das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Für Molekulargenetiker Diethard Tautz kam das Ei vorm Huhn, denn der Vorfahr des Huhns hat sich nicht einfach im Laufe seines Lebens verändert und war dann plötzlich ein Huhn.

Das Individuum als solches kann sich evolutionär nicht verändern, aber seine Nachkommen können verändert sein.

Prof. Dr. Diethard Tautz , Molekulargenetiker

Logisch ist also: Zuerst kam das Ei. Ähnlich sieht es auch Dr. Mareike Fellmin. Sie spricht von einem Kunstgriff der Evolution:

Das ist immer wieder ein kleines Wunder, dass in einem Ei alles drin ist, dass sich daraus ein Küken entwickeln kann. Das ist ein ausgeklügeltes System an Nährstoffen und Schutzstoffen, die da drin sind, damit nach 21 Tagen ein kleines Lebewesen entstehen kann.

Dr. Mareike Fellmin

Warum essen wir eigentlich nur Hühnereier?

Rührei, Baiser, Eierkuchen, Eier in Senfsauce – Eier kommen uns nun in verschiedenster Form auf den Tisch. Und immer kommen sie von der Henne. Könnte man nicht auch die Eier von der Wachtel, der Ente oder der Gans essen? Expertin Fellmin sagt:

Prinzipiell sind alle Eier essbar. Die Verfügbarkeit ist halt die Frage. Gerade von anderen Vogelarten, die vielleicht nicht so viel legen, sind die Eier teurer.

Dr. Mareike Fellmin

Einen Vorteil hätten andere Eier dann aber doch, nämlich für Menschen, die keine Hühnereier vertragen, aber eigentlich Eier gern mögen:

Enteneier
Enteneier kann man auch essen. Bildrechte: imago images/Imaginechina-Tuchong

Für Hühnerei-Allergiker ist es durchaus zu überlegen, auf Eier von anderen Tierarten umzusteigen, zum Beispiel Enten- oder Gänseeier. Dann hat man nämlich wieder die Möglichkeit, auch Eier zu essen, selbst bei einer Hühnerei-Eiweiß Allergie.

Dr. Mareike Fellmin

Also keine Einwände gegen andere Eier, man muss nur welche kriegen. Und dann gucken, wie lang man sie kochen muss. Enteneier sollte man zum Beispiel nie roh essen, da sie als sehr Salmonellen-belastet gelten. Aber am leichtesten "landen" uns im Alltag dann doch die Eier der Henne auf den Tisch. Während wir also unser Sonntags-Ei auslöffeln, können wir uns im Stillen mal bei den unbekannten Hennen bedanken, diesen unermüdlichen, fleißigen Eierlegerinnen.

Henne im Nest
Bei dieser Henne sieht man wunderbar die helle Ohrscheibe, die auf die Eierfarbe hinweist. Bildrechte: imago/blickwinkel

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